{"id":37268,"date":"2018-04-26T12:00:10","date_gmt":"2018-04-26T10:00:10","guid":{"rendered":"http:\/\/e3mag.com\/?p=37268"},"modified":"2022-05-01T09:54:15","modified_gmt":"2022-05-01T07:54:15","slug":"die-zeit-der-leuchttuerme-ist-vorbei","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/e3mag.com\/de\/die-zeit-der-leuchttuerme-ist-vorbei\/","title":{"rendered":"Die Zeit der Leuchtt\u00fcrme ist vorbei"},"content":{"rendered":"<p>Im Rahmen eines Studentenjobs 1998 stellte ich dem SAP-Basis-Admin die naive Frage, wie ich denn bittesch\u00f6n von meiner Visual-Basic-Anwendung aus auf dieses SAP zugreifen k\u00f6nne.<\/p>\n<p>Die Anwender mussten seinerzeit per Copy-and-paste Materialdaten vom SAP GUI in die externe Lageranwendung \u00fcbertragen. Wortlos dr\u00fcckte er mir ein graues, gedrucktes Softcover-Buch in die Hand:<\/p><div class=\"great-fullsize-content-de great-entity-placement\" style=\"float: left;\" id=\"great-2089820654\"><div id=\"great-3155316469\" style=\"margin-bottom: 20px;\"><a data-no-instant=\"1\" href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=iY5MDy00rN0\" rel=\"noopener\" class=\"a2t-link\" target=\"_blank\" aria-label=\"banner_26-05_06_1200x150\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_26-05_06_1200x150.jpg\" alt=\"\"  srcset=\"https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_26-05_06_1200x150.jpg 1200w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_26-05_06_1200x150-400x50.jpg 400w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_26-05_06_1200x150-768x96.jpg 768w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_26-05_06_1200x150-100x13.jpg 100w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_26-05_06_1200x150-480x60.jpg 480w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_26-05_06_1200x150-640x80.jpg 640w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_26-05_06_1200x150-720x90.jpg 720w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_26-05_06_1200x150-960x120.jpg 960w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_26-05_06_1200x150-1168x146.jpg 1168w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_26-05_06_1200x150-18x2.jpg 18w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_26-05_06_1200x150-600x75.jpg 600w\" sizes=\"(max-width: 1200px) 100vw, 1200px\" width=\"1200\" height=\"150\"  style=\" max-width: 100%; height: auto;\" \/><\/a><\/div><\/div>\n<p>\u201eMastering SAP Remote Function Call in C\/C++\u201c. R\u00fcckwirkend betrachtet war das vermutlich seine Art zu sagen: Lass es.<\/p>\n<p>Fast 20 Jahre sind seitdem vergangen und es ist viel Wasser an der Walldorfer SAP-Zentrale vorbei den Leimbach hinuntergeflossen. Die Fragen nach dem Business Benefit und der richtigen technischen Herangehensweise sind nach wie vor aktuell.<\/p>\n<h3>Daten- und Prozessintegration<\/h3>\n<p>Wenn es um SAP-Schnittstellen geht, unterscheiden wir grunds\u00e4tzlich zwei gro\u00dfe Bereiche: Datenintegration und Prozessintegration.<\/p>\n<p>Bei der Datenintegration geht es in der Regel um den Transport gr\u00f6\u00dferer strukturierter Datenmengen. Der Sinn und Zweck ist in Bereichen rund um die Datenanalyse zu sehen.<\/p>\n<p>Das kann von einfachen Charts f\u00fcr die F\u00fchrungsebene bis hin zur Predictive Analytics und Data Mining mithilfe von k\u00fcnstlicher Intelligenz gehen. In jedem Fall ist dieser Bereich nachgelagert zu den klassischen Gesch\u00e4ftsvorf\u00e4llen zu sehen, die im Allgemeinen mit SAP ERP abgedeckt werden.<\/p>\n<p>W\u00fcrde man komplett in der SAP-Welt bleiben, w\u00fcrde man die Datenanalyse-Anforderung klassisch mit BW, Hana und den BO-Front-End-Tools abdecken.