{"id":61447,"date":"2015-11-03T12:17:04","date_gmt":"2015-11-03T11:17:04","guid":{"rendered":"http:\/\/e3mag.com\/?p=61447"},"modified":"2024-01-19T14:54:27","modified_gmt":"2024-01-19T13:54:27","slug":"innovations-killer-indirekte-nutzung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/e3mag.com\/de\/innovations-killer-indirekte-nutzung\/","title":{"rendered":"Innovations-Killer indirekte Nutzung"},"content":{"rendered":"<p>Jeder SAP-Lizenzkauf basiert auf einem individuellen Vertrag, den g\u00fcltigen allgemeinen Gesch\u00e4ftsbedingungen (AGB) sowie der SAP-Preis- und -Konditionenliste (PKL).<\/p>\n<p>SAP \u00fcberarbeitet und \u00e4ndert diese Preis- und Konditionenliste einmal im Quartal. Diese \u00c4nderungen umfassen Preise, Produkte und Metriken. Neue SAP-Produkte werden hinzugef\u00fcgt oder Optionen entfernt, wie beispielsweise die Named-User-Lizenz \u201eSAP Limited Professional User\u201c.<\/p><div class=\"great-fullsize-content-de\" style=\"float: left;\" id=\"great-3518878370\"><div id=\"great-438790605\" style=\"margin-bottom: 20px;\"><a data-no-instant=\"1\" href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=6yfv7eho3Gc\" rel=\"noopener\" class=\"a2t-link\" target=\"_blank\" aria-label=\"Fullsize\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_26_04_08_1200x150.jpg\" alt=\"Fullsize\"  srcset=\"https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_26_04_08_1200x150.jpg 1200w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_26_04_08_1200x150-400x50.jpg 400w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_26_04_08_1200x150-768x96.jpg 768w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_26_04_08_1200x150-100x13.jpg 100w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_26_04_08_1200x150-480x60.jpg 480w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_26_04_08_1200x150-640x80.jpg 640w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_26_04_08_1200x150-720x90.jpg 720w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_26_04_08_1200x150-960x120.jpg 960w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_26_04_08_1200x150-1168x146.jpg 1168w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_26_04_08_1200x150-18x2.jpg 18w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_26_04_08_1200x150-600x75.jpg 600w\" sizes=\"(max-width: 1200px) 100vw, 1200px\" width=\"1200\" height=\"150\"  style=\" max-width: 100%; height: auto;\" \/><\/a><\/div><\/div>\n<p>Nutzungsrechte k\u00f6nnen neu definiert werden! So kann eine bisher kostenfreie Nutzung nach der \u00c4nderung durchaus kostenpflichtig werden. Oder der SAP-Key-Account-Manager fordert seine Kunden \u00fcberraschend auf, Nutzungen, die ihnen seit Jahren aus \u201eKulanz\u201c kostenlos \u00fcberlassen wurden, doch noch nachzulizenzieren.<\/p>\n<p>Solch ein Fall ist u. a. die \u201eindirekte Nutzung\u201c. Lange Zeit war es ein Graubereich, der dennoch viele Projekte zu Fall brachte \u2013 teils aufgrund fehlender Definitionen und Abgrenzungen, teils aus Kostengr\u00fcnden.