{"id":163754,"date":"2026-05-28T13:00:00","date_gmt":"2026-05-28T11:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/e3mag.com\/?p=163754"},"modified":"2026-05-28T12:41:51","modified_gmt":"2026-05-28T10:41:51","slug":"sap-joule-und-das-travelling-salesman-problem","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/e3mag.com\/de\/sap-joule-und-das-travelling-salesman-problem\/","title":{"rendered":"SAP Joule und das Travelling Salesman Problem"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">K\u00f6nigsberg und der Handlungsreisende<\/h2>\n\n\n\n<p>Das Travelling Salesman Problem (TSP) ist eine verallgemeinerte Version des K\u00f6nigsberger Br\u00fcckenproblems. In allen F\u00e4llen geht es um das Finden eines optimalen Weges (Kanten) durch vorhandene Orte (Knoten), wobei es naturgem\u00e4\u00df der k\u00fcrzeste Weg sein soll und kein Ort mehrfach besucht werden darf. F\u00fcr K\u00f6nigsberg gibt es leider keine L\u00f6sung.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Stadt K\u00f6nigsberg in Preu\u00dfen wird in ihrem Stadtgebiet von dem Fluss Pregel sowie zwei Inseln durchzogen. Die beiden Stadth\u00e4lften waren durch je drei Br\u00fccken mit den Inseln verbunden, die untereinander durch eine weitere Br\u00fccke verbunden waren (in Summe also sieben Br\u00fccken). Die Fragestellung, die es zu er\u00f6rtern galt, war, ob es eine M\u00f6glichkeit gibt, alle sieben Br\u00fccken exakt einmal zu \u00fcberqueren, und falls dies der Fall ist, ob auch ein Rundweg konstruiert werden kann, der die R\u00fcckkehr zum Ausgangspunkt erm\u00f6glicht. Der Mathematiker Leonhard Euler bewies im Jahr 1736, dass die Realisierung eines solchen Weges in K\u00f6nigsberg nicht m\u00f6glich war, da zu allen vier Ufergebieten bzw. Inseln (Knoten) eine ungerade Zahl von Br\u00fccken (Kanten) f\u00fchrte.<\/p><div class=\"great-fullsize-content-de great-entity-placement\" style=\"float: left;\" id=\"great-2681728917\"><div id=\"great-386105578\" style=\"margin-bottom: 20px;\"><a data-no-instant=\"1\" href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=3sfeY6CxpaQ\" rel=\"noopener\" class=\"a2t-link\" target=\"_blank\" aria-label=\"banner_26_06_24_1200x150\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_26_06_24_1200x150.jpg\" alt=\"\"  srcset=\"https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_26_06_24_1200x150.jpg 1200w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_26_06_24_1200x150-400x50.jpg 400w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_26_06_24_1200x150-768x96.jpg 768w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_26_06_24_1200x150-100x13.jpg 100w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_26_06_24_1200x150-480x60.jpg 480w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_26_06_24_1200x150-640x80.jpg 640w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_26_06_24_1200x150-720x90.jpg 720w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_26_06_24_1200x150-960x120.jpg 960w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_26_06_24_1200x150-1168x146.jpg 1168w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_26_06_24_1200x150-18x2.jpg 18w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_26_06_24_1200x150-600x75.jpg 600w\" sizes=\"(max-width: 1200px) 100vw, 1200px\" width=\"1200\" height=\"150\"  style=\" max-width: 100%; height: auto;\" \/><\/a><\/div><\/div>\n\n\n\n<p>Es wird angenommen, dass maximal zwei Ufer (Knoten) mit einer ungeraden Zahl von angeschlossenen Br\u00fccken (Kanten) existieren. Es besteht die M\u00f6glichkeit, dass