{"id":55416,"date":"2018-12-18T08:00:14","date_gmt":"2018-12-18T07:00:14","guid":{"rendered":"http:\/\/e3mag.com\/?p=55416"},"modified":"2024-01-19T14:51:02","modified_gmt":"2024-01-19T13:51:02","slug":"umfrage-lizenzen-und-konditionen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/e3mag.com\/de\/umfrage-lizenzen-und-konditionen\/","title":{"rendered":"Umfrage: Lizenzen und Konditionen"},"content":{"rendered":"<p>Was auch immer die Gr\u00fcnde daf\u00fcr waren, aber SAP hat das Thema der \u201eindirekten\u201c Nutzung \u201eerst seit\u201c drei Jahren auf ihrer Sa\u00adles-Agenda. Seitdem hat sich einiges ge\u00e4ndert, was Guido Schneider von Aspera dazu veranlasste, wie bereits 2015 eine Umfrage diesen Sommer zu starten und den Kenntnisstand \u00fcber das neue Preismodell der SAP vom April 2019 zu erheben.<\/p>\n<p>Guido Schneider: Eine Frage bleibt aber immer noch unbeantwortet und dr\u00e4ngt sich immer mehr in den Mittelpunkt der aktuellen Diskussion. Hat SAP \u00fcberhaupt das Recht, \u201ezus\u00e4tzliche\u201c Geb\u00fchren f\u00fcr die \u201eindirekte\u201c Nutzung zu erheben?<\/p><div class=\"great-fullsize-content-de\" style=\"float: left;\" id=\"great-2552040265\"><div id=\"great-4239488355\" style=\"margin-bottom: 20px;\"><a data-no-instant=\"1\" href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=6yfv7eho3Gc\" rel=\"noopener\" class=\"a2t-link\" target=\"_blank\" aria-label=\"Fullsize\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_26_04_08_1200x150.jpg\" alt=\"Fullsize\"  srcset=\"https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_26_04_08_1200x150.jpg 1200w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_26_04_08_1200x150-400x50.jpg 400w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_26_04_08_1200x150-768x96.jpg 768w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_26_04_08_1200x150-100x13.jpg 100w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_26_04_08_1200x150-480x60.jpg 480w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_26_04_08_1200x150-640x80.jpg 640w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_26_04_08_1200x150-720x90.jpg 720w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_26_04_08_1200x150-960x120.jpg 960w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_26_04_08_1200x150-1168x146.jpg 1168w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_26_04_08_1200x150-18x2.jpg 18w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_26_04_08_1200x150-600x75.jpg 600w\" sizes=\"(max-width: 1200px) 100vw, 1200px\" width=\"1200\" height=\"150\"  style=\" max-width: 100%; height: auto;\" \/><\/a><\/div><\/div>\n<p>J\u00fcrgen Beckers, Inhaber der auf Software- und IT-Recht spezialisierten Rechtsanwaltskanzlei Rechtsanw\u00e4lte BDH in Darmstadt, formuliert es noch direkter: Ist die Lizenzpolitik von SAP zum Thema indirekte Nutzung in Deutschland rechtswidrig?<\/p>\n<p>So sieht es zumindest Voice e. V., eine der gr\u00f6\u00dften IT-Anwendervereinigungen in Deutschland. Eine entsprechende Pressemitteilung wurde am 2. Oktober auf der Voice-Website ver\u00f6ffentlicht, siehe Seite 22 dieser E-3 Ausgabe.<\/p>\n<p>Voice befindet sich mit seiner Rechtsmeinung in guter Gesellschaft mit einigen namhaften deutschen IT-Anw\u00e4lten, die sich in einigen neueren Aufs\u00e4tzen in juristischen Fachzeitschriften \u00e4hnlich ge\u00e4u\u00dfert haben.