<\/p>\n<h3>Ein Beispiel:<\/h3>\n<p>Ein Bestandskunde mit etwa 100 Named-SAP-Usern wollte ein Serviceportal mittels einer extern programmierten Webseite (Java) implementieren. Aufgabe w\u00e4re die selbstst\u00e4ndige Datenpflege durch die B2B-Kunden des Unternehmens. Damit w\u00fcrden \u00fcber das Web-Portal Kundendaten in das SAP-System eingespielt und durch das Portal auch gepflegt werden.<\/p>\n<p>Eine Sch\u00e4tzung ergab etwa 10.000 erwartete Web-Logins, die auf SAP \u201eindirekt&#8221; zugreifen k\u00f6nnten. Laut Preisliste war damals der \u201eNetWeaver User\u201c notwendig (ca. 150 Euro). Diese Preisvorgabe machte das ganze Projekt aus Kosten-Nutzen-Sicht kaputt!<\/p>\n<p>Nach ausdauernder Verhandlung konnte man sich auf einen \u201esymbolischen Euro\u201c pro geplanten Portal-Nutzer, also in Summe 10.000 Euro einigen.<\/p>\n<p>In den vergangenen PKL-\u00c4nderungen hat SAP die Definition \u201eNutzung\u201c weiter konkretisiert \u2013 was letztendlich dem Anziehen einer Daumenschraube gleichkommt.<\/p>\n<p>Das Ziel ist eindeutig: entweder Mehreinnahmen bei Lizenzen und Pflegegeb\u00fchr oder die \u00dcbersiedlung in die Wolke. Somit ergeben sich f\u00fcr On-pre\u00admise-Bestandskunden verschiedene rechtliche Fragestellungen:<\/p>\n<p>Sind SAP-Kunden tats\u00e4chlich rechtlich verpflichtet, die indirekte Nutzung bei SAP zu melden und ggf. nachzuzahlen, auch wenn diese bereits seit Jahren kostenlos erfolgt?<\/p>\n<p>Ist den Kunden das finanzielle Risiko bewusst, und ist dieses im Risikomanagement entsprechend ber\u00fccksichtigt? Welche Mechanismen werden eingesetzt, und werden diesbez\u00fcglich R\u00fccklagen gebildet?<\/p>\n<p>Um herauszufinden, wie Bestandskunden mit sich \u00e4ndernden Lizenzbedingungen umgehen und welche Auswirkungen solche Vertragsver\u00e4nderungen mit sich bringen, hat Guido Schneider, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer von SecurIntegration und erfahrener SAP-Lizenzexperte, eine Online-Umfrage unter SAP-Kunden und DSAG-Mitgliedern durchgef\u00fchrt. Insgesamt haben 61 Unternehmen Fragen zu ihren bisherigen Erfahrungen und zur Risikoeinsch\u00e4tzung beantwortet.<\/p>\n<h3>Die Ausgangsbasis<\/h3>\n<p>Bestandskunden, aber auch viele SAPKey-Account-Manager k\u00f6nnen nach Guido Schneider die indirekte Nutzung oftmals nicht pr\u00e4zise definieren:<\/p>\n<p><em>\u201eDas ist wahrscheinlich auch einer der Gr\u00fcnde, warum in der Vergangenheit hierf\u00fcr keine entsprechenden Nutzungsrechte, SAP-Lizenzen, gekauft bzw. verkauft wurden.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Untersucht man die Preis- und Konditionenlisten ab 2006 (bzw. zum Zeitpunkt der Einf\u00fchrung von SAP NetWeaver 2004) und vergleicht sie mit der aktuellen PKL von Q3\/2015, so ergibt sich Folgendes:<\/p>\n<p>SAP unterscheidet, ob der Zugriff auf Applikationen \u00fcber SAP-eigene Technologie, also \u201einnerhalb\u201c von SAP (Abap- oder Java-Stack), erfolgt oder nicht. Passiert der Zugriff \u00fcber kundeneigene Entwicklungen oder \u00fcber Software von Drittanbietern, dann verlangt SAP hierf\u00fcr ein zus\u00e4tzliches Nutzungsrecht in Form der \u201eNetWeaver Foundation for Third Party Applications\u201c-Lizenz.