diese beiden Ufer den Ausgangs- bzw. Endpunkt darstellen. Die \u00fcbrigen Uferabschnitte sind mit einer geraden Anzahl von Br\u00fccken zu versehen, um eine erneute Passage auf dem neuen Weg zu erm\u00f6glichen. Das Br\u00fcckenproblem ist kein klassisches geometrisches Problem, da die exakte Lage der Br\u00fccken nicht von Relevanz ist, sondern lediglich die Verbindung der Inseln durch die Br\u00fccken. Die vorliegende Problematik ist folglich als topologisches Problem zu klassifizieren. Euler gelang es, dieses Problem zu l\u00f6sen, indem er Methoden anwendete, die gegenw\u00e4rtig der Graphentheorie zugeordnet werden.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">SAP Hana und die Graph Engine<\/h2>\n\n\n\n<p>Der Walldorfer Softwarekonzern SAP inszeniert seine k\u00fcnstliche Intelligenz derzeit als allheilendes Wundermittel f\u00fcr das moderne ERP, doch bei genauerer Betrachtung der technischen Plattformen wie SAP Hana und SAP BTP offenbart sich ein hochkomplexes Zusammenspiel aus alten Konzepten und neuen Heilsversprechen rund um die Hana-Datenbankplattform. Im Maschinenraum dieser Architektur verrichtet neben der klassischen SQL-Verarbeitung seit geraumer Zeit die sogenannte SAP Graph Engine ihren Dienst, die Daten nicht in starren Tabellen, sondern als vernetztes Geflecht aus Knoten und Kanten speichert und verarbeitet.<\/p>\n\n\n\n<p>Obwohl die Graphentheorie ein etablierter Zweig der Informatik ist, f\u00fchrte die Hana Graph Engine in der Vergangenheit eher ein Nischendasein und konnte kaum nennenswerte praktische Anwendungsf\u00e4lle in der Breite der SAP-Bestandskunden vorweisen. Dies \u00e4ndert sich nun radikal mit dem Aufstieg der SAP Business AI, denn SAP reanimiert diese Technik, um ein fundamentales Problem generativer k\u00fcnstlicher Intelligenz zu l\u00f6sen: Das gef\u00e4hrliche Halluzinieren von Sprachmodellen, denen schlichtweg das tiefe Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die hochkomplexen, historisch gewachsenen ERP-Datenbanken fehlt.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">SAP Knowledge Graph und SAP Business AI<\/h2>\n\n\n\n<p>Als IT-Revolution und semantisches Bindeglied zwischen der Business AI Platform und den eigentlichen ERP-Applikationen wird nun der SAP Knowledge Graph positioniert, der tief in der Hana-Architektur verwurzelt ist. Technisch betrachtet modelliert dieser Wissensgraph die expliziten Beziehungen zwischen Gesch\u00e4ftsdaten, Metadaten und Gesch\u00e4ftsobjekten \u2013 wie etwa Kunden, Bestellungen und Rechnungen \u2013 und nutzt daf\u00fcr sogenannte Ontologien, die eine standardisierte Verarbeitung heterogener Informationen in einem formalen Modell definieren und den inh\u00e4renten Gesch\u00e4ftskontext abbilden.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Vektoren versus Graphen<\/h2>\n\n\n\n<p>Im Gegensatz zu Vektordatenbanken, die prim\u00e4r auf mathematischen \u00c4hnlichkeitssuchen basieren und deren Beziehungen oft implizit bleiben, liefert der Knowledge Graph transparente und interpretierbare Beziehungen, was f\u00fcr eine verl\u00e4ssliche und erkl\u00e4rbare KI im gesch\u00e4ftskritischen Umfeld unabdingbar ist. Durch die Integration von Graph Query Languages wie OpenCypher oder der RDF-Syntax SPARQL erm\u00f6glicht SAP zudem eine performante hybride Abfragelogik, bei der traditionelle relationale SQL-Daten nahtlos mit den semantischen Graphenstrukturen kombiniert werden k\u00f6nnen, ohne dass Daten aufwendig migriert oder dupliziert werden m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Knowledge