{"id":164938,"date":"2026-07-02T12:15:00","date_gmt":"2026-07-02T10:15:00","guid":{"rendered":"https:\/\/e3mag.com\/?p=164938"},"modified":"2026-07-02T12:02:48","modified_gmt":"2026-07-02T10:02:48","slug":"sap-doppelspitze-mit-christian-klein-und-einem-strategic-advisor","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/e3mag.com\/de\/sap-doppelspitze-mit-christian-klein-und-einem-strategic-advisor\/","title":{"rendered":"SAP-Doppelspitze mit Christian Klein und einem Strategic Advisor"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">100 Jahre SAP-Erfahrung<\/h2>\n\n\n\n<p>Da haben sich zwei gefunden: SAP CEO Christian Klein baut den Vorstand um und hat als helfende Hand ein Urgestein des SAP-Erfolgs an seiner Seite. Der Fokus liegt auf einer finalen KI-Strategie f\u00fcr den ERP-Weltmarktf\u00fchrer. Naturgem\u00e4\u00df kann Christian Klein diese technische Disruption nicht allein stemmen. Eine neuerliche SAP-Doppelspitze ist die logische Konsequenz, wenn auch vorerst aus dem Hintergrund agiert werden soll. Die Person f\u00fcr das strategische Ausrichten des Konzerns ist dem E3-Magazin sehr gut bekannt, weil es aber ein Agieren aus dem Verborgenen bleiben soll (vorerst), wird von der Redaktion der Wunsch nach Anonymit\u00e4t respektiert: Letztendlich geht es nicht um Namen und Personen, sondern um einen weiteren Erfolg von SAP zum Vorteil des Unternehmens selbst, f\u00fcr die SAP-Bestandskunden und Partner.<\/p>\n\n\n\n<p>Damit ist bei SAP etwas Interessantes geschehen, was dem Prinzip nach aus der Wirtschaft bekannt ist: Immer wenn es im operativen Unternehmensbereich grobe Probleme gibt, opfert sich ein Aufsichtsratsmitglied, um helfend dem Vorstand zur Seite zu stehen. Dieser Prozess basiert weitgehend auf den Compliance-Regeln f\u00fcr deutsche Kapitalgesellschaften. Professor Hasso Plattner hat mehrfach beanstandet, dass er als Aufsichtsratsvorsitzender nicht operativ mithelfen und mitarbeiten darf, wie es etwa einem US-Chairman gestattet ist. Nun sind eben die deutschen Gesetze, wie sie sind: Ein sehr erfahrenes Aufsichtsratsmitglied ist somit in den vergangenen Wochen zum Feuerwehrmann bei SAP geworden und hat den Aufsichtsrat verlassen.<\/p><div class=\"great-fullsize-content-de great-entity-placement\" style=\"float: left;\" id=\"great-3206174400\"><div id=\"great-3457236838\" style=\"margin-bottom: 20px;\"><a data-no-instant=\"1\" href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=iFPzKOVI4rg\" rel=\"noopener\" class=\"a2t-link\" target=\"_blank\" aria-label=\"banner_26_07_22_1200x150\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_26_07_22_1200x150-1.jpg\" alt=\"\"  srcset=\"https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_26_07_22_1200x150-1.jpg 1200w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_26_07_22_1200x150-1-400x50.jpg 400w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_26_07_22_1200x150-1-768x96.jpg 768w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_26_07_22_1200x150-1-100x13.jpg 100w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_26_07_22_1200x150-1-480x60.jpg 480w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_26_07_22_1200x150-1-640x80.jpg 640w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_26_07_22_1200x150-1-720x90.jpg 720w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_26_07_22_1200x150-1-960x120.jpg 960w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_26_07_22_1200x150-1-1168x146.jpg 1168w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_26_07_22_1200x150-1-18x2.jpg 