Was Finance- und Procurement-Teams erwartet


Für Finance- und Procurement-Abteilungen heißt es nun: mit gezielten, praktikablen Schritten sich der neuen Technologien und Vorschriften annehmen.
KI wird alltägliches Werkzeug
Dass KI auch 2026 ein dominierendes Thema bleibt, erstaunt kaum. Überraschend ist vielmehr, wie rasant sich der Charakter von KI verändert hat. Noch vor zwei Jahren ein abstraktes Software-Thema, ist sie zu einem Alltagswerkzeug geworden, raus aus der privilegierten Sphäre der Data Scientists und Software Engineers, rein in die Allgemeinheit. Ein in 2025 bereits beobachtbares Muster wird damit fortgeschrieben. Viele Unternehmen starten nicht mit großen generischen KI-Projekten, sondern nutzen stattdessen zuerst KI-Funktionen, die in den ohnehin bereits verwendeten Lösungen schon enthalten sind.
Agentic AI dominierender Treiber
Am stärksten wird Agentic AI die Agenda dominieren. KI-Agenten also, die Prozesse nicht nur analysieren, sondern aktiv steuern und Arbeitsschritte eigenständig ausführen. Damit verbinden sich zwei bislang getrennte Stränge: KI für Entscheidung und Kontext sowie Automatisierung für die Ausführung. Die Vorstellung, dass KI als Wundermittel alles allein erledigt, rückt in den Hintergrund. Stattdessen setzt sich ein pragmatischer Ansatz durch: Kombination statt Dogma.
KI erkennt, priorisiert oder generiert – und programmierte Logik führt aus, was KI vorbereitet hat. Das Ergebnis sind Automatisierungsgrade, die deutlich über das hinausgehen, was bisher möglich war. Gerade im SAP-Umfeld profitieren Prozesse wie Beschaffung, Stammdatenpflege oder Rechnungsverarbeitung enorm von solchen hybriden KI-Ansätzen.
Omnipräsent bei deutschen SAP-Anwenderunternehmen wird 2026 die verpflichtende Einführung elektronischer Rechnungen. Noch im Oktober 2025 brachte eine xSuite-Umfrage Ernüchterndes zutage: Von 174 Antwortenden konnten lediglich 24 Prozent zu diesem Zeitpunkt bereits E-Rechnungen versenden. Das wird sich in den kommenden Monaten drastisch ändern müssen. Ab dem 1. Januar 2027 müssen Unternehmen in Deutschland im B2B E-Rechnungen versenden. Eine verlängerte Frist bis 1. Januar 2028 betrifft nur kleine Unternehmen mit maximal 800.000 Euro Jahresumsatz. Nicht den typischen SAP-Anwender also.
Neben der Ausgangsseite müssen Firmen auch die Eingangsseite genau betrachten. Das BMF verlangt von ihnen, ausschließlich EN-16931-konforme Rechnungen annehmen und verarbeiten zu können. Wer das nicht tut, riskiert den Verlust des Vorsteuerabzugs – ein Risiko, das sich kein Unternehmen leisten kann. Es gilt daher zu prüfen, ob der bestehende Prozess zur Annahme von E-Rechnungen wirklich funktioniert und vor allem, ob er skalierbar ist. Denn das Volumen eingehender E-Rechnungen wird 2026 deutlich steigen, so viel steht fest.
SAP Public Cloud wächst
Weiter an Zuspruch gewinnen wird in diesem Jahr die Public-Cloud-Variante von S/4. Zwar verkaufen sich immer noch mehr Add-on-Lösungen (wie der Rechnungsworkflow von xSuite) für S/4 in der Private Cloud und on-premises. Aber das Public-Cloud-Pflänzchen wächst erkennbar. Die Migration von ECC auf S/4 bleibt, ungeachtet der Hosting-Frage, ein Dauerbrenner. Elf Jahre nach dem Launch der neuen Produktgeneration befindet sich SAP in einer kommunikativen Daueroptimismus-Phase. In Pressemitteilungen feiert der Hersteller Cloud-Backlogs und Neuabschlüsse. Selten aber wird konkretisiert, wie viele Bestandskunden wirklich bereits migriert haben – oder eben auch nicht.
Migration bleibt ein Marathon
Laut Analystenzahlen von Ende 2024 (aktuellere lagen nicht vor) waren gerade einmal knapp 40 Prozent der ECC-Kunden entweder schon auf S/4 migriert oder hatten eine Lizenzvereinbarung unterschrieben. Ihr Anteil dürfte mittlerweile gestiegen sein, jedoch sicher nicht exponentiell. Dass SAP selbst verlängerte ECC-Optionen anbietet, spricht für sich. So bleibt die Migration ein Marathon, kein Sprint.
Dass sich dies 2026 ändert, dagegen spricht die unveränderte Knappheit an Ressourcen, mit anderen Worten: Es fehlen Consultants, die die weltweite Nachfrage nach Beratung in Migrationsprojekten hinreichend befriedigen könnten. Auch 2026 wird deshalb nicht das S/4-Hana-Jahr. Eher eines des stetigen, wenig spektakulären Fortschritts. Technologien werden greifbar, Automatisierung wird robuster, und KI wird endlich so eingesetzt, dass sie spürbare Wirkung entfaltet.n





