{"id":162590,"date":"2026-04-16T08:26:45","date_gmt":"2026-04-16T06:26:45","guid":{"rendered":"https:\/\/e3mag.com\/?p=162590"},"modified":"2026-04-16T08:26:46","modified_gmt":"2026-04-16T06:26:46","slug":"all-in-on-abap","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/e3mag.com\/fr\/all-in-on-abap\/","title":{"rendered":"All-in on Abap"},"content":{"rendered":"<h2 class=\"wp-block-heading\">On-prem-Freiheiten versus strenge Cloud-Regularien<\/h2>\n\n\n\n<p>Keynote-Sprecher Professor Christian Leubner wird in Heidelberg verdeutlichen, dass der Wechsel in die Cloud f\u00fcr Abap-Entwickler fundamentale Ver\u00e4nderungen der gewohnten Abl\u00e4ufe und unz\u00e4hliger technischer Details erzwingt, da SAP eine rigide Trennung zwischen den einstigen On-prem-Freiheiten und den neuen, strengen Cloud-Regularien diktiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Das technische Vehikel dieser architektonischen Zwangsma\u00dfnahme tr\u00e4gt in der Community den klangvollen Codenamen Steampunk, was offiziell das SAP BTP Abap Environment bezeichnet. Mit Steampunk zwingt SAP seine Bestandskunden, kundenindividuelle Erweiterungen konsequent aus dem ERP-Kernsystem auszulagern und als sogenannte Side-by-Side-Szenarien auf der Business Technology Platform (SAP BTP) zu betreiben. Flankiert wird dies durch das Konzept des Embedded Steampunk, das On-Stack-Erweiterungen direkt im S\/4-System erlaubt, jedoch unter exakt denselben unerbittlichen Restriktionen des neuen und stark reglementierten Entwicklungsmodells \u201eAbap Cloud\u201c operiert.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Teurer Refactoring-Prozess<\/h2>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die SAP-Bestandskunden ergeben sich aus dieser neuen Entwicklungsdoktrin gewaltige technische, organisatorische und kaufm\u00e4nnische Herausforderungen, die oftmals einem schmerzhaften und teuren Refactoring-Prozess gleichkommen. In der neuen Abap-Cloud-Welt ist der grenzenlose Direktzugriff auf Datenbanktabellen, das lokale Dateisystem oder den Kernel des Anwendungsservers rigoros verboten.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Programmierer d\u00fcrfen ausschlie\u00dflich auf von SAP explizit freigegebene, sogenannte Whitelisted-APIs und klar definierte Erweiterungspunkte zugreifen. Diese Ma\u00dfnahme garantiert zwar auf dem Papier die dringend ben\u00f6tigte Release- und Upgrade-Stabilit\u00e4t f\u00fcr k\u00fcnftige Cloud-Szenarien, entwertet aber gleichzeitig historisch gewachsenen und wettbewerbsdifferenzierenden Custom-Code, der in langwierigen Projekten neu geschrieben werden muss.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Eclipse, ADT und CDS<\/h2>\n\n\n\n<p>Zudem wird den Anwendern ihr \u00fcber Jahrzehnte liebgewonnenes Werkzeug entzogen: Die klassische, GUI-basierte Entwicklungsumgebung mit der Transaktion SE80 hat ausgedient, und stattdessen wird der Einsatz der Eclipse-basierten Abap Development Tools (ADT) zwingend vorgeschrieben.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Umstellung verlangt von den Entwicklern au\u00dferdem zwingend fundierte Kenntnisse in Core Data Services (CDS) sowie die tiefe Beherrschung des Abap RESTful Application Programming Models (RAP), um moderne transaktionale Gesch\u00e4ftsobjekte und Webservices \u00fcberhaupt noch regelkonform orchestrieren zu k\u00f6nnen. Wer diese steile Lernkurve im eigenen IT-Team nicht bew\u00e4ltigt, wird in der neuen, cloud-getriebenen SAP-Welt schlichtweg handlungsunf\u00e4hig.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">KI und Abap-1<\/h2>\n\n\n\n<p>Um diesen enormen Migrationsdruck abzufedern und die millionenfachen Zeilen alten Legacy-Codes \u00fcberhaupt in die neue Cloud-\u00c4ra \u00fcberf\u00fchren zu k\u00f6nnen, bedient sich SAP mittlerweile der generativen k\u00fcnstlichen Intelligenz, wobei spezifische Large Language Models (LLMs), die direkt auf Abap-Code trainiert wurden und in der Entwicklerwelt unter dem Assistenten \u201eJoule for Developers\u201c oder dem Paradigma Abap-1 subsumiert werden, eine zentrale strategische Rolle spielen.