<\/p>\n<p>Der zweite gro\u00dfe Bereich ist die Prozessintegration. Hier findet der Datentransfer heruntergebrochen auf die einzelne Transaktion statt. Ein Prozess k\u00f6nnte im SAP beginnen und an ein Subsystem abgegeben werden.<\/p>\n<p>Sch\u00f6nes Beispiel hierf\u00fcr w\u00e4re ein Kundenangebot, das im SAP SD entsteht, um dann aber noch au\u00dferhalb des SAPs mit Zusatzdaten, Bildern und Zeichnungen angereichert zu werden.<\/p>\n<p>Die Gegenrichtung ist genauso denkbar. \u00dcber einen Non-SAP-Workflow werden aus verschiedenen Abteilungen Informationen zu einem neu anzulegenden Materialstammdatensatz eingesammelt. Beteiligt sind das Produktmanagement, der Einkauf und gegebenenfalls noch Kollegen aus der Logistik.<\/p>\n<p>Erst wenn alle Infos komplett und konsistent sind, werden die Daten und der Anlageprozess ans SAP MM \u00fcbergeben. Praktisch alle SAP-Schnittstellen lassen sich in diese zwei Kategorien Prozess- und Datenintegration einteilen, die sich jeweils technisch komplett unterscheiden.<\/p>\n<h3><a href=\"https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/Patrick-Theobald.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" title=\"Die zeit der leuchtt\u00fcrme ist vorbei\" class=\"aligncenter size-full wp-image-37263\" src=\"https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/Patrick-Theobald.jpg\" alt=\"Patrick Theobald\" width=\"800\" height=\"800\" srcset=\"https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/Patrick-Theobald.jpg 800w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/Patrick-Theobald-150x150.jpg 150w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/Patrick-Theobald-768x768.jpg 768w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/Patrick-Theobald-100x100.jpg 100w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/Patrick-Theobald-480x480.jpg 480w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/Patrick-Theobald-640x640.jpg 640w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/Patrick-Theobald-720x720.jpg 720w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/Patrick-Theobald-24x24.jpg 24w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/Patrick-Theobald-48x48.jpg 48w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/Patrick-Theobald-96x96.jpg 96w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/Patrick-Theobald-300x300.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><\/a>Sollbruchschnittstellen<\/h3>\n<p>Bevor wir technische Aspekte beleuchten, sollten wir die Warum-Frage stellen. SAP durchdringt mit ihrer schier un\u00fcberschaubaren Produkt- und Modulpalette theoretisch alle Anforderungen nahezu jedes SAP-Bestandskunden.<\/p>\n<p>Jede Schnittstelle zwischen Systemen oder Herstellern wird oft als eine Art Sollbruchstelle gesehen, die gerade dann besonders l\u00e4stig wird, wenn sie nicht funktioniert. Und in der Regel ist nat\u00fcrlich die jeweils andere Partei schuld. Und trotzdem gibt es Argumente, die diese Sorgen \u00fcbert\u00f6nen.<\/p>\n<p>Oft geh\u00f6rter Wunsch vom Anwender ist der Ruf nach h\u00f6herer Performance. Ich m\u00f6chte mich ausdr\u00fccklich gegen den pauschalen Vorwurf wehren, SAP sei langsam, aber trotzdem ist es unter den Walldorfern seit Firmengr\u00fcndung ja fast schon Tradition, ihre Software genau so zu gestalten, dass die verf\u00fcgbare Hardware immer gef\u00fchlt einen Tick zu langsam f\u00fcr die Anwendungen ist.<\/p>\n<p>Das galt lange Zeit vor allem f\u00fcr das SAP BW. Der Einsatz von Hana hat die Sache mit Sicherheit etwas relativiert, trotzdem war es gerade der Datenanalyse-Bereich, der die Geduld des Anwenders bis an die Schmerzgrenze und dar\u00fcber hinaus strapaziert.