{"id":22299,"date":"2016-09-01T11:01:02","date_gmt":"2016-09-01T09:01:02","guid":{"rendered":"http:\/\/e3mag.com\/?p=22299"},"modified":"2019-04-01T09:40:54","modified_gmt":"2019-04-01T07:40:54","slug":"morgens-um-halb-sieben-deutschland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/e3mag.com\/de\/morgens-um-halb-sieben-deutschland\/","title":{"rendered":"Morgens um halb sieben in Deutschland"},"content":{"rendered":"<p>Es ist halb sieben Uhr. Ich schaue auf den Monitor. Drei rote Ampeln signalisieren Fehler in der n\u00e4chtlichen Datenbereitstellung f\u00fcr das Business Warehouse.<br \/>\nDrei von achtundzwanzig. Das ist keine schlechte Quote.<\/p>\n<p>Die Fehlerursache ist schnell analysiert. Zur Bereinigung bedarf es eines Mausklicks auf \u201eWiederholen\u201c. Ein leichtes Unterfangen. Nicht jeden Tag ist die L\u00f6sung so einfach. Doch jeden Tag ist etwas zu tun. Das ist mein Job. Ich bin SAP-BW-Administrator.<\/p><div class=\"great-fullsize-content-de\" style=\"float: left;\" id=\"great-172319365\"><div id=\"great-2180421931\" style=\"margin-bottom: 20px;\"><a data-no-instant=\"1\" href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=6yfv7eho3Gc\" rel=\"noopener\" class=\"a2t-link\" target=\"_blank\" aria-label=\"Fullsize\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_26_04_08_1200x150.jpg\" alt=\"Fullsize\"  srcset=\"https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_26_04_08_1200x150.jpg 1200w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_26_04_08_1200x150-400x50.jpg 400w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_26_04_08_1200x150-768x96.jpg 768w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_26_04_08_1200x150-100x13.jpg 100w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_26_04_08_1200x150-480x60.jpg 480w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_26_04_08_1200x150-640x80.jpg 640w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_26_04_08_1200x150-720x90.jpg 720w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_26_04_08_1200x150-960x120.jpg 960w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_26_04_08_1200x150-1168x146.jpg 1168w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_26_04_08_1200x150-18x2.jpg 18w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_26_04_08_1200x150-600x75.jpg 600w\" sizes=\"(max-width: 1200px) 100vw, 1200px\" width=\"1200\" height=\"150\"  style=\" max-width: 100%; height: auto;\" \/><\/a><\/div><\/div>\n<p>Ich \u00fcberwache Ladeprozesse ins Business Warehouse. Ich analysiere Ladefehler, f\u00fchre Korrekturen durch, sorge mich um die Qualit\u00e4t der auswertungsrelevanten Daten im Unternehmen.<\/p>\n<p>Ich helfe dem Fachbereich dabei, das Datenmodell anzupassen, wenn sich neue Berichtsanforderungen ergeben. Und ich stehe als interner Berater und erster Ansprechpartner f\u00fcr die Bewertung neuer Softwareprodukte zur Verf\u00fcgung. Den Vertriebsprofis der Softwareh\u00e4user misstraut man, insbesondere denen der SAP.<\/p>\n<p>Schon wieder war einer von der SAP da. Hat etwas von nie dagewesenen M\u00f6glichkeiten erz\u00e4hlt. Ein Datenbanksystem namens Hana soll die Revolution im Software-Engineering bringen. Und unser Unternehmen profitiere davon: extreme Kostenersparnis.