{"id":60687,"date":"2013-04-01T10:39:47","date_gmt":"2013-04-01T08:39:47","guid":{"rendered":"http:\/\/e3mag.com\/?p=60687"},"modified":"2019-07-09T10:47:33","modified_gmt":"2019-07-09T08:47:33","slug":"im-notfall-droht-der-wechsel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/e3mag.com\/de\/im-notfall-droht-der-wechsel\/","title":{"rendered":"Im Notfall droht der Wechsel"},"content":{"rendered":"<p>Das Ziel der Umstellung: Im SEPA-Raum sollen f\u00fcr Kunden keine Unterschiede mehr zwischen nationalen und grenz\u00fcberschreitenden Zahlungen erkennbar sein. So weit die Theorie \u2013 doch in der Praxis wird es kompliziert.<\/p>\n<p>Denn SEPA betrifft rund 500 Millionen Menschen in 32 L\u00e4ndern und erfordert sowohl von Banken als auch von Unternehmen einen sauberen Planungs-, Migrations- und Kommunikationsprozess.<\/p><div class=\"great-fullsize-content-de great-entity-placement\" style=\"float: left;\" id=\"great-1911435341\"><div id=\"great-3013686283\" style=\"margin-bottom: 20px;\"><a data-no-instant=\"1\" href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=6Ja0zaCg0ss\" rel=\"noopener\" class=\"a2t-link\" target=\"_blank\" aria-label=\"banner_bdc_2026_1200x150\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_bdc_2026_1200x150.jpg\" alt=\"\"  srcset=\"https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_bdc_2026_1200x150.jpg 1200w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_bdc_2026_1200x150-400x50.jpg 400w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_bdc_2026_1200x150-768x96.jpg 768w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_bdc_2026_1200x150-100x13.jpg 100w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_bdc_2026_1200x150-480x60.jpg 480w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_bdc_2026_1200x150-640x80.jpg 640w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_bdc_2026_1200x150-720x90.jpg 720w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_bdc_2026_1200x150-960x120.jpg 960w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_bdc_2026_1200x150-1168x146.jpg 1168w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_bdc_2026_1200x150-18x2.jpg 18w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_bdc_2026_1200x150-600x75.jpg 600w\" sizes=\"(max-width: 1200px) 100vw, 1200px\" width=\"1200\" height=\"150\"  style=\" max-width: 100%; height: auto;\" \/><\/a><\/div><\/div>\n<p>Der Bankberater und Zahlungsverkehrsexperte Bernd Richter, Partner bei der Beratung Capco, skizziert im Interview mit dem E-3 Magazin die Herausforderungen, aber auch die M\u00f6glichkeiten, denen Banken und Unternehmen gegen\u00fcberstehen.<\/p>\n<h3>E-3: Beginnen wir mit einer Situationsanalyse. Wie weit sind Banken und Unternehmen in Deutschland und den anderen L\u00e4ndern?<\/h3>\n<p><strong>Bernd Richter:<\/strong> Beide Parteien haben noch etliche Hausaufgaben zu machen. In unseren Transformationsmandaten bei Banken zu SEPA werden zwei Aspekte \u00fcberdeutlich. Zum einen bearbeiten Banken aktuell so viele Baustellen im Regulierungsbereich, dass viele offensichtlich das Thema SEPA vergleichsweise niedrig priorisiert haben.<\/p>\n<p>Und dies ist f\u00fcr die Banken eine gro\u00dfe Gefahr. Denn wenn sie jetzt nicht gewaltig Gas geben, werden sie im n\u00e4chsten Jahr zahlreiche Kunden verlieren. Zum anderen zeigt sich, dass die allermeisten Banken lediglich auf die gesetzlichen Vorgaben reagieren und versuchen, die festgeschriebenen Inhalte der sogenannten Rule-Books umzusetzen, anstatt selbst zu agieren.<\/p>\n<p>Denn der Status quo, den Banken zum 1. Februar 2014 erf\u00fcllen m\u00fcssen, entfaltet nicht im Ansatz das Potenzial, das SEPA haben wird \u2013 f\u00fcr Banken wie f\u00fcr Unternehmen.<\/p>\n<h3>E-3: Was kommt denn auf die Unternehmen zu?