<\/p>\n<p>Somit liegt es nahe, dass viele SAP-Bestandskunden in externen Subsystemen eine deutlich bessere Ratio zwischen Kosten und Performance vorfinden.<\/p>\n<p>Ein weiteres wichtiges Argument ist das Abmischen mit Non-SAP-Daten \u2013 egal ob in der Daten- oder Prozessintegration. Firmendaten komplett innerhalb der Software eines Herstellers zu halten funktioniert fl\u00e4chendeckend nur im Hochglanzprospekt, aber niemals im wahren Leben.<\/p>\n<p>Und ja, nat\u00fcrlich bietet SAP ERP und SAP BW die M\u00f6glichkeit, externe Daten in SAP einzuladen und dort weiterzuverarbeiten, aber ein realistisches, bezahlbares Verfahren ist das mitnichten.<\/p>\n<p>Wer SAP- und Non-SAP-Daten gleichzeitig ben\u00f6tigt, wird sich dazu einen Platz au\u00dferhalb von SAP suchen m\u00fcssen oder er muss viel Zeit und ein gro\u00dfes Budget mitbringen.<\/p>\n<h3>Lastenhefte biblischen Ausma\u00dfes<\/h3>\n<p>Die Digitalisierung ist in aller Munde. Die Medien, Politiker und Firmenchefs interpretieren alles M\u00f6gliche und Unm\u00f6gliche in diesen Begriff hinein. Sie liefert auch unser drittes Argument, das eigentlich viel \u00e4lter ist als der Begriff Digitalisierung selbst: Agilit\u00e4t.<\/p>\n<p>Es ist mit Sicherheit dem Alter und der langen Historie von SAP geschuldet, dass bestimmte Muster im Projektmanagement oft anzutreffen sind: Zum Projektstart betritt der Berater den Meeting-Raum, spitzt den Bleistift und lauscht dem zuk\u00fcnftigen Anwender, was er denn gerne h\u00e4tte.<\/p>\n<p>Das Lastenheft \u2013 oft dicker als die Bibel \u2013 geht in die Umsetzung und nach qu\u00e4lend langen Monaten oder gar Jahren erfolgt der Produktivstart.<\/p>\n<p>Bedauerlicherweise hat sich die Welt schon dreimal weitergedreht und selbst der Fachanwender vom initialen Meeting ist kein Hellseher. So funktioniert aber das Aufsetzen von SAP-gef\u00fchrten Prozessen im Allgemeinen und das ist das genaue Gegenteil von Agilit\u00e4t.<\/p>\n<p>Wenn wir allerdings die Daten \u00fcber eine elegante Schnittstelle in ein daf\u00fcr geeignetes Subsystem \u00fcbergeben, k\u00f6nnen wir technisch und organisatorisch daf\u00fcr sorgen, dass die Iterationszyklen in Projekten von Monaten auf Tage zusammenschrumpfen und die Anpassungsf\u00e4higkeit in den Himmel schie\u00dft. Das ist Agilit\u00e4t.<\/p>\n<p>Ein gro\u00dfer Vorreiter dieser Denkweise ist im \u00dcbrigen Self Service BI, das ja nichts anderes bedeutet, als offiziell zuzugeben, dass beim Erstellen einer Analyse-Datenquelle noch nicht so genau bekannt ist, welche Fragen mit dem Datenbestand \u00fcberhaupt beantwortet werden sollen.<\/p>\n<p>Wer jetzt glaubt, die Anwender w\u00fcrden mit feuchten Augen und vor Begeisterung zittrigen H\u00e4nden vor dem Rechner sitzen, der irrt. Die Anwender machen das n\u00e4mlich ohnehin schon immer so, und zwar mit Excel.<\/p>\n<p>Wir haben nun die drei wichtigsten Argumente kennengelernt: Performance, Abmischen mit Non-SAP-Daten und Agilit\u00e4t. Es gibt viele, viele mehr, aber in den vergangenen zwanzig Jahren und \u00fcber fast 2500 Schnittstellenprojekte hinweg sind diese drei das Destillat dessen, was SAP-Bestandskunden zu diesem Thema umtreibt. Spannenderweise hat sich daran \u00fcber die Zeit auch so gut wie nichts ge\u00e4ndert.<\/p>\n<h3>Technik f\u00fcr den Datentransfer<\/h3>\n<p>Betrachten wir zun\u00e4chst die technischen Aspekte f\u00fcr das Thema Datenintegration, also eine typische Teildisziplin der Business Intelligence. V\u00f6llig unabh\u00e4ngig vom Hersteller \u00fcbernimmt diesen Part eine Schicht, die wir mit ETL (Extract, Transform, Load) oder ELT (Extract, Load, Transform) bezeichnen.