{"id":56861,"date":"2019-02-21T10:02:48","date_gmt":"2019-02-21T09:02:48","guid":{"rendered":"http:\/\/e3mag.com\/?p=56861"},"modified":"2022-05-01T09:56:33","modified_gmt":"2022-05-01T07:56:33","slug":"agilitaet-und-stabilitaet-strategieinterview","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/e3mag.com\/de\/agilitaet-und-stabilitaet-strategieinterview\/","title":{"rendered":"Agilit\u00e4t und Stabilit\u00e4t &#8211; Strategieinterview"},"content":{"rendered":"<p>Wenn es um den \u201eGoldschatz\u201c Daten geht, f\u00e4llt oft und schnell der Begriff MDM, Master Data Management, oder auch MDG, Master Data Governance. Aber diese Buzzwords und deren Funktionsumfang greifen viel zu kurz, wenn ein ERP-Releasewechsel ansteht.<\/p>\n<p>Wenn zus\u00e4tzlich auch noch die ERP-Datenbank ausgetauscht werden muss, wie das im Fall von Hana und S\/4 bis 2025 der Fall sein wird m\u00fcssen, dann braucht man wesentlich mehr als ein SAP\u2019sches MDM und MDG.<\/p><div class=\"great-fullsize-content-de great-entity-placement\" style=\"float: left;\" id=\"great-2947586363\"><div id=\"great-4282071317\" style=\"margin-bottom: 20px;\"><a data-no-instant=\"1\" href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=6ZGXMPyM-nU\" rel=\"noopener\" class=\"a2t-link\" target=\"_blank\" aria-label=\"banner_26-04_29_1200x150\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_26-04_29_1200x150-1.jpg\" alt=\"\"  srcset=\"https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_26-04_29_1200x150-1.jpg 1200w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_26-04_29_1200x150-1-400x50.jpg 400w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_26-04_29_1200x150-1-768x96.jpg 768w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_26-04_29_1200x150-1-100x13.jpg 100w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_26-04_29_1200x150-1-480x60.jpg 480w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_26-04_29_1200x150-1-640x80.jpg 640w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_26-04_29_1200x150-1-720x90.jpg 720w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_26-04_29_1200x150-1-960x120.jpg 960w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_26-04_29_1200x150-1-1168x146.jpg 1168w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_26-04_29_1200x150-1-18x2.jpg 18w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_26-04_29_1200x150-1-600x75.jpg 600w\" sizes=\"(max-width: 1200px) 100vw, 1200px\" width=\"1200\" height=\"150\"  style=\" max-width: 100%; height: auto;\" \/><\/a><\/div><\/div>\n<p>Mit Thomas Failer, Gr\u00fcnder der Data Migration Services, f\u00fchrte E-3 Chefredakteur Peter M. F\u00e4rbinger folgendes Strategieinterview.<\/p>\n<h3>Peter M. F\u00e4rbinger: Herr Failer, Sie und Ihr Unternehmen haben sich seit \u00fcber 20 Jahren auf die Historisierung und Migration von Altdaten und -dokumenten spezialisiert, insbesondere bei SAP-Bestandskunden. Was war in diesem Zeitraum die gr\u00f6\u00dfte Ver\u00e4nderung im Markt?<\/h3>\n<p><strong>Thomas Failer:<\/strong> Die gr\u00f6\u00dfte Ver\u00e4nderung findet gerade jetzt statt. Das Grundproblem, dass es viel zu teuer und aufw\u00e4ndig ist, bei einem Wechsel auf neue Softwaregenerationen die Altsysteme weiterzubetreiben und s\u00e4mtliche Altdaten und -dokumente zu migrieren, gab es in der IT zwar schon immer. Aber noch nie war das Problem so gro\u00df wie heute.