18w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_26_07_22_1200x150-1-600x75.jpg 600w\" sizes=\"(max-width: 1200px) 100vw, 1200px\" width=\"1200\" height=\"150\"  style=\" max-width: 100%; height: auto;\" \/><\/a><\/div><\/div>\n\n\n\n<p>Offensichtlich fehlt es SAP an technischer KI-Kompetenz im Allgemeinen und Christian Klein findet keine KI-Roadmap im Speziellen: Hasso Plattner ist nicht nur Mitgr\u00fcnder, sondern er war \u00fcber Jahrzehnte das technische Gewissen, der vision\u00e4re Kompass und oft auch der notwendige Stachel im Fleisch des Walldorfer Softwarekonzerns. Seine grundlegende Philosophie zur F\u00fchrung eines IT-Unternehmens bildet einen scharfen Kontrast zum aktuellen Managementstil vieler Konzerne. Plattner vertritt die Ansicht, dass es ein Fehler sei, ein IT-Unternehmen aus einer reinen Management-Perspektive heraus zu f\u00fchren. Er warnte in zahlreichen Gespr\u00e4chen die Branche ausdr\u00fccklich davor, auf sogenannte \u201eTypen in Anz\u00fcgen\u201c hereinzufallen, die zwar m\u00e4chtige Executives darstellen, aber nichts vom eigenen Produkt verstehen. Wo nun SAP CEO Christian Klein zu verordnen ist, wird Hasso Plattner nicht mehr aus dem Unruhestand heraus beantworten. F\u00fcr Professor Plattner ist jedoch ein tiefes, detailliertes Technikverst\u00e4ndnis die absolute Grundvoraussetzung f\u00fcr nachhaltigen unternehmerischen Erfolg. Christian Klein hat sich viel angeeignet, aber eine technische Ausbildung im klassischen Sinn wie Shai Agassi, Vishal Sikka und J\u00fcrgen M\u00fcller hat er nie bekommen. Ex-SAP-Technikvorstand M\u00fcller war unter anderem im Gr\u00fcndungsteam der SAP-Datenbank Hana am HPI in Potsdam unter der Leitung von Professor Hasso Plattner und Professor Alexander Zeier.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:10px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">The Innovator\u00b4s Dilemma<\/h2>\n\n\n\n<p>Hasso Plattner kritisierte immer wieder die in Europa und speziell in Deutschland vorherrschende Kultur des Bewahrens. W\u00e4hrend US-amerikanische Unternehmen neue IT wie Cloud und KI nicht verteufeln, sondern diese mit Begeisterung ausprobieren, verharren die IT-Anwender in Europa oft in einer negativen und ablehnenden Haltung, wodurch entscheidende Innovationsspr\u00fcnge schlichtweg verpasst w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Zentrum von Plattners technischer Vision f\u00fcr das ERP-System stand seine letzte gro\u00dfe Eigenentwicklung: die In-Memory-Computing-Datenbank SAP Hana. Aus der simplen, aber weitreichenden Erkenntnis heraus, dass ein Datensatz im ERP-Umfeld nur einmal angelegt, aber Hunderte Male abgefragt wird, konzipierte er am Hasso-Plattner-Institut (HPI) eine Architektur, die prim\u00e4r auf Abfragegeschwindigkeit optimiert war.<\/p>\n\n\n\n<p>Plattner feierte Hana als elit\u00e4re Sternstunde der Informatik und als disruptive Innovation, die den Markt revolutionieren sollte. Eine analytische Betrachtung offenbart jedoch Risse in diesem Narrativ: In einer legend\u00e4ren und \u00f6ffentlich ausgetragenen Debatte auf der Sapphire-B\u00fchne 2014 widersprach ihm der Harvard-\u00d6konom Clayton M. Christensen (1952 bis 2020) vehement und diagnostizierte, dass Hana lediglich eine erhaltende Innovation sei und SAP geradewegs in das \u201eInnovator&#8217;s Dilemma\u201c steuere.