<\/p>\n<p>Oft m\u00fcssen die Daten noch in eine f\u00fcr die Analyse aufbereitete Form gebracht werden, z. B. durch Qualit\u00e4ts- und Konsistenzchecks. Je nachdem, ob diese Transformation w\u00e4hrend des Transports oder nach der Ankunft im Zielsystem erledigt wird, spricht man von ETL oder ELT.<\/p>\n<p>In jeder Art von Analysesystem oder Datawarehouse findet sich solch eine Schicht in unterschiedlichen Auspr\u00e4gungen.<\/p>\n<h3>ETL und SQL<\/h3>\n<p>Eine der g\u00e4ngigsten Szenarien w\u00e4re zum Beispiel die Datenhaltung in einem Microsoft SQL Server. Den ETL-Part w\u00fcrden die sogenannten SQL Server Integration Services (SSIS) \u00fcbernehmen.<\/p>\n<p>Ein Tool, das mit dem SQL Server zusammen ausgeliefert wird. Hier werden die Datenfl\u00fcsse grafisch modelliert und dann automatisiert. Das funktioniert so gut und preisg\u00fcnstig, dass selbst hin und wieder Kunden ohne Microsoft-Background die SSIS nutzen, um Daten in fremde Systeme zu transportieren (z.B. ein Oracle-Datawarehouse).<\/p>\n<p>Die gew\u00fcnschten Transformationen werden in jedem Fall auf dem Transportweg erledigt. Neben anderen ETL-Anbietern wie Alteryx w\u00e4re eine Alternative dazu, die Originaldaten aus den Vorsystemen so zu belassen, wie sie sind, zun\u00e4chst abzulegen und dann nachgelagert aus einer Staging-Schicht zu veredeln \u2013 ELT eben.<\/p>\n<p>Auch diese Vorgehensweise funktioniert sehr gut mit allen g\u00e4ngigen Datenzielen: SQL Server, Oracle, Hadoop-Anwendungen, Amazon Redshift. Die Liste l\u00e4sst sich endlos weiterf\u00fchren und h\u00e4ngt vom Geschmack des Kunden ab.<\/p>\n<p>Sind die Daten erst einmal f\u00fcr die Analyse aufbereitet, \u00f6ffnet sich ein praktisch unendlicher Fundus an Analysem\u00f6glichkeiten. Vom klassischen Excel \u00fcber Power BI bis hin zu Anbietern wie Board oder Tableau, die allesamt Ma\u00dfst\u00e4be in Sachen User Experience setzen.<\/p>\n<p>Auch wenn SAP in solch einer Landschaft theoretisch nur ein Datenlieferant von vielen ist, so nimmt es doch erfahrungsgem\u00e4\u00df eine Sonderstellung ein. Das liegt vor allem daran, dass die Anbindung von SAP technisch eher komplexer ist als andere und auch schnell zum Groschengrab wird, wenn man die falschen Tools verwendet.<\/p>\n<p>Betrachten wir SAP ERP als Datenlieferant, so eignen sich eine Reihe von Quellobjekten als Ausgangspunkt. Im einfachsten Fall Tabellen. Es ist zwar korrekt, dass die Anzahl von SAP-Tabellen irgendwo je nach Release und Modul im sechsstelligen Bereich liegt, aber die wirklich relevanten lassen sich erfahrungsgem\u00e4\u00df einfach finden und stellen sich in der Praxis als beherrschbares Problem heraus.<\/p>\n<p>Viele Kunden greifen auch gerne auf Queries zur\u00fcck. Das ist zwar eine beeindruckend alte Technik, aber gerade SAP-Bestandskunden mit langer Historie k\u00f6nnen auf bestehende Artefakte zur\u00fcckgreifen, ohne das Rad neu erfinden zu m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Wenn die Datenmengen gr\u00f6\u00dfer werden, muss nat\u00fcrlich eine inkrementelle Beladung mit bedacht werden. Die einfachste M\u00f6glichkeit ist, klassische OLTP- Datenquellen zu nutzen, so wie sie auch ein BW mit Daten versorgen w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Diese Art des Datentransfers wird von SAP im \u00dcbrigen gerade renoviert und durch das elegantere und robustere ODP ersetzt. Es ist also nicht absehbar, dass diese Art des Datentransfers in absehbarer Zeit einer Hana-Roadmap zum Opfer f\u00e4llt.