<\/p>\n<h3>F\u00e4rbinger: Woran liegt das?<\/h3>\n<p><strong>Failer:<\/strong> Der Hauptgrund besteht darin, dass mehrere Entwicklungen miteinander konvergieren. Der Schutz des geistigen Eigentums und der pers\u00f6nlichen Daten wird immer wichtiger, sowohl wegen der Regularien, man denke nur an die europ\u00e4ische Datenschutzgrundverordnung, aber auch wegen der immer raffinierteren Angriffe von Cyberkriminellen und -spionen.<\/p>\n<p>Gleichzeitig k\u00f6nnen die Unternehmen diese Daten nicht mehr hinter dicken und hohen Mauern abschirmen. Denn die Vernetzung ist das Gebot der Stunde, entlang ganzer Lieferketten bis hin zum Endkunden.<\/p>\n<h3>F\u00e4rbinger: Sie spielen damit auf die Cloud an?<\/h3>\n<p><strong>Failer:<\/strong> Das ist mehr als eine Anspielung. Denn die Cloud \u00e4ndert in der Tat alles. Sie stellt nicht nur eine neue Art und Weise dar, wie und wo die IT sozusagen produziert wird, sondern auch und vor allem, wie sie konsumiert wird.<\/p>\n<p>Der Grad an Flexibilit\u00e4t, Ressourcenverf\u00fcgbarkeit, Geschwindigkeit und Einfachheit stellt f\u00fcr die Unternehmen einen Quantensprung dar. Gleichzeitig kommt die IT der Unternehmen dadurch unter einen gnadenlosen Zugzwang.<\/p>\n<p>Denn sie muss genauso agil, flexibel und schnell werden wie die gro\u00dfen Cloud-Anbieter. Au\u00dferdem muss sie denselben Bedienkomfort bieten.<\/p>\n<h3>F\u00e4rbinger: Gilt das auch f\u00fcr die SAP-Bestandskunden?<\/h3>\n<p><strong>Failer:<\/strong> Das gilt f\u00fcr alle gleicherma\u00dfen. SAP-Bestandskunden, die nicht auf der H\u00f6he der Cloud-Standards sind, werden die Digitalisierung nicht meistern. Die Anwender werden sich abwenden und Services von \u00f6ffentlichen Cloud-Anbietern nutzen. Im Extremfall m\u00fcssten die Manager dann die IT komplett auslagern.<\/p>\n<h3>F\u00e4rbinger: Sind sich die SAP-Bestandskunden dessen bewusst?<\/h3>\n<p><strong>Failer:<\/strong> Ja nat\u00fcrlich. Sie verfolgen mit Argusaugen die Cloud-Strategie der SAP. Dass viele von ihnen z\u00f6gern, auf die neue Softwaregeneration aus Walldorf eher heute als morgen umzusteigen, liegt aber nicht daran, dass sie diese Strategie prinzipiell infrage stellen.<\/p>\n<h3><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" title=\"Agilit\u00e4t und stabilit\u00e4t &#8211; strategieinterview\" class=\"aligncenter size-full wp-image-56863\" src=\"https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/Thomas-Failer-1903.jpg\" alt=\"Thomas Failer 1903\" width=\"800\" height=\"800\" srcset=\"https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/Thomas-Failer-1903.jpg 800w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/Thomas-Failer-1903-150x150.jpg 150w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/Thomas-Failer-1903-768x768.jpg 768w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/Thomas-Failer-1903-100x100.jpg 100w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/Thomas-Failer-1903-480x480.jpg 480w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/Thomas-Failer-1903-640x640.jpg 640w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/Thomas-Failer-1903-720x720.jpg 720w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/Thomas-Failer-1903-24x24.jpg 24w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/Thomas-Failer-1903-48x48.jpg 48w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/Thomas-Failer-1903-96x96.jpg 96w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/Thomas-Failer-1903-300x300.