<\/h3>\n<p><strong>Richter:<\/strong> SEPA teilt sich, vereinfacht ausgedr\u00fcckt, in zwei Bereiche. Einerseits<br \/>\nin die SEPA-\u00dcberweisung, kurz SEPA CT genannt. Zum anderen in die jetzt anstehende SEPA-Lastschrift, kurz SEPA DD.<\/p>\n<p>F\u00fcr beide Bereiche gelten ab dem 1. Februar kommenden Jahres im Euro-Raum die gleichen Regeln \u2013 zumindest auf dem Papier. In diesem Zahlungsraum sollen f\u00fcr Kunden keine Unterschiede mehr zwischen nationalen und grenz\u00fcberschreitenden Zahlungen erkennbar sein.<\/p>\n<p>Um als Unternehmen fit f\u00fcr SEPA zu sein, muss neben einer Umstellung und Optimierung der Anbindung und Datenverarbeitung auch gepr\u00fcft werden, ob und wie die Lastschrifteinwilligungen transformiert werden.<\/p>\n<p>Denn die Unternehmen m\u00fcssen in Zukunft die SEPA-Lastschriftmandate, also eine Legitimation f\u00fcr die Durchf\u00fchrung einer SEPA-Lastschrift, dokumentieren und administrieren. Das ist je nach Gesch\u00e4ftsmodell und Kundenanzahl ein hoher Implementierungsaufwand.<\/p>\n<h3>E-3: Wie sch\u00e4tzen Sie allgemein die Situation bei den Unternehmen ein?<\/h3>\n<p><strong>Richter:<\/strong> Capco fokussiert sich bei der Beratung speziell auf Banken und Finanzdienstleister, daher erfolgt mein Urteil \u00fcber die SEPA-Readiness der Unternehmen aus einem rein pers\u00f6nlichen Blickwinkel.<\/p>\n<p>Ich f\u00fcrchte: Die Unternehmen haben noch einen steinigen Weg vor sich. Gleichwohl sie in den Bem\u00fchungen auch vergleichsweise wenig durch ihre Hausbanken unterst\u00fctzt werden. Denn deren Umsetzungsgeschwindigkeit und Kommunikation ist oftmals verbesserungsw\u00fcrdig.<\/p>\n<h3>E-3: Hand aufs Herz: Wie weit sind denn die Banken?<\/h3>\n<p><strong>Richter:<\/strong> Wir erleben einige Banken, die erstaunlich weit sind und innovativ handeln. Daneben werden wir aber auch bei vielen Finanzinstituten mandatiert, bei denen es lichterloh brennt, weil noch fast gar nichts passiert ist.<\/p>\n<p>Ich bezweifle angesichts der Daten der Europ\u00e4ischen Zentralbank, ob das Gros der Banken noch rechtzeitig fertig werden und zum Stichtag alle Kunden bedienen kann. Das belegen \u00fcbrigens Zahlen.<\/p>\n<p>In Deutschland haben laut EZB zum Ende des dritten Quartals 2012 erst sechs Prozent der Banken die SEPA-CT-Anforderungen erf\u00fcllt, SEPA DD sogar nicht einmal zu einem Prozent.<\/p>\n<p>Deutlich besser sieht es in Belgien aus, dort sind \u00fcber 60 Prozent der Banken SEPA CT compliant, bei SEPA DD knapp 15 Prozent. Dies ist meines Erachtens mit dem Druck der jeweiligen Regierung zu begr\u00fcnden, wie stark SEPA gepusht wird oder eben nicht.<\/p>\n<h3>E-3: Was hei\u00dft das unterm Strich?<\/h3>\n<p><strong>Richter:<\/strong> Unterm Strich hei\u00dft das: Viele, aber l\u00e4ngst nicht alle Banken in Europa werden zum Stichtag compliant sein \u2013 aber nur auf dem Papier. Und die allermeisten Banken werden selbst diese Mindestanforderung, wenn \u00fcberhaupt, nur f\u00fcr einen Bruchteil der Unternehmen nachhalten k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>In der Folge werden wir mit hoher Wahrscheinlichkeit starke Verschiebungen der Kundenbeziehungen erleben. Eine Wechselwelle von Unternehmen zu Banken, die sehr weit sind und zudem das Potenzial von SEPA nachvollziehbar erkl\u00e4ren und verkaufen k\u00f6nnen, ist in meinen Augen fast unausweichlich.<\/p>\n<h3>E-3: Ein Wechsel der Hausbank ist allerdings ein nicht allt\u00e4glicher Prozess. Sollten sich CFOs wegen SEPA tats\u00e4chlich mit diesem Thema besch\u00e4ftigen?<\/h3>\n<p><strong>Richter:<\/strong> Aus Kundensicht ist es immer sinnvoll, Angebote zu vergleichen. Und die CFOs m\u00fcssen mit den COOs investieren, um SEPA darstellen zu k\u00f6nnen. Entsprechend macht es Sinn, dann auch die eigentlichen Potenziale von SEPA zu heben. Und dies geht nur mit einer Hausbank, die entsprechende Angebote vorh\u00e4lt.