{"id":26613,"date":"2016-06-01T01:02:04","date_gmt":"2016-05-31T23:02:04","guid":{"rendered":"http:\/\/e3mag.com\/?p=26613"},"modified":"2022-05-01T08:51:22","modified_gmt":"2022-05-01T06:51:22","slug":"sap-standard-liefert-keine-prozesse","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/e3mag.com\/de\/sap-standard-liefert-keine-prozesse\/","title":{"rendered":"SAP-Standard liefert keine Prozesse"},"content":{"rendered":"<p>Durch die h\u00e4ufige Pr\u00e4senz des Wortes \u201eProzess\u201c ist ein starker Gew\u00f6hnungseffekt eingetreten. Kaum jemand macht sich noch Gedanken dar\u00fcber, was dieser Begriff f\u00fcr Software und ihre Verwendung bedeutet. Der folgende Beitrag konzentriert sich auf Gesch\u00e4ftsprozesse und deren Umsetzung bzw. Unterst\u00fctzung im SAP-ERP-Standard.<\/p>\n<h3>Wareneingangsprozess<\/h3>\n<p>Einer der prominentesten Gesch\u00e4ftsprozesse im SAP ERP ist der Wareneingangsprozess. Dieser besteht aus den folgenden Schritten: Eine Bestellung wird ausgel\u00f6st und als Beleg im SAP angelegt, die Bestellung wird an den Lieferanten versendet, die Ware wird geliefert, erfasst und ein Wareneingangsbeleg wird im SAP ERP angelegt.<\/p><div class=\"great-fullsize-content-de\" style=\"float: left;\" id=\"great-3490221256\"><div id=\"great-906072394\" style=\"margin-bottom: 20px;\"><a data-no-instant=\"1\" href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=6yfv7eho3Gc\" rel=\"noopener\" class=\"a2t-link\" target=\"_blank\" aria-label=\"Fullsize\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_26_04_08_1200x150.jpg\" alt=\"Fullsize\"  srcset=\"https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_26_04_08_1200x150.jpg 1200w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_26_04_08_1200x150-400x50.jpg 400w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_26_04_08_1200x150-768x96.jpg 768w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_26_04_08_1200x150-100x13.jpg 100w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_26_04_08_1200x150-480x60.jpg 480w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_26_04_08_1200x150-640x80.jpg 640w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_26_04_08_1200x150-720x90.jpg 720w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_26_04_08_1200x150-960x120.jpg 960w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_26_04_08_1200x150-1168x146.jpg 1168w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_26_04_08_1200x150-18x2.jpg 18w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_26_04_08_1200x150-600x75.jpg 600w\" sizes=\"(max-width: 1200px) 100vw, 1200px\" width=\"1200\" height=\"150\"  style=\" max-width: 100%; height: auto;\" \/><\/a><\/div><\/div>\n<p>Dieses Beispiel zeigt alle wesentlichen Eigenschaften eines Gesch\u00e4ftsprozesses: Der Prozess hat einen zeitlichen Verlauf, eine Richtung \u2013 einen Fortschritt, der messbar ist. Der Prozess hat zu jedem Zeitpunkt einen definierten Zustand.<\/p>\n<p>Es gibt verschiedene Bearbeiter: diese k\u00f6nnen seriell oder parallel t\u00e4tig sein. Jeder Prozess f\u00fchrt ein Protokoll mit sich und vergangene Prozesszust\u00e4nde m\u00fcssen ggf. wiederherstellbar sein. Dabei k\u00f6nnen SAP-Belege einbezogen werden oder erstellt werden und physische Dokumente (Formulare) werden einbezogen (z. B. Lieferschein, Bestellung).<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/ThomasMueller.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" title=\"Sap-standard liefert keine prozesse\" class=\"alignright wp-image-26621\" src=\"https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/ThomasMueller.jpg\" alt=\"Thomas Mueller exeqwork Prozesse\" width=\"221\" height=\"379\" srcset=\"https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/ThomasMueller.jpg 440w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/ThomasMueller-100x171.jpg 100w\" sizes=\"auto, (max-width: 221px) 100vw, 221px\" \/><\/a>Es gibt eine gro\u00dfe Zahl von weiteren, \u00e4hnlichen Gesch\u00e4ftsprozessen, die im Allgemeinen \u00fcber das SAP ERP abgewickelt werden. Als Beispiele seien genannt: der Rechnungseingang, der Reklamationseingang, der Vertriebs\u00adprozess (Kundenanfrage \u2013 Angebot \u2013 Auftrag) und die Inventarisierung.