{"id":163463,"date":"2026-05-21T12:17:55","date_gmt":"2026-05-21T10:17:55","guid":{"rendered":"https:\/\/e3mag.com\/?p=163463"},"modified":"2026-05-21T14:56:04","modified_gmt":"2026-05-21T12:56:04","slug":"money-makes-the-world-go-round-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/e3mag.com\/de\/money-makes-the-world-go-round-2\/","title":{"rendered":"Money Makes the World Go Round"},"content":{"rendered":"\n<p>Die digitale Transformation der betriebswirtschaftlichen Kernprozesse wird vom Walldorfer Softwarekonzern SAP unerm\u00fcdlich als grenzenloses, agiles und cloudbasiertes ERP-Paradies gefeiert, doch bei kritischer Analyse der vertraglichen Realit\u00e4ten entpuppt sich dieses Versprechen als ein hochkomplexes strategisches Zwangskorsett, das die SAP-Bestandskunden in einen beispiellosen Vendor-Lock-in treibt.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Zentrum dieser tektonischen Verschiebung steht der Paradigmenwechsel vom klassischen, eigentumsbasierten On-prem-Modell hin zu einem Cloud-Subskriptionsmodell, flankiert von einer undurchsichtigen Preis- und Konditionenliste (PKL), neuen API-Restriktionen und der rigorosen Monetarisierung von Datenstr\u00f6men.<\/p><div class=\"great-fullsize-content-de great-entity-placement\" style=\"float: left;\" id=\"great-3482962270\"><div id=\"great-2935046163\" style=\"margin-bottom: 20px;\"><a data-no-instant=\"1\" href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=6Ja0zaCg0ss\" rel=\"noopener\" class=\"a2t-link\" target=\"_blank\" aria-label=\"banner_bdc_2026_1200x150\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_bdc_2026_1200x150.jpg\" alt=\"\"  srcset=\"https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_bdc_2026_1200x150.jpg 1200w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_bdc_2026_1200x150-400x50.jpg 400w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_bdc_2026_1200x150-768x96.jpg 768w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_bdc_2026_1200x150-100x13.jpg 100w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_bdc_2026_1200x150-480x60.jpg 480w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_bdc_2026_1200x150-640x80.jpg 640w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_bdc_2026_1200x150-720x90.jpg 720w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_bdc_2026_1200x150-960x120.jpg 960w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_bdc_2026_1200x150-1168x146.jpg 1168w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_bdc_2026_1200x150-18x2.jpg 18w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_bdc_2026_1200x150-600x75.jpg 600w\" sizes=\"(max-width: 1200px) 100vw, 1200px\" width=\"1200\" height=\"150\"  style=\" max-width: 100%; height: auto;\" \/><\/a><\/div><\/div>\n\n\n\n<p>F\u00fcr den SAP-Bestandskunden bedeutet der Wechsel auf S\/4 Hana l\u00e4ngst nicht mehr ein technisches Release-Upgrade, sondern eine fundamentale Neuausrichtung seiner kommerziellen IT-Architektur, bei der die Gefahr von Kostenexplosionen, \u00dcberlizenzierungen und dem totalen Verlust der digitalen Souver\u00e4nit\u00e4t st\u00e4ndiger Begleiter ist. Wer die Mechanismen der SAP-Cloud-Subscription, der Business Technology Platform (SAP BTP), der Business Data Cloud (SAP BDC) und der neuen Lizenzmetriken nicht bis ins kleinste Detail dekonstruiert, wird unweigerlich Opfer einer meisterhaft orchestrierten Monetarisierungsmaschine.<\/p>\n\n\n\n<p>Der historische \u00dcbergang in die Cloud-Welt von SAP, prim\u00e4r vorangetrieben durch die allumfassenden Vertragspakete Rise und Grow, markiert f\u00fcr den ERP-Anwender den komplexen Wechsel von einer Investitionsausgabe (Capex) zu laufenden Betriebs\u00adausgaben (Opex). W\u00e4hrend On-prem-Lizenzen als unbefristetes Eigentum erworben wurden und selbst bei einer K\u00fcndigung der Wartungsvertr\u00e4ge das fortlaufende, rechtm\u00e4\u00dfige Nutzungsrecht am System garantierten, degradiert das Cloud-Abonnement den Kunden zum wehrlosen Mieter.