<\/p>\n<p>Der Betriebsaufwand reduziere sich durch \u201eEchtzeit-Reporting\u201c nahezu auf null. Wie oft haben wir Prophezeiungen dieser Art bereits geh\u00f6rt!?<\/p>\n<h3>Berlin, 11. August 2016, 14 Uhr<\/h3>\n<p>Ein Meeting wird kurzfristig organisiert. Echtzeit-Reporting brennt unserem Chef-Controller schon lange unter den N\u00e4geln. Es ist keine zw\u00f6lf Monate her, da hatte ich Anforderungen nach Realtime-Auswertungen im SAP BW zu bewerten.<\/p>\n<p>Mein Urteil damals: Technisch machbar \u2013 unter Verdopplung der Projekt- und Betriebskosten. Die aufgezeigten Kosten f\u00fchrten dann zur Einsicht, den Schritt nicht zu gehen.<\/p>\n<p>Ich werde misstrauisch, als der SAP-Berater erl\u00e4utert: Hana-Echtzeit-Reporting ist kosteng\u00fcnstiger zu realisieren als die Entwicklung klassischer SAP-BW-Anwendungen. Der Chef-Controller wird aufmerksam \u2013 wirft mir einen fragenden Blick zu.<\/p>\n<p>Ich muss einschreiten, bevor nicht haltbare Erwartungen geweckt werden. In meiner Argumentation hole ich weit aus: Ein Abriss \u00fcber historische Strategien der SAP, \u00fcber eingef\u00fchrte und wieder zur\u00fcckgezogene Produkte, \u00fcber vollmundige Versprechen, die nicht eingel\u00f6st wurden\u2026<\/p>\n<p>Die Euphorie ist aus dem Gesichtsausdruck des Chef-Controllers gewichen. Ich bin zufrieden.<\/p>\n<h3>Berlin, 12. August 2016, 9 Uhr<\/h3>\n<p>Der IT-Leiter hat mich zu sich gebeten. Anscheinend wurde er von unserem Chef-Controller kontaktiert. Auf seinen Wunsch reflektiere ich die Ergebnisse des letzten Meetings.<\/p>\n<p>Er teilt meine Meinung, dass nicht vorschnell und ungepr\u00fcft neue Produkte der SAP eingef\u00fchrt werden sollten. Doch g\u00e4nzlich verweigern k\u00f6nne er sich dem Anliegen aus dem Controlling nicht. Die Fachabteilung fordere von der IT schlie\u00dflich schon lange, Auswertungsm\u00f6glichkeiten in Echtzeit bereitzustellen.<\/p>\n<p>Sein Vorschlag, einen Prototyp auf der neuen Plattform zu entwickeln, klingt vern\u00fcnftig.<\/p>\n<h3>Berlin, 16. August 2016, 10 Uhr<\/h3>\n<p>Ein Partnerunternehmen der SAP hat uns zu Validierungszwecken ein BW-on-Hana-System und einen Spezialisten f\u00fcr die Prototyp-Entwicklung zur Verf\u00fcgung gestellt. Ein externer Berater sitzt nun in meinem B\u00fcro, um realistische Echtzeit-Auswertungen nach meinen Vorgaben zu entwickeln.<\/p>\n<p>Ich w\u00e4hle einen besonders komplexen Anwendungsfall: Kassendaten unserer Verkaufsfilialen. Mehrere Hundert Kassen senden Bon-Positionen unmittelbar ins SAP BW: Massendaten.<\/p>\n<p>Auswertungen sind erst am n\u00e4chsten Tag m\u00f6glich. Die Beladungs- und Transformationsprozesse dauern fast die ganze Nacht. Diese Prozessketten verursachen durch Ladeabbr\u00fcche h\u00e4ufig Probleme. Ganz zu schweigen vom Aufwand f\u00fcr Erweiterungen am Datenmodell.<\/p>\n<p>Die nach den Anpassungen notwendigen Beladungen, Tests, Korrekturen, Neubeladungen, Re-Tests kosten Zeit und damit Geld. Unsere Beauftragung des Hana-Spezialisten endet aber bereits n\u00e4chste Woche. Das ist so gut wie nicht zu schaffen, denke ich. Innerlich freue ich mich auf die Abschlusspr\u00e4sentation. Vorweggenommene Schadenfreude? Ja, vielleicht.