<\/p>\n<h3>E-3: Dadurch k\u00f6nnten Unternehmen ja auch erstarken?<\/h3>\n<p><strong>Richter:<\/strong> Ja. SEPA spielt dadurch den Unternehmen in die Tasche und st\u00e4rkt ihre Position. Sie brauchen nach der Einf\u00fchrung nur mehr ein Konto im gesamten Euro-Raum, k\u00f6nnen in der Folge das Rechnungswesen zentralisieren, es gibt massive Working-Capital-Chancen und vieles mehr.<\/p>\n<p>Spannend wird SEPA f\u00fcr Unternehmen jedoch vor allem dann, wenn Zusatzservices, sogenannte \u201evalue added services\u201c, genutzt und mit den eigenen SAP- oder ERP-Systemen zusammengef\u00fchrt werden.<\/p>\n<h3>E-3: K\u00f6nnen Sie hier ein Beispiel nennen?<\/h3>\n<p><strong>Richter:<\/strong> Es w\u00e4re beispielsweise f\u00fcr viele Unternehmen extrem hilfreich, wenn bei dem Verwendungszweck neben Text und Rechnungskoordinaten auch Bild oder gar Video hinzugef\u00fcgt werden k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Ist die Ware angekommen? Gibt es Beanstandungen? Diese Information wird in Echtzeit in die ERP- und CRM-Systeme gespielt, ausgewertet und l\u00f6st entsprechende Prozesse aus.<\/p>\n<h3>E-3: Ist so ein Szenario tats\u00e4chlich vorstellbar \u2013 von einer Bank?<\/h3>\n<p><strong>Richter:<\/strong> Absolut. Ich sehe und erlebe in meinen Beratungsmandaten bereits erste derartige Konzepte. Jedoch eben nur bei wenigen Banken. Der Innovationsdruck kommt in Sachen \u201evalue added services\u201c, wie \u00fcberhaupt im gesamten Payment-Markt, jedoch selten von Banken.<\/p>\n<p>In der Regel treiben ehemals reine Technologieanbieter die Entwicklungen voran \u2013 und damit Banken vor sich her. Paypal, Everbill oder Traxpay verstehen es schon jetzt sehr gut, Information mit Zahlung und dem Faktor Geschwindigkeit zu kombinieren.<\/p>\n<p>Sie bieten parallel zum bestehenden bankengest\u00fctzten Zahlungsverkehr oft eine kosteng\u00fcnstige alternative Zahlungsinfrastruktur an, die Zahlungen nicht wie bisher innerhalb von ein bis zwei Tagen abwickelt, sondern in Echtzeit.<\/p>\n<p>Sieben Tage die Woche, 24 Stunden am Tag. Das f\u00fchrt zu einem neuen Machtverh\u00e4ltnis. Bis vor wenigen Jahren war Zahlungsverkehr ein Monopolthema der Banken in Europa. Nun jedoch dr\u00e4ngen neue Spieler auf das Spielfeld.<\/p>\n<p>In der Folge sollten CFOs schon jetzt das Gespr\u00e4ch mit der Hausbank suchen und sich zeigen lassen, was zum 1. Februar machbar sein wird. Und ob das auch f\u00fcr das eigene Unternehmen g\u00fcltig sein wird. Und sich ansonsten andere Angebote einholen.<\/p>\n<h3>E-3: Was m\u00fcssen die Banken tun, um nicht Gefahr zu laufen, die gewachsenen Kundenbeziehungen zu verlieren?<\/h3>\n<p><strong>Richter:<\/strong> F\u00fcr mich ist es \u00fcberraschend, dass Banken nicht beginnen, Allianzen f\u00fcr SEPA und dar\u00fcber hinaus zu schmieden. Es w\u00e4re vorstellbar und naheliegend, die Entwicklung eines modernen SEPA-Anwendungsmodells in Kooperation mit anderen Banken zu planen und die Entwicklungs- und Umstellungskosten zu teilen \u2013 und somit Innovation gegen\u00fcber den Technologieanbietern zu verteidigen.<\/p>\n<p>Jedoch zeigt die Praxis, dass die Banken weiterhin nur eigene Wege gehen. Deshalb ist es umso notwendiger, rasch zu handeln, strategisch und vision\u00e4r zu agieren und vor allem die Kommunikation zum Kunden zu optimieren. Denn wer darauf wartet oder hofft, dass der Kunde m\u00f6glichst sp\u00e4t oder gar keine Fragen zu SEPA stellt, wird 2014 ein b\u00f6ses Erwachen erleben.<\/p>\n<h3>E-3: Vielen Dank f\u00fcr das Gespr\u00e4ch.<\/h3>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Single European Payment Area \u2013 kurz SEPA \u2013 klingt auf den ersten Blick harmlos, hat es aber in sich. Der 1. 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