<\/p>\n\n\n\n<p>Informatik-Kritiker werfen Plattner zudem vor, er sei architektonisch im \u201eVon-Neumann-Flaschenhals\u201c steckengeblieben, da er das Geschwindigkeitsdefizit lediglich durch die Verlagerung der Daten in den Hauptspeicher kaschierte, ohne die fundamentale Rechnerarchitektur wirklich neu zu denken. Plattner selbst r\u00e4umte in einem sp\u00e4teren Interview ungewohnt selbstkritisch ein, dass SAP es nicht ganz geschafft habe, Hana unangefochten an die absolute Spitze des Datenbanksegments zu bringen, wie er es sich erhofft hatte.<\/p>\n\n\n\n<p>Kaufm\u00e4nnisch betrachtet wurde Hana f\u00fcr SAP dennoch zu einem gigantischen Erfolg, da es den Walldorfern erm\u00f6glichte, die ERP-Bestandskunden in ein finales, hochprofitables Vendor-Lock-in zu zwingen und Konkurrenten wie Oracle, IBM und Microsoft aus dem eigenen \u00d6kosystem zu verdr\u00e4ngen.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:10px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">SAP Cloud Computing mit vielen Anl\u00e4ufen: Business ByDesign<\/h2>\n\n\n\n<p>Auch beim Thema Cloud Computing beweist die Historie Plattners vision\u00e4re Weitsicht, aber auch das oftmals tr\u00e4ge Umsetzungsverm\u00f6gen des Konzerns. Lange vor dem aktuellen, von den Hyperscalern getriebenen Cloud-Hype initiierte Plattner gemeinsam mit dem damaligen Technikvorstand Peter Zencke das Projekt Business ByDesign, ein revolution\u00e4res ERP-Konzept aus der Wolke.<\/p>\n\n\n\n<p>Nachtr\u00e4glich betrachtet muss jedoch erkannt werden, dass diese fr\u00fche SaaS-Eigenentwicklung scheiterte, was Plattner unumwunden zugibt. Er erkannte das strukturelle Problem des SAP-Tankers: In einem Umfeld, das extremen Perfektionismus an das bestehende Kernsystem stellt, haben es agile, kleinere Innovationsprojekte unheimlich schwer. Die bittere Erkenntnis f\u00fcr Plattner war, dass neue Dinge neue Freiheiten brauchen und SAP letztlich erst durch die massiven und teuren Akquisitionen von Ex-CEO Bill McDermott den echten Sprung in die Cloud schaffte.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:10px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Nach Cloud kommt KI<\/h2>\n\n\n\n<p>Aus genau dieser Erfahrung mit der starren SAP-Konzernkultur leitet Hasso Plattner seine Haltung zur K\u00fcnstlichen Intelligenz ab. Er setzt seine Hoffnungen f\u00fcr die KI explizit darauf, dass diese Technik nun zumindest au\u00dferhalb der beh\u00e4bigen SAP-Strukturen entwickelt wird. F\u00fcr Plattner ist KI nicht nur ein weiteres IT-Werkzeug, sondern eine Disruption, die neue Anforderungen an die menschliche Bildung stellt. In einer von KI gepr\u00e4gten Welt, so Plattner, sei es nicht mehr entscheidend, reines Faktenwissen anzuh\u00e4ufen, sondern die absolute Kernkompetenz liege darin, lernen zu lernen und sich rasend schnell in v\u00f6llig neue Sachverhalte einzuarbeiten.<\/p>\n\n\n\n<p>Um Europa in diesem globalen Wettlauf nicht als wehrloses Opfer zur\u00fcckzulassen, baut er das Hasso-Plattner-Institut an der Universit\u00e4t Potsdam massiv aus und vertieft die Partnerschaft mit SAP, um den Wissenstransfer in der KI-Forschung zu beschleunigen und die digitale Souver\u00e4nit\u00e4t zu sichern. Zudem erweisen sich Plattners fr\u00fche Forschungen zur Datenanonymisierung heute als vision\u00e4res Fundament, um der KI rechtskonforme und saubere Trainingsdaten zur Verf\u00fcgung stellen zu k\u00f6nnen. SAP CEO Christian Klein besucht regelm\u00e4\u00dfig das HPI in Potsdam und gilt dort als aufmerksamer Zuh\u00f6rer und interessierter Fragesteller.