<\/p>\n<h3>Berlin, 27. August 2016, 16 Uhr<\/h3>\n<p>Die Pr\u00e4sentation der SAP-BW-on-\u00adHana-Applikation ist all meinen Erwartungen zum Trotz von Erfolg gekr\u00f6nt. Verbesserungspotenzial ist sicherlich vorhanden. Jedoch kann der Berater die Verkaufszahlen quasi in Echtzeit zur Anzeige bringen.<\/p>\n<p>Ein Dashboard zeigt in anschaulichen Grafiken den Verkaufserfolg der letzten Stunde pro Filiale. Der Chef-Controller ist begeistert. Das ist auch f\u00fcr mich beeindruckend.<\/p>\n<p>Doch habe ich gemischte Gef\u00fchle: Was kommt jetzt auf mich zu? Weiterbildung? Umschulung? Schaffe ich es, mich auf die neue Technologie einzustellen? Der Berater scheint meine Gedanken zu erahnen.<\/p>\n<p>Er zeigt die Werkzeuge, mit denen er entwickelt hat. Das ist ein SAP BW, so wie ich es kenne. Auch der QueryDesigner zur Berichtsdefinition ist nach wie vor das Tool der Wahl. Damit kann ich arbeiten.<\/p>\n<p>Ein neues Tool kommt zwar dazu: SAP Hana Studio. Das kommt mir aber sehr bekannt vor. Ich erfahre auch warum. Es handelt sich um Eclipse, eine offene Entwicklungsplattform, die ich noch aus dem Studium kenne.<\/p>\n<p>Sollte die SAP tats\u00e4chlich auf Programmierumgebungen setzen, die nicht von Grund aus selbst erfunden wurden? Der Know-how-Erwerb im Umgang mit SAP-Systemen k\u00f6nnte insbesondere f\u00fcr Berufseinsteiger zuk\u00fcnftig deutlich einfacher werden.<\/p>\n<h3>Berlin, 30. August 2016, 16 Uhr<\/h3>\n<p>Nach dem Erfolg der Pr\u00e4sentation hat die Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung nicht gez\u00f6gert, Mittel f\u00fcr eine Migration aller bestehenden SAP-Systeme auf Hana bereitzustellen. Die Einsparungen im Betrieb und die M\u00f6glichkeit, Berichtsanwendungen wesentlich effizienter entwickeln zu k\u00f6nnen, haben \u00fcberzeugt.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem verspricht man sich Wettbewerbsvorteile, wenn Daten in Echtzeit analysiert werden und man unmittelbar auf Gesch\u00e4ftsprozesse Einfluss nehmen kann. Ich wurde dem Projekt f\u00fcr die Migration des SAP-BW-Systems zugewiesen. Es wird in kurzer Zeit viel Arbeit zu bew\u00e4ltigen sein. Eine Weile werde ich wohl nicht mehr hier ins Tagebuch schreiben k\u00f6nnen.<\/p>\n<h3>Berlin, 4. September 2016, 6.30 Uhr<\/h3>\n<p>Es ist halb sieben Uhr. Nach wie vor bin ich der Erste im B\u00fcro. Ich schaue auf den Monitor. Drei gr\u00fcne Ampeln signalisieren, dass die Prozessketten fehlerfrei durchgelaufen sind. Drei von drei.<\/p>\n<p>Die Einf\u00fchrung des Echtzeit-Reportings geht mit Virtualisierungen im Datenmodell einher. Daten m\u00fcssen nun nicht mehr geladen, transformiert, mehrfach physisch zwischengespeichert werden.<\/p>\n<p>Die Anzahl der Prozessketten hat sich auf ein Minimum reduzieren lassen. Morgens um halb sieben Uhr besteht f\u00fcr mich eigentlich keine Notwendigkeit mehr, Ladeprozesse zu kontrollieren.