<\/p>\n<h3>SAP BW und der Wegezoll namens Hub-Lizenz<\/h3>\n<p>Ein wichtiger Aspekt ist die Rolle eines SAP BW. Erfahrungsgem\u00e4\u00df nutzen zwei Drittel aller Kunden den Zugriff auf die Daten des SAP ERP und ein Drittel aus dem BW. F\u00fcr den Weg \u00fcber das BW kann man im einfachsten Fall auf klassische BEx-Queries zur\u00fcckgreifen.<\/p>\n<p>Wenn die Datenmengen steigen, k\u00f6nnen Export-Datasources f\u00fcr eine inkrementelle Weitergabe der Daten vom jeweiligen BW-Objekt in ein nachgelagertes System sorgen.<\/p>\n<p>Ein sehr wichtiger Punkt sei an dieser Stelle noch erw\u00e4hnt: Sollten die Daten nicht direkt vom ERP, sondern vom BW aus in ein externes Datawarehouse transportiert werden, ist je nach Lizenzbedingung und Vertrag ein Wegezoll mit Namen Open-Hub-Lizenz nach Walldorf zu entrichten.<\/p>\n<p>Politisch soll das offensichtlich die SAP-Bestandskunden von diesem Weg abhalten. Meiner Erfahrung nach f\u00fchrt das aber eher zum gegenteiligen Effekt. Der wird dadurch n\u00e4mlich finanziell ermutigt, das bestehende BW aus dem Datenfluss gleich ganz zu entfernen.<\/p>\n<p>Die Gr\u00fcnde, die Daten zun\u00e4chst \u00fcber ein BW und dann erst in einen DataMart zu transportieren, sind eher d\u00fcnn und haben oft mehr mit Politik und Historie zu tun als mit technischer Notwendigkeit.<\/p>\n<h3>Prozessintegration<\/h3>\n<p>Die Technik hinter der Prozessintegration ist grundlegend anders als bei der Datenintegration des vorangegangenen Abschnitts. Hier geht es ja vor allem darum, eine einzelne Transaktion entweder vom SAP nach au\u00dfen oder von au\u00dfen an SAP zur\u00fcckzugeben.<\/p>\n<p>Auf der \u00e4u\u00dferen Seite kommen oft Workflow-Systeme zum Einsatz. Das k\u00f6nnte zum Beispiel Nintex, K2 oder Microsoft Flow sein. Jeweils technisch in ein SharePoint eingebettet oder auch ohne.<\/p>\n<p>Wenn es keine Workflow-Anwendung ist, finden wir oft Office-Anwendungen (am ehesten Excel) auf der Non-SAP-Seite bis hin zu maschinellen Konsumenten wie eine F\u00f6rderanlage oder andere Produktionsmaschinen, die ja auch am Datentropf von SAP h\u00e4ngen.<\/p>\n<p>Im Fall von Excel k\u00f6nnte ein typischer Use Case sein, entweder Daten aus SAP in ein Excel-Sheet zu \u00fcbernehmen (z. B. Kunden-\u00adadresse zur Kundennummer) und\/oder von dort aus zur\u00fcckzuspielen (z. B. Materialst\u00fccklisten pflegen). Die Anwendungen sind vielf\u00e4ltig und in der Regel ein gro\u00dfer Effizienzgewinn f\u00fcr den Endanwender.<\/p>\n<p>Er muss n\u00e4mlich seine vertrauten Umgebungen (Excel, SharePoint oder auch andere Software von Drittanbietern) nicht verlassen. SAP und Microsoft haben in der Vergangenheit mit Duet mehrere Versuche unternommen, in diese Kerbe zu schlagen.<\/p>\n<p>Das war wenig von Erfolg gekr\u00f6nt und am Ende wurden gute Ideen durch die falsche technische Umsetzung und zu viel Politik zu Staub zerrieben. Auf SAP-Seite ist der Ausgangspunkt praktisch immer ein Funktionsbaustein. Das kann entweder ein bestehender Standard-BAPI sein oder ein selbst ent\u00adwickelter Z-Baustein.<\/p>\n<p>Andere Techniken wie Transaktionsrekorder oder \u00c4hnliches haben sich als wenig flexibel erwiesen. Auch die Nutzung eines SAP Gateways sollte sorgf\u00e4ltig durchdacht werden. Das SAP Gateway ist letztendlich nur ein zus\u00e4tzlicher Layer, der den Funktionsbaustein in OData \u00fcbersetzt.<\/p>\n<p>Das hat gleich zwei gravierende Nachteile: Durch die zus\u00e4tzliche Schicht nehmen Performance und Responsiveness ab; au\u00dferdem lassen sich nur manche Gesch\u00e4ftsvorf\u00e4lle in diese tabellenorientierte Denkweise von OData zw\u00e4ngen.