<\/p>\n<figure id=\"attachment_55418\" aria-describedby=\"caption-attachment-55418\" style=\"width: 800px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" title=\"Umfrage: lizenzen und konditionen\" class=\"size-full wp-image-55418\" src=\"https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Guido-Schneider.jpg\" alt=\"Umfrage: lizenzen und konditionen\" width=\"800\" height=\"800\" srcset=\"https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Guido-Schneider.jpg 800w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Guido-Schneider-150x150.jpg 150w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Guido-Schneider-768x768.jpg 768w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Guido-Schneider-100x100.jpg 100w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Guido-Schneider-480x480.jpg 480w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Guido-Schneider-640x640.jpg 640w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Guido-Schneider-720x720.jpg 720w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Guido-Schneider-24x24.jpg 24w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Guido-Schneider-48x48.jpg 48w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Guido-Schneider-96x96.jpg 96w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Guido-Schneider-300x300.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-55418\" class=\"wp-caption-text\">Guido Schneider von Aspera hat 2015 und in diesem Sommer wieder eine Lizenzumfrage unter den SAP-Bestandskunden durchgef\u00fchrt.<\/figcaption><\/figure>\n<p>J\u00fcrgen Beckers kommentiert dazu:<\/p>\n<p><em>\u201eW\u00e4hrend die EU-Softwarerichtlinie 2009\/24\/EG das Prinzip der freien Verbindung und Interaktion (Interoperabilit\u00e4t) von Ger\u00e4ten und Computerprogrammen sch\u00fctzt, sollen Kunden von SAP f\u00fcr den blo\u00dfen Datenaustausch zwischen der SAP-ERP-Software und einer Drittanwendung zus\u00e4tzliche Lizenzgeb\u00fchren zahlen. <\/em><\/p>\n<p><em>Eine solche Lizenzpolitik ist nicht nur ein gro\u00dfes \u00c4rgernis f\u00fcr SAP-Bestandskunden. Sie schr\u00e4nkt auch den freien Wettbewerb im SAP-\u00d6kosystem ein, da Drittanwendungen, die mit der SAP-ERP-Software kommunizieren, auf diese Weise enorm verteuert werden, was letztlich dazu f\u00fchren wird, dass SAP-Kunden solche Drittanwendungen nicht mehr kaufen.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Mit dem Ansinnen der \u201eindirekten\u201c Nutzung verst\u00f6rt SAP viele treue Wegbegleiter. Von den 66 Teilnehmern der Umfrage von Guido Schneider sind 43 Prozent schon l\u00e4nger als 20 Jahre SAP-Bestandskunden, somit haben sie viel Erfahrung beim Umgang mit SAP und der Lizenzpolitik.<\/p>\n<p>Die Antworten nach Unternehmensgr\u00f6\u00dfen waren ungef\u00e4hr gleich verteilt: 56 Prozent sind KMUs mit bis zu 5000 SAP-Usern, die anderen Teilnehmern geh\u00f6ren Konzernen und gr\u00f6\u00dferen Unternehmen an.<\/p>\n<p>Offensichtlich besch\u00e4ftigen sich die SAP-Bestandskunden \u2013 im Vergleich zur Umfrage 2015 \u2013 mehr mit dem SAP-Lizenzmanagement, da 53 Prozent der Befragten angaben, die aktuelle PKL (SAP Preis- und Konditionenliste) zu kennen, 54 Prozent waren mit dem neuen Preismodell vertraut.<\/p>\n<p>Zum Vergleich: Im Jahr 2015 kannten \u00fcber 80 Prozent die damals aktuelle PKL nicht. Nur 66 Prozent sind sich der finanziellen Auswirkungen der neuen PKL bewusst, was wiederum die Auffassung vieler deutscher Rechtsanw\u00e4lte best\u00e4tigt, dass diese Regelungen intransparent, damit nach \u00a7 305c BGB \u00fcberraschend und somit unwirksam sind.