<\/p>\n<p>Als Gesch\u00e4ftsprozesse sind diese Prozesse jedoch nur auf organisatorischer Ebene im SAP ERP vorhanden. Der SAP-Standard liefert lediglich die Belege, zwischen denen die Prozesse ablaufen. Beim Wareneingang sind es z. B. der Bestellbeleg und der Materialbeleg, die im Laufe des Prozesses erstellt werden.<\/p>\n<p>Die Abwicklung des Prozesses ist dabei allein dem Benutzer \u00fcberlassen. Termine, Fortschritt, Zustand, involvierte Bearbeiter, Dokumente m\u00fcssen vom Benutzer verwaltet werden.<\/p>\n<p>Es gibt keine zentrale Stelle, an der der Benutzer eine \u00dcbersicht der laufenden Prozesse gewinnen kann. Monitoring der Prozesse ist zeitaufw\u00e4ndig, umst\u00e4ndlich und unzuverl\u00e4ssig, da eine Vielzahl von Datenquellen (Belegen) zur Auswertung herangezogen werden m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Bei der Prozessabwicklung kommt es zu h\u00e4ufigen Medienbr\u00fcchen: Es wird \u00fcber E-Mail, Telefon oder Kurznachrichtendienste kommuniziert. Diese Kommunikation bleibt dabei undokumentiert. Im Nachhinein ist es daher schwer, Entscheidungen nachzuvollziehen. Der SAP-Standard l\u00e4sst hier offenbar \u2013 absichtlich oder unabsichtlich \u2013 eine L\u00fccke erstaunlichen Ausma\u00dfes.<\/p>\n<h3>Anforderungen Prozessabwicklungswerkzeug<\/h3>\n<p>Will man ein Softwarewerkzeug schaffen, um die Gesch\u00e4ftsprozessabwicklung zu unterst\u00fctzen, so ist es zielf\u00fchrend von speziellen Anwendungsf\u00e4llen zu abstrahieren. D. h. man betrachtet z. B. die Anwendungsf\u00e4lle \u201eRechnungseingang\u201c und \u201eWareneingang\u201c und versucht die gemeinsamen Eigenschaften und Anforderungen zu isolieren.<\/p>\n<p>Businessobjekt-Prozess: Es hat sich als sinnvoll erwiesen, den Prozess selbst als Businessobjekt zu betrachten. Dieses Businessobjekt muss die Eigenschaften 1\u20138 besitzen, die in der Einleitung genannt wurden.<\/p>\n<p>Prozesslaufzeit: Prozesse k\u00f6nnen manuell vorangetrieben werden, d. h. vom Benutzer in einer Dialogtransaktion gesteuert, sie k\u00f6nnen aber auch automatisch fortschreiten. Bei den g\u00e4ngigen Gesch\u00e4ftsprozessen kommen h\u00e4ufig beide Formen des \u201eVorantreibens\u201c vor. Daraus folgt, dass zum automatischen Antreiben der Prozesse eine Art \u201eProzesslaufzeit\u201c ben\u00f6tigt wird.<\/p>\n<p>Monitoring versus Cockpit: Prozess\u00adzustand und -fortschritt m\u00fcssen \u00fcberwachbar sein. Dazu wird eine Monitoringtransaktion ben\u00f6tigt, die alle wesentlichen Kennzahlen ausweist sowie eine Sicht auf die Detaildaten des Prozesses bereitstellt.<\/p>\n<p>Erlaubt die Monitoringtransaktion au\u00dferdem die Steuerung des Prozesses, d. h. das Vorantreiben des Prozesses und das \u00c4ndern der Prozessdaten, so sprechen wir von Prozesscockpit. Aus Softwaresicht kann Monitor und Cockpit dieselbe Transaktion sein, die unterschiedlich berechtigt wird.<\/p>\n<h3>Softwarearchitektur<\/h3>\n<p>Wir gehen aus von einer Entwicklung in Abap OO, da sich aus der Abap-Laufzeit entscheidende Vorteile ergeben, wie wir sp\u00e4ter sehen werden.<br \/>\nHandlerklasse: Grundlage aller Anwendungsprozesse ist ein abstrakter Prozess ohne Anwendungsbezug. Dieser wird als einfache Abap-OO Klasse (Handlerklasse) implementiert mit einigen, wenigen Eigenschaften:<\/p>\n<ul>\n<li>Die Klasse ist nicht final<\/li>\n<li>Die Klasse liefert ihre eigene Persistenz, d. h. liest sich von bzw. schreibt sich in die Datenbank<\/li>\n<li>Die Klasse liefert einen Sperrmechanismus, sodass immer nur ein \u00c4nderer zugelassen wird<\/li>\n<li>Die Klasse schreibt ihr eigenes Protokoll<\/li>\n<li>Die Klasse hat eine dezidierte Callback-Methode, die f\u00fcr \u201edunkle\u201c Abarbeitung von der Prozesslaufzeit aufgerufen wird<\/li>\n<\/ul>\n<p>Von dieser abstrakten Prozessklasse leiten alle anwendungsspezifischen Klassen ab. Diese erweitern die Persistenz der Basisklasse um ihre Anwendungsdaten durch \u00dcberschreiben der Persistenzmethoden. Evtl. gibt es auch funktionale Erweiterungen.