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:10px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Eine SAP-Zukunft mit neuer Doppelspitze im Vorstand<\/h2>\n\n\n\n<p>F\u00fcr den SAP-Bestandskunden offenbart die Analyse von Hasso Plattners Aussagen und seinem Lebenswerk eine besorgniserregende L\u00fccke in der aktuellen SAP-F\u00fchrung. Plattner war der mutige Vordenker, der sich oftmals \u00fcber starre Compliance-Regeln hinwegsetzte, um technische Durchbr\u00fcche zu erzwingen, und der das Unternehmen mit emotionaler Wucht antrieb.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit seinem R\u00fcckzug aus dem Aufsichtsrat vor zwei Jahren fehlt SAP nun dieser unverzichtbare \u201eStachel im Fleisch\u201c. Der aktuelle CEO Christian Klein verwaltet den Konzern zusammen mit CFO Dominik Asam zwar finanztechnisch und treibt die Cloud-Transformation kaufm\u00e4nnisch voran, doch es mangelt eklatant an jener tiefgreifenden architektonischen Vision und technischen Leidenschaft, die Hasso Plattner verk\u00f6rperte.<\/p>\n\n\n\n<p>Die SAP-Community muss erkennen, dass betriebswirtschaftliche Standardsoftware ohne einen technischen Vision\u00e4r an der Spitze Gefahr l\u00e4uft, in der \u00c4ra von Agentic AI und Composable ERP zu einem reinen, austauschbaren Cloud-Abonnement zu verkommen, denn Agentic AI wird die Umsatzmodelle f\u00fcr Unternehmenssoftware grundlegend ver\u00e4ndern: Nach Einsch\u00e4tzung des Forschungs- und Beratungsunternehmens Gartner sind bis 2030 Ausgaben f\u00fcr Unternehmensanwendungssoftware in H\u00f6he von bis zu 234 Milliarden US-Dollar der sogenannten Agentic Arbitrage ausgesetzt. Das entspricht bis 2030 rund 20 Prozent der Ausgaben f\u00fcr Software as a Service (SaaS) im Bereich Unternehmensanwendungen.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:10px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">SAP Code Red: Agentic Arbitrage<\/h2>\n\n\n\n<p>Von Agentic Arbitrage spricht Gartner, wenn KI-Agenten Aufgaben system\u00fcbergreifend ausf\u00fchren und dadurch die Notwendigkeit sinkt, dass Nutzer mit den Benutzeroberfl\u00e4chen verschiedener klassischer Softwareanwendungen interagieren m\u00fcssen. \u201eAgentic AI ver\u00e4ndert die \u00f6konomischen Grundlagen der Softwarebranche\u201c, erkl\u00e4rte George Brocklehurst, Managing Vice President bei Gartner. \u201eAgentische Systeme liefern Ergebnisse direkt, umgehen dabei traditionelle Anwendungen, die stark auf die Benutzererfahrung ausgerichtet sind, und lassen die eigentliche Software im Hintergrund verschwinden. Damit wird f\u00fcr viele Anbieter von Unternehmenssoftware die bisherige Kopplung von Nutzerwachstum und Umsatzwachstum aufgebrochen.\u201c Dieser Wandel ist bereits in vollem Gange und wird die Art und Weise, wie Software entwickelt, bepreist und genutzt wird, grundlegend ver\u00e4ndern. Er wird au\u00dferdem zu einer Neudefinition der Saaspocalypse f\u00fchren, der Aufspaltung des traditionellen SaaS-Marktes und damit zu einem m\u00f6glichen Bedeutungsverlust von SAP. Dabei handelt es sich jedoch weniger um eine Apokalypse als vielmehr um eine Metamorphose, meinen die Gartner Analysten. SaaS wird nicht verschwinden, sondern sich in einer neuen Form weiterentwickeln. Diese Transformation birgt sowohl f\u00fcr etablierte Anbieter als auch f\u00fcr neue Marktteilnehmer Risiken und Chancen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zuerst berichtete mein Kollege Christof Kerkmann im Handelsblatt vom Umbau des SAP-Vorstands: CEO Christian Klein will sich zuk\u00fcnftig um die KI-Technik k\u00fcmmern, weil Vorstandsmitglied Muhammad Alam (Product und Engineering) Anfang 2027 das Unternehmen verlassen wird. 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