<\/p>\n\n\n\n<p>SAP wandelt existierende On-prem-Lizenzen \u00fcber die sogenannte Contract Conversion in Cloud-Subskriptionen um, was zur unwiederbringlichen Vernichtung der alten, wertvollen Kauflizenzen f\u00fchrt. Das zentrale Instrument dieser Transformation ist die Metrik des Full Use Equivalent (FUE), ein hochkomplexes Regelwerk, das die bisherige detaillierte nutzungsbasierte User-\u00adVergabe aus der ECC-Welt in standardisierte Cloud-Nutzungstypen presst.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein FUE dient dabei als Verrechnungseinheit, die mit unterschiedlichen Gewichtungsfaktoren auf Nutzertypen wie Developer Access, Advanced Use, Core Use oder Self-Service Use aufgeteilt wird. Die kritische Herausforderung f\u00fcr den SAP-Bestandskunden liegt hierbei in der Bemessungsgrundlage: In der neuen S\/4-Cloud-Welt lizenziert SAP nicht mehr prim\u00e4r nach der tats\u00e4chlichen Nutzung der Software, sondern rigoros nach den im System vergebenen Berechtigungen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><br>Berechtigungsbasierte Vermessung<\/h2>\n\n\n\n<p>Da in den gewachsenen SAP-Landschaften R\/3, R\/3 Enterprise und ERP\/ECC 6.0 (SAP Business Suite) die Berechtigungen oftmals ex\u00adtrem gro\u00dfz\u00fcgig vergeben wurden, f\u00fchrt diese berechtigungsbasierte Vermessung bei einer unvorbereiteten Migration zu einer massiven \u00dcberlizenzierung.<\/p>\n\n\n\n<p>Unabh\u00e4ngige Lizenzexperten warnen, dass die neue Cloud-Metrik die Lizenzkosten um alarmierende 50 bis 150 Prozent in die H\u00f6he treiben kann, da selbst f\u00fcr Gelegenheitsnutzer pl\u00f6tzlich teure Professional- oder Advanced-Lizenzen f\u00e4llig werden, sobald ihnen systemseitig weitreichende Rollen zugeordnet sind.<\/p>\n\n\n\n<p>SAP versucht, die Kunden mit dem sogenannten S\/4 Trusted Authorization Review (Star-Service) bei der Klassifizierung zu unterst\u00fctzen, doch dieses Werkzeug analysiert stumpf die Berechtigungsobjekte und weist unklaren F\u00e4llen automatisch den teuersten Lizenztyp zu, was als brandgef\u00e4hrliche Kostenfalle f\u00fcr ahnungslose Anwender gilt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die vertragliche Grundlage f\u00fcr diese wolkigen Konstrukte bildet die SAP-Preis- und Konditionenliste, die sich im Cloud-Zeitalter zu einem wahren juristischen Laby\u00adrinth ausgewachsen hat. Die PKL besteht nicht mehr nur aus einer simplen Excel-Preisliste und einem Masterdokument, sondern fragmentiert sich in ein un\u00fcberschaubares Geflecht aus Cloud Supplements, Service Description Guides, Cloud AGBs und Service Level Agreements (SLAs), die allesamt untrennbare Bestandteile der sogenannten Order Form werden.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><br>Toxische Cloud Supplements<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Cloud Supplements regeln detailliert die Nutzungsbeschr\u00e4nkungen, Metriken und Provisionierungsdetails f\u00fcr jeden einzelnen Cloud-Service. Das toxische Element ist, dass SAP diese Dokumente und Metriken quartalsweise \u00e4ndert und anpasst, was eine verl\u00e4ssliche und langfristige Budgetierung f\u00fcr den CFO unm\u00f6glich macht. F\u00fcr den SAP-Bestandskunden bedeutet dies, dass er bei jedem Vertragsabschluss oder bei jeder Verl\u00e4ngerung \u2013 dem sogenannten Renewal \u2013 gezwungen ist, die tagesaktuellen Supplements rechtssicher zu archivieren, da SAP sich das Recht vorbeh\u00e4lt, bei Laufzeitverl\u00e4ngerungen einseitige Preisanpassungen durchzuf\u00fchren oder ehemals inkludierte Funktionen pl\u00f6tzlich separat zu bepreisen.