<\/p>\n<p>Der Kunde kann einmalig entscheiden, auf welcher Basis er die Lizenz erwerben m\u00f6chte: Core-based (Anzahl der CPU-Kerne, auf denen die Applikation l\u00e4uft) oder User-based (Anzahl der Anwender, die die Applikation nutzen).<\/p>\n<p>Ein Mischen der Berechnungsans\u00e4tze oder das Wechseln von einem Lizenzmodell zum anderen ist f\u00fcr den Anwender laut aktueller PKL nicht m\u00f6glich.<\/p>\n<p>Die Core-Lizenz kostet 30.000 Euro, die User-Lizenz mit einer Mindestabnahme von 120 Einheiten kostet 450 Euro pro User f\u00fcr die Datenbanken MaxDB, IBM DB2, Sybase ASE und Hana.<\/p>\n<p>Die \u201eNetWeaver Foundation for Third Party\u201c-Lizenz muss der Bestandskunde also erwerben, wenn er Fremdsoftware (Third-Party-Software) betreiben will, die auf SAP-Technologie basiert.<\/p>\n<p>Unabh\u00e4ngig davon ben\u00f6tigt er zudem noch ein passendes Nutzungsrecht, die Named-User-Lizenz. Liegt diese nicht vor, so muss die \u201eSAP Platform User\u201c-Lizenz f\u00fcr 1.300 Euro bestellt werden. Der SAP Platform User for Productivity Apps kostet 250 Euro.<\/p>\n<h3>USMM &amp; LAW<\/h3>\n<p>Messbar f\u00fcr SAP sind die Nutzung bzw. der Zugriff mit den vorhandenen Vermessungstools USMM (Transaktion: User System Measurement) und LAW (License Administration Workbench) bisher noch nicht!<\/p>\n<p>Im Einzelfall muss daher technisch\/manuell ermittelt werden, welche Zugriffsform vorliegt und welche Nutzungsrechte der jeweilige \u201eSAP-User\u201c f\u00fcr diesen Zugriff ben\u00f6tigt.<\/p>\n<p>Juristisch w\u00e4re ebenfalls zu pr\u00fcfen, ob tats\u00e4chlich eine Urheberrechtsverletzung vorliegt, wenn Anwender keine Funktionen innerhalb des SAP-Software-Codes nutzen, sondern lediglich auf unternehmenseigene Daten (lesend bzw. schreibend) zugreifen.<\/p>\n<p>Eine Systemvermessung wird noch undurchsichtiger, wenn es Nachk\u00e4ufe gab, denn dann kommen unterschiedliche AGB und PKL zur Anwendung: Was also vielleicht vor einigen Jahren erlaubt und kostenfrei war, ist heute kostenpflichtig.<\/p>\n<p>Eine historische Zuordnung von SAP-Lizenzen zu den Ergebnissen aus USMM und LAW gibt es aber nicht! Guido Schneider meint dazu: In dem Moment, in dem ein Unternehmen somit SAP-Lizenzen erwirbt, erkennt es auch die aktuellen AGB und damit die aktuelle PKL an.<\/p>\n<p>Diese PKL und die darin beschriebenen Konditionen (Nutzungsrechte) gelten f\u00fcr die aktuell gekauften Lizenzen. Ob sie auch r\u00fcckwirkend auf bereits erworbene Lizenzen anzuwenden sind, m\u00fcsste juristisch \u00fcberpr\u00fcft werden. Die Frage ist f\u00fcr jene F\u00e4lle relevant, in denen ein Unternehmen vor der Einf\u00fchrung der PKL 2006 Eigenentwicklungen programmiert hat und diese noch einsetzt.<\/p>\n<p>Diese sind theoretisch nicht lizenzpflichtig, da es eine entsprechende Lizenz damals noch nicht gab. Erwirbt das Unternehmen jedoch in diesem Jahr SAP-Lizenzen, akzeptiert damit die aktuelle PKL und nimmt im folgenden Jahr eine neue Eigenentwicklung in Betrieb, m\u00fcsste das Unternehmen demnach f\u00fcr diese neue Eigenentwicklung eine \u201eSAP NetWeaver Foundation for Third Party Applications\u201c-Lizenz erwerben.