S/4 au sein du réseau logistique mondial de Mercedes-Benz


Das vorhandene System GSSclassic musste abgelöst und vollständig in die neue Plattformlandschaft überführt werden. Gleichzeitig sollten bisher externe Partnerlösungen durch interne SAP-Prozesse ersetzt und innovative, transparente Prozessstrukturen geschaffen werden.
Hochkomplexe Prozesse in S/4
Ziel war es, bestehende Lieferbeziehungen effizienter zu gestalten, die Systemlandschaft zu konsolidieren und internationale Logistikprozesse unter einem Dach zu führen. Dabei waren insbesondere CKD- und DDL-Prozesse für Auslandsmontagestandorte betroffen – hochkomplexe Abläufe mit unterschiedlichen Partnern, Standorten und Verpackungsanforderungen. Mercedes-Benz suchte einen Partner mit tiefem Prozessverständnis, SAP-Expertise und Erfahrung mit dem bisherigen System. Aufgrund der langjährigen Zusammenarbeit und des fundierten Know-hows wurde Abat mit dem Projekt GSS[+] betraut – dem ersten S/4-Projekt bei Mercedes-Benz überhaupt.
Abat, in enger Kooperation mit der SAP, übernahm die vollständige Abbildung der logistischen Abläufe im neuen S/4-System GSS[+]. Dazu gehörten Materialstammdatenmanagement, Bedarfsplanung, Lieferantenanbindung via EDI, mehrstufige Verpackungsprozesse und Track-and-Trace-Funktionen.
Auch externe Warehouse-Management-Systeme wurden angebunden. Komplexe Qualitätsprozesse – wie Retouren oder Nacharbeiten – ließen sich künftig direkt im System abbilden. Zusätzlich mussten FI-Schnittstellen zur Abbildung globaler Warenströme eingebunden werden. Das System wurde durchgängig auf Automatisierung und Erweiterbarkeit ausgelegt, inklusive Zollprozessen und Containerisierung.
Der Startschuss für das Projekt GSS[+] fiel im Jahr 2016. Abat begann gemeinsam mit Mercedes-Benz und der SAP mit der strukturierten Analyse und Neudefinition der Handelshausprozesse. Ziel war es, diese auf die S/4-Systemlandschaft zu übertragen und gleichzeitig funktional weiterzuentwickeln. Dafür wurde früh ein ganzheitlicher Projektansatz gewählt: technische Umsetzung, Prozessdesign und Systemintegration lagen in einer Hand. Schon in der Anfangsphase entstanden erste kundenspezifische Entwicklungen, parallel wurde der SAP Solution Manager als Transport- und Testplattform etabliert (Charm mit Focused Build). Auch Migrationsprozesse und HyperCare wurden standardisiert.
Der erste Meilenstein war 2017 der erfolgreiche Go-live für die CKD-Prozesse im Werk BBAC am Standort China. In den Folgejahren wurde das System Schritt für Schritt ausgerollt: 2018 MBEXtra in den USA, 2019 das Mercedes-Werk in Rastatt.Mit jeder Ausbaustufe kamen neue Funktionalitäten hinzu – darunter ein zentrales Testmanagement, ein erweiterter Solution-Documentation-Prozess (SOLDOC) sowie ein vollständig integriertes Incident Management im SAP Solution Manager. 2020 ging das Werk Böblingen-Hulb live.
Organisatorische Neuausrichtung
Die nächsten Etappen folgten 2021 und 2022 mit dem Go-live der Bremer Logistik Gesellschaft (BLG) in zwei Phasen, begleitet von einer organisatorischen Neuausrichtung. Parallel dazu wurde ein umfassender Roll-out-Blueprint entwickelt. Der sogenannte „Part by Part“-Ansatz (PbP) ermöglichte eine feinere Steuerung logistischer Abläufe über Fahrzeugbaureihen hinweg. Dieser Blueprint bildet nun die Grundlage für internationale Roll-outs bis 2027. 2023/2024 wurden alle Vorbereitungen für den nächsten großen Meilenstein abgeschlossen: den PbP-Go-live in Shunyi 2025. Die Umsetzung wurde bereits erfolgreich im Mai 2025 live genommen. Weitere Werke werden folgen.
Rückblickend wuchs aus dem Projekt weit mehr als nur ein IT-System: Mercedes-Benz, Abat, SAP und andere Partner arbeiteten in wechselnden Konstellationen über Jahre eng zusammen. Es entstand ein belastbares Netzwerk, das auch komplexe Herausforderungen gemeinsam meistern konnte. GSS[+] wurde zum erfolgreichen Piloten für S/4 bei Mercedes-Benz – mit klarer Perspektive für die Zukunft. Das neue System GSS[+] ermöglicht eine einheitliche, transparente Abbildung der kompletten Handelshausprozesse im SAP-Standard. Partnerlösungen wurden abgelöst, Prozesse standardisiert und zentralisiert. Die tägliche Arbeit wurde durch automatisierte Abläufe und eine moderne Fiori-Oberfläche spürbar vereinfacht. Dank CDS Views und der Hana-Datenbank konnten Auswertungen beschleunigt und Prozesse entlastet werden. Systemupdates sorgen für kontinuierliche technische Weiterentwicklung.
Die Integration von Qualitäts-, Retouren- und Zollprozessen erleichtert das Monitoring und reduziert Schnittstellenprobleme. Der Erfolg des Projekts ist auch ein menschlicher: Es entstanden enge Partnerschaften, gemeinsame Routinen und Freundschaften. Sport-Events, Weihnachtsfeiern oder spontane Team-Meetings stärkten das Miteinander. Die Teams von Mercedes, Abat und SAP sind zusammengewachsen – fachlich wie kulturell. Das Projekt GSS[+] wurde damit nicht nur zur IT-Erfolgsgeschichte, sondern auch zu einem Vorbild gelebter Kooperation.
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