<\/p>\n\n\n\n<p>Noch drastischer offenbaren sich die kommerziellen Risiken bei der Business Technology Platform, die von SAP als das technische R\u00fcckgrat und die essenzielle Innovationsschicht der Clean-Core-Strategie propagiert wird. Auf der BTP sollen k\u00fcnftig alle kundenindividuellen Erweiterungen (Side-by-Side Extensibility) und Integrationen stattfinden, um den digitalen Kern von S\/4 Hana sauber und upgradef\u00e4hig zu halten.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><br>BTPEA und Cloud Bill Shock<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Lizenzierung der BTP-Services erfolgt prim\u00e4r \u00fcber verbrauchsbasierte Consump\u00adtion-Modelle, namentlich das Cloud Platform Enterprise Agreement (CPEA) oder das neuere BTP Enterprise Agreement (BTPEA), bei denen der Kunde vorab sogenannte Cloud Credits einkauft. Die kaufm\u00e4nnische Falle dieser Modelle liegt im drohenden Verfall der erworbenen Credits: Ungenutzte Cloud Credits verfallen ausnahmslos am Ende eines jeden Vertragsjahres, wodurch ein ex\u00adtremer Druck entsteht, die Services auch tats\u00e4chlich zu konsumieren, um keine sogenannte Shelfware zu finanzieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Gleichzeitig lauert bei einer intensiven Nutzung der gef\u00fcrchtete Cloud Bill Shock. Sobald das vorab gekaufte Kontingent an Cloud Credits ersch\u00f6pft ist, rechnet SAP jede weitere \u00dcbernutzung gnadenlos und unrabattiert zum Listenpreis ab. Alternativ bietet SAP ein Pay-As-You-Go-Modell an, das zwar keine Mindestabnahmemenge erfordert, bei dem die Servicegeb\u00fchren jedoch nicht rabattf\u00e4hig sind und das somit bei skalierendem Einsatz die teuerste aller Betriebsformen darstellt.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Management und Monitoring dieser BTP-Verbr\u00e4uche \u00fcber das SAP-for-Me-Portal oder das BTP Cockpit wird von Anwendervereinen wie der DSAG als hochgradig unzureichend und intransparent kritisiert, da granulare Kostenauswertungen auf Ebene einzelner Gesch\u00e4ftsprozesse oftmals fehlen. Ein \u00e4hnlich restriktives Bild zeigt sich bei der SAP Integration Suite, dem cloudbasierten Nachfolger der klassischen Middleware SAP PI\/PO aus dem NetWeaver-Stack. Die Lizenzierung dieses essenziellen Integrationswerkzeugs, das f\u00fcr die Verbindung von SAP- und Non-SAP-Systemen unabdingbar ist, basiert h\u00e4ufig auf Metriken wie Tenants und Paketen von jeweils 10.000 Messages.<\/p>\n\n\n\n<p>Die betriebswirtschaftliche Herausforderung f\u00fcr den SAP-Bestandskunden liegt in der Vorhersagbarkeit des Nachrichtenaufkommens. In modernen, ereignisgesteuerten (Event-driven) ERP-Landschaften und IoT-Szenarien explodiert die Anzahl der zu verarbeitenden Systemnachrichten oft unkontrolliert. Da die Integration Suite zentral \u00fcber die BTP provisioniert wird, ist eine interne Leistungsverrechnung auf spezifische Fachbereiche kaum m\u00f6glich, w\u00e4hrend pl\u00f6tzliche Lastspitzen das Cloud-Credit-Guthaben rapide aufzehren und unkalkulierbare Mehrkosten verursachen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Gipfel der SAP\u2019schen Monetarisierungsstrategie offenbart sich jedoch in der neuen Business Data Cloud (SAP BDC) und der SAP Datasphere. Die BDC wird vom SAP-Marketing vollmundig als offenes, harmonisiertes Datenfundament (Data Fabric) gepriesen, das historische SAP-Datensilos aufbrechen und mit Hyperscaler-Diensten wie Databricks oder Snowflake f\u00f6derieren soll. Liest man jedoch das Kleingedruckte der Vertr\u00e4ge und Service Description Guides, entpuppt sich die BDC als ein System restriktiver Daumenschrauben, das die DSAG treffend als \u201eBusiness Data Complexity\u201c verspottet. SAP limitiert die Datennutzung extrem scharf. Bei jeder \u00dcberschreitung der minimalen Grenzen beh\u00e4lt sich SAP vor, mit zus\u00e4tzlichen und empfindlichen Geb\u00fchren zu bestrafen. Diese harten technischen und kommerziellen Barrieren konterkarieren das Versprechen einer offenen Datenkultur vollst\u00e4ndig und sie zwingen Unternehmen, ihre Datenanalysen exakt nach den teuren Volumenvorgaben zu drosseln.