<\/p>\n<p>Sollten die Vertragsregeln dies so vorsehen und rechtsg\u00fcltig sein, stellt sich die Frage, ob sich alle Unternehmen dar\u00fcber im Klaren sind, dass m\u00f6gliche Nachforderungen auf sie zukommen k\u00f6nnen. Ist SAP hier in der Verpflichtung, ihre Kunden auf diesen Umstand hinzuweisen? (Ende des Zitats)<\/p>\n<p>Die Untersuchung von SecurIntegration hat ergeben, dass \u00fcber 80 Prozent der Befragten die aktuelle PKL nicht kennen, und sie wurden von der SAP auch nicht \u00fcber die entsprechenden \u00c4nderungen informiert.<\/p>\n<p>Die juristische Bewertung, ob dies im B2B-Umfeld \u00fcberhaupt erforderlich ist oder ob der Bestandskunde selbst verpflichtet ist, sich aktiv \u00fcber m\u00f6gliche \u00c4nderungen zu informieren, kann Guido Schneider allgemein nicht beantworten. Festzustellen ist aber, dass viele Kunden \u00fcber ihre aktuellen Vertragskonditionen im Unklaren sind.<\/p>\n<h3>SAP-L\u00f6sung hei\u00dft Cloud<\/h3>\n<p>Nicht nur die Bestandskunden sind verunsichert, auch die SAP-Key-Account-Manager scheinen unwissend zu sein. Dem E-3 Magazin wird immer h\u00e4ufiger berichtet, dass SAP ihre Bestandskunden unter anderem mit dem Argument in die Wolke locken will, dass es dann keine Lizenzkosten f\u00fcr indirekte Nutzung gibt \u2013 was technisch gesehen nat\u00fcrlich vollkommener Unfug ist, aber aus Sicht der Walldorfer unternehmenspolitisch verst\u00e4ndlich erscheint:<\/p>\n<p>Kommt der Bestandskunde in die teure SAP-Cloud, bekommt er die indirekte Nutzung als Naturalrabatt. Auch unter diesem Aspekt muss die \u00c4nderung der AGB und PKL verstanden werden. SAP k\u00e4mpft um einen echten Mehrwert f\u00fcr das Cloud-Gesch\u00e4ft.<\/p>\n<p>Cloud Computing ist aber bei europ\u00e4ischen SAP-Bestandskunden keine L\u00f6sung f\u00fcr das Thema indirekte Nutzung. Damit versch\u00e4rft sich der Konflikt und hat unmittelbaren Einfluss auf Innovationen bei Partnern und Kunden sowie die Weiterentwicklung von Gesch\u00e4ftsprozessen.<\/p>\n<p>Eine Zusammenfassung aus dem Umfeld der DSAG lautet demnach auch, dass aufgrund dieses ungekl\u00e4rten Lizenzthemas viele innovative Kundenprojekte von SAP zerst\u00f6rt wurden. Die oft erw\u00e4hnten Themen Investitionsschutz, Nachhaltigkeit, Innovationsf\u00e4higkeit sind aus diesem Blickwinkel marginal und unbedeutend.<\/p>\n<p>Viele DSAG-Mitglieder sind daf\u00fcr, das Thema endlich objektiv und f\u00fcr beide Seiten vern\u00fcnftig zu l\u00f6sen. Mit Blick auf IoT (Internet of Things\/Industrie 4.0) sind IT-Experten skeptisch, wie man das Senden von Nachrichten von Maschinen an SAP (M2M) umsetzen kann, wenn man von der (lizenz)technischen Plattform der SAP nicht \u00fcberzeugt ist.<\/p>\n<p>(Text von Peter M. F\u00e4rbinger unter Verwendung der SecurIntegration\/DSAG-Umfrage und zahlreicher Leserbriefe)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was will SAP mit dem Thema \u201eindirekte Nutzung\u201c erreichen? Die Situation ist komplex, die Antwort einfach: mehr Lizenz- und Pflegegeb\u00fchrumsatz sowie mehr Cloud-Anwender. 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