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese spezialisierten Basismodelle wurden mit hunderten Millionen Zeilen Abap- und CDS-Code der SAP sowie umfangreicher technischer Dokumentation trainiert, um den Entwicklern kontextbezogene und hochpr\u00e4zise Vorschl\u00e4ge f\u00fcr die Code-Erstellung und die komplexe Migration von Altlasten nach S\/4 Hana zu liefern. Die KI agiert hier als allgegenw\u00e4rtiger digitaler Assistent, der langweilige Routineaufgaben automatisiert, Unit-Tests generiert und veralteten, inkompatiblen Code analysiert, um passgenaue, Clean-Core-konforme L\u00f6sungen zur automatisierten Umschreibung vorzuschlagen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">IT-Reparaturdienstverhalten<\/h2>\n\n\n\n<p>Kritisch betrachtet offenbart dieser massive KI-Einsatz jedoch die ganze strategische Ironie des ERP-Weltmarktf\u00fchrers: SAP nutzt hochentwickelte k\u00fcnstliche Intelligenz prim\u00e4r als algorithmisches Reparaturwerkzeug, um die gigantischen Migrationsh\u00fcrden und architektonischen Zwangskorsette, die man den Kunden mit der radikalen Clean-Core-Strategie selbst auferlegt hat, \u00fcberhaupt erst technisch und zeitlich bew\u00e4ltigbar zu machen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Zukunft von \u201eAll-in on Abap\u201c<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Zukunft von Abap ist somit keineswegs der oft beschworene endg\u00fcltige Tod der Sprache, sondern ihre unbedingte Unterwerfung unter die strikte Plattform\u00f6konomie der SAP-Cloud. Abap wird von den SAP-Bestandskunden weiterhin dringend ben\u00f6tigt, da es das unersetzliche und bew\u00e4hrte Fundament bleibt, um tiefgreifendes, branchenspezifisches Prozesswissen in die standardisierten ERP-Abl\u00e4ufe zu integrieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Anwender soll und muss Abap k\u00fcnftig jedoch ausschlie\u00dflich im Rahmen des dogmatischen Clean-Core-Prinzips verwenden. Das bedeutet in der Praxis, dass jede neu geschriebene Zeile Code entweder als streng entkoppelte Side-by-Side-Erweiterung in der BTP (Steampunk) oder als stark kontrollierte On-Stack-Entwicklererweiterung (Embedded Steampunk) \u00fcber das Abap-Cloud-Modell realisiert werden muss.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Modifikationen im Z-Namensraum: technische Sackgasse<\/h2>\n\n\n\n<p>Unternehmen, die sich dieser technischen Disziplin verweigern und aus Bequemlichkeit an alten, wild wuchernden Modifikationen im Z-Namensraum festhalten, riskieren unwiderruflich ihre k\u00fcnftige Upgrade-F\u00e4higkeit und treiben sich selbst in eine teure, technische Sackgasse. Die kritische Schlussfolgerung f\u00fcr jeden aufgekl\u00e4rten SAP-Bestandskunden lautet daher, dass der Einsatz von Abap im Zeitalter der generativen KI und der Cloud kein freies, kreatives Handwerk mehr ist, sondern einer industriellen, KI-gest\u00fctzten und durch SAP hart reglementierten Flie\u00dfbandarbeit gleicht, bei der Systemstabilit\u00e4t, Cloud-Konformit\u00e4t und absolute Release-F\u00e4higkeit stets \u00fcber der architektonischen Freiheit der eigenen IT-Abteilung stehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Seit \u00fcber vier Jahrzehnten bildet die Programmiersprache Abap das unangefochtene, schlagende Herzst\u00fcck der globalen SAP-Landschaften, doch die glorreichen Zeiten der grenzenlosen Entwicklerfreiheit sind im Namen des Cloud-Computings unwiderruflich vorbei. Wer die aktuelle ERP-Transformation betrachtet, erkennt einen radikalen Paradigmenwechsel, den Professor Christian Leubner in seinen Analysen zum Thema \u201eAbap f\u00fcr die Cloud\u201c schonungslos demaskiert.<\/p>\n\n\n\n<p>N\u00e4chste Woche findet in Heidelberg der Steampunk und BTP Summit 2026 statt. Die SAP-Community diskutiert die Plattformtrends inklusive alternative Produkte wie Boomi f\u00fcr SAP-Bestandskunden. Ein wesentlicher Teil der zweit\u00e4gigen Veranstaltung wird neben einem KI-Erlebnisworkshop naturgem\u00e4\u00df das Thema Abap sein.<\/p>\n\n\n\n<p>In Heidelberg wird Christian Leubner eine Keynote zum Thema Abap-Cloud halten. Jetzt noch schnell Restkarten sichern und mit Professor Leubner \u00fcber \u201eAll-in on Abap\u201c diskutieren. <a href=\"https:\/\/e3mag.com\/de\/steampunk-summit\/\">Zur Anmeldung geht es hier.<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der neuen Abap-Cloud-Welt ist der grenzenlose Direktzugriff auf Datenbanktabellen, das lokale Dateisystem oder den Kernel des Anwendungsservers rigoros verboten. 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