<\/p>\n<figure id=\"attachment_55419\" aria-describedby=\"caption-attachment-55419\" style=\"width: 800px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" title=\"Umfrage: lizenzen und konditionen\" class=\"size-full wp-image-55419\" src=\"https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Juergen-Beckers.jpg\" alt=\"Umfrage: lizenzen und konditionen\" width=\"800\" height=\"800\" srcset=\"https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Juergen-Beckers.jpg 800w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Juergen-Beckers-150x150.jpg 150w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Juergen-Beckers-768x768.jpg 768w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Juergen-Beckers-100x100.jpg 100w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Juergen-Beckers-480x480.jpg 480w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Juergen-Beckers-640x640.jpg 640w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Juergen-Beckers-720x720.jpg 720w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Juergen-Beckers-24x24.jpg 24w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Juergen-Beckers-48x48.jpg 48w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Juergen-Beckers-96x96.jpg 96w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Juergen-Beckers-300x300.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-55419\" class=\"wp-caption-text\">J\u00fcrgen Beckers, Inhaber der auf Software- und IT-Recht spezialisierten Rechtsanwaltskanzlei Rechtsanw\u00e4lte BDH in Darmstadt.<\/figcaption><\/figure>\n<p>Die Marktauswirkungen der Lizenzpolitik von SAP f\u00fcr die \u201eindirekte\u201c Nutzung scheinen auch der Grund f\u00fcr Voice e.V. gewesen zu sein, eine Beschwerde beim Bundeskartellamt einzureichen (Onlinequelle:<\/p>\n<p>WirtschaftsWoche und Handelsblatt sowie entsprechende Weblinks auf voice-ev.org), denn auch das neue Lizenzmodell der SAP f\u00fcr das digitale Zeitalter hat keine Verbesserung der Kundensituation gebracht, kommentiert Rechtsanwalt J\u00fcrgen Beckers.<\/p>\n<p>Er pr\u00e4zisiert:<\/p>\n<p><em> \u201eAuch nach dem neuen Lizenzmodell fallen weiterhin zus\u00e4tzliche Lizenzgeb\u00fchren f\u00fcr die indirekte Nutzung an. Ge\u00e4ndert wurde im Wesentlichen nur die Metrik, wie die einschl\u00e4gigen Lizenzgeb\u00fchren zu berechnen sind. <\/em><\/p>\n<p><em>W\u00e4hrend sie nach dem alten Lizenzmodell benutzerbasiert berechnet wurden, werden sie jetzt transaktionsbasiert berechnet. Wie erste Berechnungsbeispiele von Lizenzmanagementexperten zeigen, kann der Datenaustausch zwischen Drittanwendungen und dem SAP-ERP-System aber auch nach dem neuen Lizenzmodell f\u00fcr den SAP-Kunden teuer werden. <\/em><\/p>\n<p><em>Hinter vorgehaltener Hand stellen einige Beteiligte deshalb die berechtigte Frage: Opfert SAP die Erfolgsgeschichte ihres \u00d6kosystems am Ende doch zugunsten ihrer Umsatzziele? Wenn SAP bei seiner derzeitigen Lizenzpolitik zur indirekten Nutzung bleibt, spricht einiges daf\u00fcr, dass an diesen Ger\u00fcchten etwas dran ist, und es besteht die sehr reale Gefahr, dass sich die Fronten zwischen SAP einerseits und den Kunden und Anbietern von SAP-basierten Applikationen andererseits weiter