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><\/h3>\n<h3>F\u00e4rbinger: Sondern?<\/h3>\n<p><strong>Failer:<\/strong> Die z\u00f6gerliche Haltung ist Ausdruck tiefer \u00dcberlegung, aber auch von Verunsicherung, denn die Unternehmen wissen, wie komplex die Migration ist. In den SAP-Landschaften schl\u00e4gt das Herz der Unternehmen.<\/p>\n<p>Dort liegen nicht nur die Kronjuwelen, das geistige Eigentum, etwa in Form von Baupl\u00e4nen, Patenten oder Rezepturen. Vielmehr ist dort auch sehr spezifisches Prozesswissen gleichsam in Software gegossen.<\/p>\n<p>Dieses Wissen haben die SAP-Bestandskunden \u00fcber Jahre mit viel Zeit, M\u00fche und nat\u00fcrlich Geld aufgebaut.<\/p>\n<h3>F\u00e4rbinger: Und das wollen die Anwender auch in die S\/4-Hana-Welt \u00fcbernehmen?<\/h3>\n<p><strong>Failer:<\/strong> Spontan ist man versucht, mit einem eindeutigen und ausschlie\u00dflichen Ja zu antworten. Fakt ist jedoch, dass auch diese Frage zurzeit in der Community heftig diskutiert wird.<\/p>\n<p>Sicher, Customizing war, ist und bleibt ein Topthema bei den SAP-Bestandskunden. Doch aus meinen Gespr\u00e4chen wei\u00df ich, dass diese zurzeit sehr genau \u00fcberlegen, ob sie den \u00dcbergang zu S\/4 und Hana zu einer Neugestaltung der Prozesse nutzen wollen.<\/p>\n<p>Diese Bereitschaft, zum vorgegebenen Prozessstandard zur\u00fcckzukehren, d\u00fcrfte bei zehn bis 20 Prozent der SAP-Bestandskunden vorhanden sein. Nat\u00fcrlich ist das die Minderheit, es sind aber auch nicht wenige.<\/p>\n<h3>F\u00e4rbinger: Bedeutet die Entscheidung f\u00fcr den Standard nicht einen Vorsprung bei der Migration?<\/h3>\n<p><strong>Failer:<\/strong> Das l\u00e4sst sich so pauschal nicht sagen. Denn unabh\u00e4ngig vom gew\u00e4hlten Ansatz \u2013 ob R\u00fcckkehr zum Standard, Implementierung von S\/4 inklusive Customizing auf der gr\u00fcnen Wiese oder paralleler Betrieb von S\/4 und Business Suite \u2013 stehen alle SAP-Bestandskunden vor ein und demselben grundlegenden Problem: Nur wenige wissen, wie sie mit den Daten und sonstigen Informationen in ihren Systemen bei der Migration umgehen sollen.<\/p>\n<p>Das ist der Grund f\u00fcr die Verunsicherung und das Z\u00f6gern. Die niedrige und deshalb beklagte Quote von bereits erfolgten S\/4-Hana-Implementierungen ist die logische Folge davon.<\/p>\n<h3>F\u00e4rbinger: Aber die IT sollte doch schon immer das Gesch\u00e4ft unterst\u00fctzen!<\/h3>\n<p><strong>Failer:<\/strong> Auch das ist richtig. Aber allein den Begriff Agilit\u00e4t f\u00fchren wir erst seit wenigen Jahren im Mund. Die Unternehmen m\u00fcssen immer schneller auf Marktver\u00e4nderungen reagieren.<\/p>\n<p>Sie kaufen st\u00e4ndig hinzu und verkaufen Gesch\u00e4ftsbereiche oder Tochterfirmen. Sie passen ihre internen Prozesse kontinuierlich an und strukturieren um. All das passiert viel h\u00e4ufiger und schneller als fr\u00fcher. Diese st\u00e4ndigen Ver\u00e4nderungen m\u00fcssen am Ende immer von der IT bew\u00e4ltigt, abgebildet und unterst\u00fctzt werden.