<\/p>\n<p>Langweilig ist mir deshalb trotzdem nicht. Ich nutze die morgendliche Ruhe und die frei gewordene Zeit, um g\u00e4nzlich neue Auswertungen zu entwickeln. So habe ich z. B. festgestellt, dass Staumeldungen und das Wetter Einfluss auf den Umsatz in unseren Filialen haben. Ich bin gespannt, was unser Chef-Controller dazu sagen wird!<\/p>\n<h3>Nachtrag<\/h3>\n<p>Die vorliegende Geschichte ist rein fiktiv. Auch der Autor der Tagebucheintr\u00e4ge ist frei erfunden. Nicht erfunden ist jedoch der Bedarf, Auswertungen in Echtzeit durchf\u00fchren zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Genauso wenig erfunden ist jedoch auch die Zur\u00fcckhaltung vieler Unternehmen, wenn seitens der SAP Innovationen angepriesen werden. Nicht jede Software-Einf\u00fchrung der SAP war in der Vergangenheit aus Kundensicht von Erfolg bestimmt.<\/p>\n<p>Einige strategisch positionierte Produkte wurden kurze Zeit sp\u00e4ter durch neue Technologien ersetzt. Der Konflikt des Tagebuch-Autors steht f\u00fcr den Leidensweg all jener SAP-Anwender, die nicht nur positive Erfahrungen nach einer Produkteinf\u00fchrung durchlebt haben.<\/p>\n<p>In Folge seiner Erfahrung mit Marketingkampagnen und der einsetzenden Ern\u00fcchterung im realen Projektgesch\u00e4ft verh\u00e4lt er sich zun\u00e4chst ablehnend gegen\u00fcber Neuerungen. Aufgrund des Drucks aus dem Business kommt der IT-Spezialist jedoch nicht drumherum, sich mit Hana auseinanderzusetzen.<\/p>\n<p>Auch das ist ein sehr reales Szenario. Am Ende erkennt der Held der Geschichte seinen Irrtum. Er macht die Erfahrung, dass Hana eine Reihe allt\u00e4glicher Probleme sofort l\u00f6sen kann und dar\u00fcber hinaus Freir\u00e4ume schafft, sich mit den Kernfragen des Unternehmens auseinanderzusetzen: wie das Gesch\u00e4ft optimiert werden kann.<\/p>\n<p>Mit der Geschichte wurde der Versuch unternommen, das Interesse an Hana trotz allseits pr\u00e4senter Kritik an der SAP neu zu wecken. Hana stellt ein enormes Innovationspotenzial dar. Oft werden jedoch technische Detailfragen, wie In-memory-Technologie, spaltenbasierte Datenhaltung, Kompressionsverfahren oder Parallelprozesse, in den Fokus gesetzt.<\/p>\n<p>Dem Anwender kommt es darauf selten an. Das Auto soll fahren. Der Aufbau des Motors ist den meisten Fahrern weitgehend egal. Auch die Maximalgeschwindigkeit des Fahrzeugs ist im innerst\u00e4dtischen Stra\u00dfenverkehr wenig von Belang.<\/p>\n<p>Was aber, wenn gar kein Auto mehr ben\u00f6tigt wird, weil die Eink\u00e4ufe direkt an die T\u00fcr geliefert werden? Was, wenn man nicht mehr zur Arbeit fahren muss, weil der Job von zu Hause erledigt werden kann?<\/p>\n<p>Ausgaben f\u00fcr Benzin und Wartungskosten entfallen \u2013 und man spart Zeit, die kreativ genutzt werden kann. Es sind die wirtschaftlichen Fragestellungen, die f\u00fcr ein Unternehmen von Bedeutung sind, genauso wie einhergehende \u00c4nderungen der Gesch\u00e4ftsprozesse.<\/p>\n<p>Das wird in den aktuellen, oft sehr technisch gef\u00fchrten Diskussionen rund um Hana h\u00e4ufig nicht bedacht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Stellen Sie sich vor, Sie w\u00e4ren im Support f\u00fcr ein Business Warehouse t\u00e4tig. 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