verh\u00e4rten. <\/em><\/p>\n<p><em>Wie der Vorsto\u00df von Voice zeigt, beginnt das Thema weiter zu eskalieren, da SAP bislang keine Vorschl\u00e4ge auf den Tisch gelegt hat, die die Interessen aller Beteiligten im SAP-\u00d6kosystem in angemessener Weise ausbalancieren. Eine solche Situation ist auch f\u00fcr SAP gef\u00e4hrlich, denn in die L\u00fccke k\u00f6nnten sehr schnell andere gro\u00dfe Anbieter durch lukrative Angebote sto\u00dfen. <\/em><\/p>\n<p><em>Microsoft und Apple haben in der Vergangenheit bereits die Erfahrung gemacht, dass man den Bogen nicht \u00fcberspannen darf. Warum sollte SAP da eine Ausnahme sein. Im Zweifel ist es nur eine Frage der Zeit, wann sich zu starke Einseitigkeit in der Ausgestaltung der Gesch\u00e4ftsbeziehungen eines \u00d6kosystems r\u00e4cht. Vor diesem Risiko sind auch gro\u00dfe und marktm\u00e4chtige Anbieter nicht gefeit.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Die Arbeit der Rechtsanw\u00e4lte macht sich bemerkbar: Guido Schneider konnte in seiner aktuellen Umfrage eine nun h\u00f6here Sensibilit\u00e4t feststellen. 67 Prozent der Teilnehmer sind dar\u00fcber informiert, dass in juristischen Expertenkreisen das Thema intensiv diskutiert wird.<\/p>\n<p>Wenngleich nur sehr wenige SAP-Bestandskunden das Thema bereits rechtlich haben untersuchen lassen (31 Prozent). Von diesen wenigen halten aber 57 Prozent die Klauseln in den Vertr\u00e4gen (inkl. PKL) f\u00fcr rechtlich unwirksam. Aber selbst wenn die Forderungen der SAP rechtlich unwirksam w\u00e4ren, w\u00fcrden nur 26 Prozent eine gerichtliche Auseinandersetzung mit SAP anstreben, was auf eine eindeutige Abh\u00e4ngigkeit der Langzeitkunden hinweist.<\/p>\n<p>Wie auch Voice in der erw\u00e4hnten Mitteilung vom 2. Oktober angedeutet hat, halten 58 Prozent der Befragten die Forderungen der SAP nicht im Einklang mit der EU-Softwarerichtlinie 2009\/24\/EG und damit wahrscheinlich f\u00fcr unwirksam. Dar\u00fcber hinaus glauben ebenfalls 57 Prozent der Befragten, dass der freie Wettbewerb behindert werde und es somit ein Fall f\u00fcr das Kartellamt sei.<\/p>\n<p>Daraus k\u00f6nnte man auch ableiten, dass ein Gro\u00dfteil der Kunden ein Lizenzsystem m\u00f6chte, das den Einsatz von Third Party Applications ohne Aufpreis erm\u00f6glicht. Abgesehen von den rechtlich immer noch ungekl\u00e4rten Fragen besteht auch weiterhin Unsicherheit bez\u00fcglich der eigentlichen indirekten Nutzung.<\/p>\n<p>Liegt indirekte Nutzung vor? Wenn ja, welche Lizenzen muss man kaufen? Das neue Preismodell \u00e4ndert an der Unsicherheit bei den SAP-Kunden wenig. Obwohl die SAP-Kunden die Preismodelle noch nicht vollst\u00e4ndig verstanden haben, glauben 63 Prozent, dass die Kosten f\u00fcr die indirekte Nutzung gegen\u00fcber dem alten Named-User-basierten Modell steigen!<\/p>\n<p>Wie aus der Lizenzumfrage hervorgeht, sind sich die SAP-Bestandskunden der Gefahr bewusst, wie auch folgendes Beispiel zeigt: In den USA wurde berichtet, dass SAP America Inc. 2017 Forderungen in H\u00f6he von 600 Millionen USD von der Brauerei Anheuser-Busch wegen unlizenzierter Nutzung der SAP-Software im Zusammenhang mit indirekter Nutzung geltend gemacht hat.<\/p>\n<p>Der Fall wurde in einem nicht \u00f6ffentlich zug\u00e4nglichen Schiedsgerichtsverfahren gel\u00f6st, sodass Einzelheiten zu dem Fall nicht bekannt sind und der Geheimhaltung unterliegen.