<\/p>\n<p>Unternehmen atmen. Das muss auch die IT k\u00f6nnen. Das gilt insbesondere f\u00fcr die historisch gewachsenen und daher komplexen SAP- Umgebungen.<\/p>\n<h3>F\u00e4rbinger: Was gibt es hier zu tun?<\/h3>\n<p><strong>Failer:<\/strong> Es gilt, einen Grundwiderspruch aufzul\u00f6sen, der den Applikationslandschaften bisher inh\u00e4rent ist. Damit die IT das Gesch\u00e4ft unterst\u00fctzen kann, m\u00fcssen sich die Applikationen und Services flexibel \u00e4ndern lassen.<\/p>\n<p>Doch das m\u00f6gen die damit verbundenen Daten und Informationen gar nicht. Sie brauchen sowohl aus gesch\u00e4ftlichen als auch rechtlichen Gr\u00fcnden Stabilit\u00e4t. Datenstrukturen und Kontextinformationen d\u00fcrfen nicht ver\u00e4ndert werden. Das Grund\u00addilemma lautet: Agilit\u00e4t versus Stabilit\u00e4t.<\/p>\n<h3>F\u00e4rbinger: Wie l\u00e4sst sich dieser Widerspruch aufl\u00f6sen?<\/h3>\n<p><strong>Failer:<\/strong> Die L\u00f6sung besteht darin, die Ebene der Applikationen von derjenigen der Daten zu entkoppeln. Das ist der richtige Ansatz. Wenn sich beide Ebenen unabh\u00e4ngig voneinander verwalten lassen, kann die IT die beiden widerstreitenden Ziele unabh\u00e4ngig voneinander verfolgen. Den Gordischen Knoten l\u00f6st man nicht, man durch\u00adtrennt ihn.<\/p>\n<h3>F\u00e4rbinger: War das nicht die Idee einer serviceorientierten Architektur?<\/h3>\n<p><strong>Failer:<\/strong> Das ist richtig und mit S\/4 und Hana ist diese Entkopplung auch in der Architektur weit mehr angelegt als bisher in der Welt der Business Suite. Doch das Problem, das dem Dilemma zwischen Agilit\u00e4t und Stabilit\u00e4t zugrunde liegt, geht noch etwas tiefer. Man muss zus\u00e4tzlich noch eine Unterteilung auf der Datenebene selbst machen.<\/p>\n<h3><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" title=\"Agilit\u00e4t und stabilit\u00e4t &#8211; strategieinterview\" class=\"aligncenter size-full wp-image-56864\" src=\"https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/1903-Coverstory-A48_3.jpg\" alt=\"1903 Coverstory A48 3\" width=\"900\" height=\"602\" srcset=\"https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/1903-Coverstory-A48_3.jpg 900w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/1903-Coverstory-A48_3-768x514.jpg 768w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/1903-Coverstory-A48_3-100x67.jpg 100w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/1903-Coverstory-A48_3-480x321.jpg 480w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/1903-Coverstory-A48_3-640x428.jpg 640w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/1903-Coverstory-A48_3-720x482.jpg 720w\" sizes=\"auto, (max-width: 900px) 100vw, 900px\" \/><\/h3>\n<h3>F\u00e4rbinger: Warum?<\/h3>\n<p><strong>Failer:<\/strong> S\/4 bringt v\u00f6llig neue Datenstrukturen, die Zahl der Tabellen reduziert sich bei gro\u00dfen Implementierungen von \u00fcber 100.000 auf vielleicht 20.000. Die in den SAP-Bestandssystemen generierten Daten und die dazugeh\u00f6rige Gesch\u00e4ftslogik m\u00fcssen aber unver\u00e4ndert aufbewahrt werden, damit die Unternehmen ihre gesetzlichen Auflagen erf\u00fcllen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Folglich gelingt die Entkopplung der Applikationen und Daten auf Dauer nur dann, wenn die operativen Daten von denen getrennt werden, die im Tagesgesch\u00e4ft nicht mehr ben\u00f6tigt werden.