Graph wird von SAP als das semantische Bindeglied zwischen der neuen Business AI Platform und den eigentlichen SAP-Applikationen der sogenannten Autonomous Suite inszeniert. F\u00fcr den kritischen SAP-Bestandskunden ist es zun\u00e4chst essenziell zu verstehen, dass dieser Wissensgraph die hochkomplexen, historisch gewachsenen und oft fragmentierten ERP-Daten f\u00fcr k\u00fcnstliche Intelligenz und autonome KI-Agenten \u00fcberhaupt erst strukturiert lesbar und abrufbar machen soll. Die technische Theorie hinter diesem Konzept besagt, dass der Knowledge Graph Beziehungen zwischen Daten, Metadaten und Gesch\u00e4ftsobjekten explizit modelliert und so eine unverzichtbare semantische Kontextschicht bildet. Ohne dieses tiefe, strukturierte Kontextwissen k\u00f6nnten Sprachmodelle und KI-Agenten zwar nackte Tabellendaten analysieren, aber niemals die gesch\u00e4ftskritische Logik und die Zusammenh\u00e4nge dahinter begreifen, was im Unternehmensalltag unweigerlich zu gef\u00e4hrlichen und inakzeptablen KI-Halluzinationen f\u00fchren w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Riskante KI-Wette auf die ERP-Zukunft<\/h2>\n\n\n\n<p>Betrachtet man das architektonische IT-Konstrukt jedoch durch die kritische Linse eines IT-Entscheiders, entpuppt sich das Narrativ der SAP als riskante Wette auf die Zukunft. Die Deutschsprachige SAP-Anwendergruppe (DSAG), namentlich Fachvorstand Thomas Henzler, legt den Finger pr\u00e4zise in die Wunde und mahnt, dass es f\u00fcr den KI-Assistenten Joule in der Vergangenheit aufgrund der massiv komplexen SAP-Datenbanken oftmals \u00e4u\u00dferst schwierig war, spezifische Fragen \u00fcberhaupt korrekt zu beantworten.<\/p>\n\n\n\n<p>Zwar soll der Knowledge Graph laut SAP die manuelle Datenmodellierung k\u00fcnftig drastisch reduzieren und den KI-Modellen den dringend ben\u00f6tigten Gesch\u00e4ftskontext f\u00fcr das sogenannte Grounding liefern, doch die operative Realit\u00e4t sieht derzeit noch v\u00f6llig anders aus. Unabh\u00e4ngige Analysen zeigen, dass der SAP Knowledge Graph in der viel gepriesenen SAP Business Data Cloud (BDC) aktuell noch gar nicht vollumf\u00e4nglich zur Verf\u00fcgung steht, sondern erst f\u00fcr die zweite Jahresh\u00e4lfte 2026 angek\u00fcndigt wurde. Bis zu diesem Zeitpunkt agieren die hochgelobten autonomen KI-Agenten faktisch auf einem semantischen Blindflug, da ihnen genau jene essenzielle Kontextschicht fehlt, die Halluzinationen in der SAP-Autonomous-Suite zuverl\u00e4ssig verhindern soll. Zudem erfordert die fehlerfreie Modellierung solcher Graphenstrukturen ein immenses fachliches Know-how und eine makellose Datenqualit\u00e4t, denn ein Wissensgraph, der auf inkonsistenten Stammdaten aufbaut, wird die logischen Fehlentscheidungen der KI lediglich beschleunigen, anstatt sie zu verhindern. F\u00fcr den SAP-Bestandskunden bedeutet diese Erkenntnis unmissverst\u00e4ndlich, dass die technische ERP-Vision einer graphenbasierten KI-Architektur auf SAP Hana zwar akademisch brillant und architektonisch zwingend logisch ist, sie im harten IT-Alltag jedoch erst noch beweisen muss, dass sie mehr ist als nur ein weiteres wolkiges Versprechen auf dem Weg zum autonomen Enterprise.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit der ersten Erw\u00e4hnung des Rundreiseproblems als mathematische Herausforderung im Jahre 1930 haben sich viele Forscher damit befasst und Optimierungsverfahren entwickelt, die auch f\u00fcr andere ERP-Optimierungsprobleme eingesetzt werden. 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