<\/p>\n<p>Laufzeit: Die Prozesslaufzeit sucht zur Ausf\u00fchrungszeit in einer Registrierungstabelle nach der Handlerklasse, die zum jeweiligen Prozess geh\u00f6rt (z. B. Handlerklasse zum Wareneingangsprozess). Die Handlerklasse wird zur Ausf\u00fchrungszeit instanziiert und ihre Callback-Methode wird von der Laufzeit aufgerufen.<\/p>\n<p>Dieses Konzept der sp\u00e4ten Bindung lehnt sich an das Prinzip des Component Object Models (COM) an, das von Microsoft bereits 1992 etabliert wurde und bis heute z. B. in der neuen Windows 10 Runtime (WinRT) zum Einsatz kommt. Auch hier wird eine DLL (COM-Objekt) erst zur Laufzeit geladen \u00fcber eine Objekt-GUID, zu der der Dateipfad der DLL in der Windows Registry hinterlegt ist. Das Prinzip der sp\u00e4ten Bindung l\u00e4sst sich in Abap durch das Konzept der globalen Klassen besonders einfach umsetzen.<\/p>\n<p>Aus Abap-Sicht ist die Laufzeit nichts anderes als ein Programm, das alle nicht beendeten Prozesse sammelt und seriell deren Callback-Methode aufruft. Dieses Programm wird periodisch im Hintergrund laufen und kann ggf. auch mehrfach eingeplant werden, um den Durchsatz zu erh\u00f6hen. Kollisionen werden performant durch den eingebauten Sperrmechanismus aufgel\u00f6st.<\/p>\n<p>Monitoring\/Cockpit: Das Monitoring liefert dem Anwender alle n\u00f6tigen Informationen \u00fcber Fortschritt, Anzahl und Zustand der Prozesse. Vom Basismonitor aus sollte das Protokoll jedes einzelnen Prozesses einsehbar sein. Au\u00dferdem sollte der Basismonitor den Neustart und das Debuggen eines einzelnen Prozesses erlauben und erf\u00fcllt insofern bereits einige wenige Cockpit-Funktionen.<\/p>\n<p>Das Monitoring ist vollst\u00e4ndig von Laufzeit und Handlerklasse entkoppelt. Es kann in jeder beliebigen UI-Technik implementiert werden (SAPGUI, WebDynpro, UI5, Windows). Vom Standpunkt der Wiederverwendbarkeit ist allerdings der SAPGUI die UI-Technik der Wahl, da sich ein striktes MVC-Konzept mit dem SAPGUI am stringentesten umsetzen l\u00e4sst.<\/p>\n<p>S\u00e4mtliche UI-Logik l\u00e4sst sich sehr einfach in eine wiederverwendbare, globale oder lokale Controller-Klasse auslagern. In dieser Hinsicht ist der SAPGUI moderner als alle anderen UI-Technologien.<\/p>\n<p>Anwendungscockpit: Das Anwendungscockpit lehnt sich inhaltlich an den Monitor an, bietet dar\u00fcber hinaus aber Sichten auf Anwendungsdaten und stellt auch anwendungsspezifische Funktionen bereit. Das UI stellt eine Erweiterung des Basismonitors dar.<\/p>\n<p>Im SAPGUI (auch im WebDynpro-Fall) l\u00e4sst sich die Controller-Klasse von der Controller-Klasse des Monitors ableiten. Dadurch \u201eerbt\u201c das Cockpit alle Funktionalit\u00e4t des Basismonitors ohne Zusatzaufwand. Die Umsetzung eines Cockpits l\u00e4sst sich so in sehr kurzer Zeit bewerkstelligen.<\/p>\n<h3>Fazit<\/h3>\n<p>F\u00fcr Unternehmen kann es sehr lohnenswert sein, die \u201eProzessl\u00fccke\u201c auf diese Weise zu schlie\u00dfen. Die Gr\u00fcnde sind zahlreich: Beispielsweise passt die Software sich dem Gesch\u00e4ftsprozess an und nicht umgekehrt.<\/p>\n<p>Es wird ein zentraler Einstiegspunkt geschaffen aus Prozesssicht, was h\u00e4ufig auch der Abteilungssicht entspricht. Die Prozessdurchlaufzeiten werden verk\u00fcrzt und messbar, Fehler werden vollst\u00e4ndig protokolliert. Prozesse werden transparent: Reporting l\u00e4sst sich dabei als einfache Erweiterung des Monitorings umsetzen.<\/p>\n<p>Durch den hohen Grad an Wiederverwendung einmal vorhandener Softwarekomponenten werden die Projektumsetzungszeiten optimiert. Das Konzept wird zukunftssicher, indem es sich mit minimalem Aufwand an neue UI-Technologien anpasst. Zum Schluss sei darauf hingewiesen, dass sich dieses Prinzip nat\u00fcrlich auch auf technische Prozesse wie Migrationen oder asynchrone, parallelisierte Massenverbuchungen anwenden l\u00e4sst.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist viel die Rede von \u201eProzessen\u201c im SAP-Umfeld: Gesch\u00e4ftsprozesse, Business Process Monitoring, Softwareentstehungsprozesse, Softwarewartungsprozesse, Transportprozesse, Migrationsprozesse. 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