<\/p>\n<h3>F\u00e4rbinger: Wie sind die SAP-Bestandskunden bisher mit diesem Problem umgegangen?<\/h3>\n<p><strong>Failer:<\/strong> In der Regel haben sie nach der Daten\u00fcbernahme und -transformation ihre Bestandssysteme gleichsam eingefroren, deren Verbindungen zur Au\u00dfenwelt gekappt und den Ressourcenverbrauch unter anderem durch Virtualisierung reduziert. Die rechtliche Seite bekommen sie damit in den Griff. Doch agil werden sie dadurch noch lange nicht.<\/p>\n<h3>F\u00e4rbinger: Warum nicht?<\/h3>\n<p><strong>Failer:<\/strong> Stellen Sie sich eine Revision vor. Ein Steuerpr\u00fcfer m\u00f6chte sechs Jahre nach Einfrieren eines Systems auf darin enthaltene Rechnungsdaten und -belege zugreifen. K\u00f6nnen Sie garantieren, dass die Maschine wie gew\u00fcnscht wieder hochf\u00e4hrt?<\/p>\n<p>Oder ein Gesch\u00e4ftsbereich wird verkauft. Der K\u00e4ufer ben\u00f6tigt alle Altdaten inklusive Gesch\u00e4ftslogik. K\u00f6nnen Sie diese Informationen zuverl\u00e4ssig im eingefrorenen System identifizieren, exakt herausl\u00f6sen und dem K\u00e4ufer in einem neutralen Format \u00fcbergeben, sodass dieser nicht erst das Altsystem bei sich eins zu eins nachbauen muss, um die Daten \u00fcberhaupt lesen zu k\u00f6nnen?<\/p>\n<p>Oder aber ein Kunde verlangt die L\u00f6schung seiner Daten nach der europ\u00e4ischen Datenschutzgrundverordnung (EU-DSGVO).<\/p>\n<p>K\u00f6nnen Sie dann ohne viel Aufwand alle Rechnungen ermitteln, die \u00e4lter als zehn Jahre sind und somit gel\u00f6scht werden d\u00fcrfen? Sind Sie in der Lage zu garantieren, dass alle anderen Rechnungen zu diesem Kunden nach Ablauf ihrer Aufbewahrungsfrist automatisch gel\u00f6scht werden? In der Regel lautet die Antwort auf diese Fragen Nein.<\/p>\n<h3>F\u00e4rbinger: Das klingt so, als ob es keinen Ausweg g\u00e4be.<\/h3>\n<p><strong>Failer:<\/strong> Doch \u2013 und das ist ja der Grund daf\u00fcr, dass es uns \u00fcberhaupt gibt. Die Idee entstand bei Migrationsprojekten von R\/2 nach R\/3 und hat sich bew\u00e4hrt. Werden alle Daten inklusive Dokumenten zusammen mit ihrer Gesch\u00e4ftslogik aus den Altsystemen herausgel\u00f6st und revisionssicher in einem plattform\u00fcbergreifenden Format auf einer modernen Plattform abgelegt, l\u00e4sst sich ihr gesamter Lebenszyklus bis zur L\u00f6schung unabh\u00e4ngig von den Ursprungssystemen verwalten.<\/p>\n<p>Das ist die Grundlage f\u00fcr alles Weitere: die Transformation der Daten und ihre anschlie\u00dfende Migration sowie die Optimierung der Datenqualit\u00e4t und insbesondere die Abschaltung der Altsysteme. Denn es ist weder wirtschaftlich noch technisch sinnvoll, s\u00e4mtliche Altdaten und -dokumente mit in die neue Welt zu \u00fcbernehmen.<\/p>\n<p>Ganz abgesehen davon, dass es gar nicht gen\u00fcgend Migrationsexperten gibt, um den Umstieg auf S\/4 und Hana bis 2025, dem von der SAP gesteckten Zeitrahmen, zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n<h3>F\u00e4rbinger: Worin besteht der Unterschied zu den eingefrorenen Systemen?