<\/p>\n<p>Use Cases, bei denen die Daten sehr hierarchisch und nicht tabellenartig sind (z. B eine St\u00fcckliste oder komplexe Materialstamm-daten), werden in Gateway sehr schnell h\u00e4sslich und un\u00fcbersichtlich, was Agilit\u00e4t im Entwicklungsprozess nicht nur einschr\u00e4nkt, sondern oft g\u00e4nzlich zum Erliegen bringt.<\/p>\n<p>Die Praxis hat gezeigt, dass ein Zugriff mit so wenig Schichten wie m\u00f6glich am besten, einfachsten und schnellsten funktioniert: direkt vom externen System per RFC auf den Baustein oder das BA zugreifen.<\/p>\n<p>Entweder durch wenige Zeilen Code, die selbst programmiert werden, oder durch intelligente Tools, die das Programmieren in einem grafischen Editor wegkapseln. Auch wenn sich das ein wenig hemds\u00e4rmelig anh\u00f6rt, hat es sich in der Praxis fast immer den Gateways und PIs dieser Welt als \u00fcberlegen dargestellt.<\/p>\n<h3>Fazit<\/h3>\n<p>Wir haben hier die wichtigsten Aspekte zum Thema SAP-Schnittstellen kennengelernt. Dabei spielt zun\u00e4chst die Frage eine Rolle, ob der Kunde Massendaten transportieren m\u00f6chte (Datenintegration) oder Prozesse und Transaktionen innerhalb von SAP mit der Au\u00dfenwelt verbinden will.<\/p>\n<p>Die wichtigsten Beweggr\u00fcnde daf\u00fcr sind eine gute Performance und SAP- mit Non-SAP-Daten n\u00e4her aneinander zu bringen. Ein weiterer Grund ist die Notwendigkeit, Systemlandschaften und Informationsfl\u00fcsse so zu bauen, dass sie auf zuk\u00fcnftige Ver\u00e4nderungen schon vorbereitet, also agil sind.<\/p>\n<p>Unter technischen Gesichtspunkten k\u00f6nnen viele Objekte auf SAP-Seite als Datenlieferant gelten: Tabellen, Queries, OLTP-Sources, BW-Queries etc. Bei der Integration von Transaktionen ist der Bestandskunde gut beraten, Zwischenschichten weitestgehend wegzulassen.<\/p>\n<p>Auch wenn diejenigen, die gerne die Zwischenschichten verkaufen wollen, das naturgem\u00e4\u00df anders sehen. Die Vorteile \u00fcberwiegen durch bessere Performance und Agilit\u00e4t. Abschlie\u00dfend sei generell dazu geraten, mehr Pragmatismus und kurze Feedback- und Iterationszyklen zu wagen.<\/p>\n<p>Die Zeit der gro\u00dfen und alle Integrationsprobleme l\u00f6senden Leuchtturmprojekte ist vorbei. Am Ende m\u00fcssen die Dinge in der realen Welt und nicht auf dem Hochglanzpapier stabil funktionieren.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/Coverstory-1805.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" title=\"Die zeit der leuchtt\u00fcrme ist vorbei\" class=\"aligncenter wp-image-37442 size-full\" src=\"https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/Download-Coverstory.jpg\" alt=\"Download Coverstory\" width=\"1000\" height=\"125\" srcset=\"https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/Download-Coverstory.jpg 1000w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/Download-Coverstory-768x96.jpg 768w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/Download-Coverstory-100x13.jpg 100w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/Download-Coverstory-480x60.jpg 480w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/Download-Coverstory-640x80.jpg 640w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/Download-Coverstory-720x90.jpg 720w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/Download-Coverstory-960x120.jpg 960w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Warum wollen SAP-Bestandskunden \u00fcberhaupt Schnittstellen zu anderen Systemen herstellen? Was ist der Business Benefit? 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