<\/p>\n<p>Rechtsanwalt J\u00fcrgen Beckers, Inhaber der auf Software- und IT-Recht spezialisierten Rechtsanwaltskanzlei Rechtsanw\u00e4lte BDH, kommentiert in diesem Zusammenhang einen weiteren Fall:<\/p>\n<p><em>\u201eDar\u00fcber hinaus kennen alle, die im SAP-\u00d6kosystem t\u00e4tig sind, den Fall des Getr\u00e4nkeherstellers Diageo, bei dem SAP UK etwa 54 Millionen Englische Pfund f\u00fcr die unlizenzierte Nutzung ihrer ERP-Software \u00fcber eine SAP-NetWeaver-PI\/XI-Schnittstelle (Exchange Infrastructure Engine) beanspruchte. <\/em><\/p>\n<p><em>Diageo-Vertriebsmitarbeiter und Gesch\u00e4ftskunden konnten so Verkaufs- und Bestellvorg\u00e4nge \u00fcber eine Webplattform durchf\u00fchren. Der britische High Court entschied, dass Diageo aufgrund des dabei erfolgten indirekten Zugriffs der Vertriebsmitarbeiter und Gesch\u00e4ftskunden auf die SAP-ERP-Software zus\u00e4tzliche Lizenzgeb\u00fchren an SAP zahlen musste. <\/em><\/p>\n<p><em>Das Gericht lie\u00df allerdings offen, wie hoch der Betrag sein sollte, den Diageo f\u00fcr diese indirekte Nutzung zu bezahlen hat, weil das Gericht nur dar\u00fcber entschied, ob ein Haftungsanspruch seitens SAP UK dem Grund nach besteht. \u00dcber die H\u00f6he sollten sich die Parteien entweder au\u00dfergerichtlich einigen oder in einem zweiten, nachgelagerten Verfahren eine Gerichtsentscheidung beantragen. <\/em><\/p>\n<p><em>Die Parteien haben sich f\u00fcr eine au\u00dfergerichtliche Einigung entschieden, deren Inhalte geheim sind, sodass die exakte H\u00f6he der Lizenzgeb\u00fchren, die Diageo am Ende bezahlt hat, nicht bekannt ist. Leider hat der britische High Court aufgrund der Verfahrensregeln, die f\u00fcr den konkreten Fall galten, nicht gepr\u00fcft, ob die im Vertrag zwischen Diageo und SAP UK verwendeten Klauseln nach der EU-Softwarerichtlinie 2009\/24\/EG wirksam sind. <\/em><\/p>\n<p><em>Die Richtlinie sch\u00fctzt n\u00e4mlich die Interoperabilit\u00e4t von Computerprogrammen u. a. dadurch, dass sie dem berechtigten Erwerber eines Computerprogramms gem. Art. 6 der Richtlinie sogar eine De-Kompilierung eines erworbenen Computerprogramms \u2013 auch gegen den Willen des Softwareherstellers \u2013 erlaubt, wenn die zur Herstellung einer Verbindung zwischen dem erworbenen Computerprogramm und einem Drittprogramm erforderlichen Schnittstelleninformationen nicht ohne Weiteres frei f\u00fcr den Kunden zug\u00e4nglich sind. <\/em><\/p>\n<p><em>Entgegenstehende vertragliche Klauseln sind nach Art. 8 der Richtlinie unwirksam. Aus den Erw\u00e4gungsgr\u00fcnden der Richtlinie ergibt sich ferner, dass der Gesetzgeber die Interaktion von Computerprogrammen mit anderen Computerprogrammen und Ger\u00e4ten als deren wesentliche Funktion ansieht (vgl. 10. Erw\u00e4gungsgrund der EU-Software-Richtlinie 2009\/24\/EG). <\/em><\/p>\n<p><em>Deshalb sind zahlreiche IT-Rechtsexperten in Deutschland auch der Meinung, die indirekte Nutzung geh\u00f6re zur bestimmungsgem\u00e4\u00dfen Nutzung eines Computerprogramms, die ein Softwarehersteller weder untersagen noch von der Zahlung gesonderter Lizenzgeb\u00fchren abh\u00e4ngig machen darf.\u201c<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit drei Jahren besch\u00e4ftigt das Thema \u201eindirekte Nutzung\u201c die SAP-Community. SAP hat dazu im April dieses Jahres ein alternatives Lizenzmodell vorgestellt. 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