<\/h3>\n<p><strong>Failer:<\/strong> Eine eigenst\u00e4ndige Plattform zur Verwaltung des Lebenszyklus von Altdaten und -dokumenten inklusive Gesch\u00e4ftslogik schafft zum einen Rechtssicherheit, denn Umfang und Struktur der Informationen bleiben unver\u00e4ndert erhalten.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem lassen sich damit die Anforderungen der EU-DSGVO erf\u00fcllen, insbesondere zur L\u00f6schung auf der Ebene des einzelnen Datensatzes. Zum anderen sorgt sie f\u00fcr mehr Sicherheit, denn sie ist ja ein lebendes System und kann gewartet und regelm\u00e4\u00dfig gepatcht werden.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus aber ist ihr Betrieb ungleich billiger gegen\u00fcber dem Weiterbetrieb der Altsysteme, in der Regel um 80 Prozent, manchmal sogar mehr.<\/p>\n<h3>F\u00e4rbinger: Das hat aber noch nichts mit Migration zu tun.<\/h3>\n<p><strong>Failer:<\/strong> Die Herausl\u00f6sung und Aufbewahrung der Informationen inklusive ihrer Gesch\u00e4ftslogik, wir nennen das \u00fcbrigens Historisierung, ist die Voraussetzung f\u00fcr eine technisch, gesch\u00e4ftlich und wirtschaftlich sinnvolle Migration. Die Plattform ist sozusagen das Sprungbrett, von dem aus sich alle anderen Ziele erreichen lassen.<\/p>\n<h3>F\u00e4rbinger: Das m\u00fcssen Sie genauer erkl\u00e4ren.<\/h3>\n<p><strong>Failer:<\/strong> Es sind unsere Kunden, die das erkannt haben. Wenn alle Informationen rechtssicher auf der Plattform liegen, m\u00fcssen ja nur noch diejenigen ins neue System \u00fcbernommen werden, die dort f\u00fcr den laufenden Gesch\u00e4ftsbetrieb ben\u00f6tigt werden.<\/p>\n<p>In der Regel bedeutet das eine Datenreduktion von 50 Prozent bis 75 Prozent. Dabei gilt: Dieser Wert ist umso gr\u00f6\u00dfer, je h\u00f6her die Qualit\u00e4t der zu migrierenden Daten ist.<\/p>\n<p>So k\u00f6nnen wir auf der Plattform noch vor der Migration fehlerhafte Datens\u00e4tze korrigieren, Dubletten l\u00f6schen und die Datens\u00e4tze mit Informationen aus anderen Quellen anreichern. Jeder Systemwechsel ist doch eine Chance auf mehr Datenqualit\u00e4t!<\/p>\n<h3>F\u00e4rbinger: Wie machen Sie das?<\/h3>\n<p><strong>Failer:<\/strong> Wir unterteilen den Gesamtprozess von der Planung der S\/4-Hana-Migration bis zum Betrieb zusammen mit unserer Plattform in vier Schritte: Identify, Design, Exe\u00adcute und Operate.<\/p>\n<p>Bislang haben wir Produkte f\u00fcr die Execute-Phase, das hei\u00dft die Historisierung der Informationen und die anschlie\u00dfende Migration. Zurzeit entwickeln oder b\u00fcndeln wir die Tools f\u00fcr die anderen drei Phasen.<\/p>\n<h3>F\u00e4rbinger: Wie muss man sich das vorstellen?<\/h3>\n<p><strong>Failer:<\/strong> Bei Identify geht es vereinfacht gesagt darum, auf Knopfdruck Art und Menge der Informationen zu ermitteln, die nicht in S\/4 \u00fcbernommen werden m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Das ist eine Potenzialanalyse, die den Interessenten zus\u00e4tzlich visuell darstellt, wie die Informationen, die auf unserer Plattform verbleiben, aussehen werden. Das schafft Vertrauen, denn sie erkennen sehr schnell, dass alles genauso aussieht, wie sie es aus den Bestandssystemen kennen.<\/p>\n<p>Potenzial und Vertrauen schaffen die Voraussetzung f\u00fcr die grunds\u00e4tzliche Entscheidung, dass und wie sich unser Ansatz f\u00fcr den Weg nach S\/4 lohnt.<\/p>\n<h3>F\u00e4rbinger: Was passiert in Phase zwei?<\/h3>\n<p><strong>Failer:<\/strong> Bei Design geht es um die Feinplanung. Hier werden die genauen Filterkriterien zur Datenselektion und -\u00fcbernahmen entwickelt. Unser Ansatz lautet dabei, die exakten Filterregeln als XML-Daten bereitzustellen. Das gibt den Kunden die Wahl, zu entscheiden, mit welchem Migrations- und Konvertierungswerkzeug sie die Daten\u00fcbernahme machen wollen.<\/p>\n<h3>F\u00e4rbinger: Bleibt noch das Thema Operate.<\/h3>\n<p><strong>Failer:<\/strong> Im Grunde ist das vor allem ein Integrationsthema. Denn um Teil der Ziellandschaft zu sein, entwickeln wir Inte\u00adgrationen zu den Hana-basierenden Applikationen wie S\/4 und C\/4 oder Oberfl\u00e4chen wie SAP Fiori.<\/p>\n<p>Zwar muss nicht so oft auf nicht-operative Daten zugegriffen werden, doch wenn das aus gesch\u00e4ftlichen Gr\u00fcnden der Fall ist, muss das f\u00fcr die Anwender m\u00f6glichst einfach aus ihrer gewohnten Umgebung heraus m\u00f6glich sein, ohne dass sie lange nach den gew\u00fcnschten Informationen suchen oder ihre Anwendungsumgebung wechseln m\u00fcssen. Das ist die Art von Bedienkomfort, die Anwender heute gewohnt sind, von der Cloud und von ihrem Smart\u00adphone.<\/p>\n<h3>F\u00e4rbinger: Bis wann werden diese Tools Marktreife erlangen?<\/h3>\n<p><strong>Failer:<\/strong> Die Prototypen entstehen gerade. Fertige Pakete f\u00fcr die hochautomatisierte Migration auf S\/4 oder C\/4 wollen wir bis Herbst 2019 fertigstellen. Unser Ziel ist es, unsere Kunden agiler zu machen.<\/p>\n<p>Das ver\u00e4ndert auch uns. So haben wir aufgrund der erweiterten Produkt-Roadmap unsere eigene Entwicklung auf agile Methoden umgestellt, um schneller zu werden, ohne dass die Qualit\u00e4t leidet, im Gegenteil.<\/p>\n<h3>F\u00e4rbinger: Danke f\u00fcr das Gespr\u00e4ch.<\/h3>\n<p><a href=\"https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/E-3-Magazin-Coverstory-1903.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" title=\"Agilit\u00e4t und stabilit\u00e4t &#8211; strategieinterview\" class=\"aligncenter wp-image-37442 size-full\" src=\"https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/Download-Coverstory.jpg\" alt=\"Download Coverstory\" width=\"1000\" height=\"125\" srcset=\"https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/Download-Coverstory.jpg 1000w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/Download-Coverstory-768x96.jpg 768w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/Download-Coverstory-100x13.jpg 100w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/Download-Coverstory-480x60.jpg 480w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/Download-Coverstory-640x80.jpg 640w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/Download-Coverstory-720x90.jpg 720w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/Download-Coverstory-960x120.jpg 960w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Daten sind das neue Gold. 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