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"773\" height=\"1080\" src=\"https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/erp_ist_nicht_ki_web.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-163543\" srcset=\"https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/erp_ist_nicht_ki_web.jpg 773w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/erp_ist_nicht_ki_web-286x400.jpg 286w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/erp_ist_nicht_ki_web-768x1074.jpg 768w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/erp_ist_nicht_ki_web-100x140.jpg 100w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/erp_ist_nicht_ki_web-480x671.jpg 480w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/erp_ist_nicht_ki_web-640x895.jpg 640w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/erp_ist_nicht_ki_web-720x1007.jpg 720w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/erp_ist_nicht_ki_web-9x12.jpg 9w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/erp_ist_nicht_ki_web-600x839.jpg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 773px) 100vw, 773px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">PKL und Cloud Supplements regeln die Beschr\u00e4nkungen, Metriken und Provisionierungsdetails f\u00fcr jeden Cloud-Service                inklusive CPEA oder das neuere BTPEA und dann droht ein SAP Cloud Bill Shock.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><br>SAP API Policy<\/h2>\n\n\n\n<p>Eskaliert wird diese Abschottungstaktik durch die im April 2026 von SAP ver\u00f6ffentlichte, stark umstrittene neue API Policy. Unter dem Vorwand von Sicherheitsbedenken und Systemstabilit\u00e4t reglementiert SAP nun pr\u00e4zise, unter welchen Bedingungen Bestandskunden ihre eigenen Daten in Drittsysteme \u00fcbertragen d\u00fcrfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die API-Richtlinie verbietet explizit die Nutzung von SAP-APIs f\u00fcr nicht ausdr\u00fccklich dokumentierte Zwecke und untersagt systematische Massendatenextraktionen in externe Data Warehouses oder Data<br>Lakes, sofern SAP diesen spezifischen Anwendungsfall in der Produktdokumentation nicht explizit erlaubt hat.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr den SAP-Bestandskunden ist dies ein fataler Schlag gegen die eigene digitale Souver\u00e4nit\u00e4t. Wer k\u00fcnftig seine historischen S\/4-Daten effizient abziehen m\u00f6chte, um sie mit KI-Tools von Drittanbietern oder auf Plattformen wie Microsoft Fabric zu analysieren, wird durch die Blockade performanter Schnittstellen (wie ODP) de facto in die hauseigenen, teuren L\u00f6sungen wie SAP Datasphere und SAP BDC gezwungen.<\/p>\n\n\n\n<p>Besonders brisant ist das Verbot f\u00fcr autonome und generative KI-Agenten von Drittanbietern: KI-Systeme d\u00fcrfen nicht mehr frei und eigenst\u00e4ndig auf SAP-Daten \u00fcber APIs zugreifen. SAP errichtet hier faktisch eine digitale Zollschranke, an der jeder externe Zugriff, der die Walldorfer Datenhoheit ber\u00fchrt, k\u00fcnftig reglementiert und mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit monetarisiert wird, um den eigenen, oftmals technisch hinterherhinkenden KI-Assistenten wie Joule einen k\u00fcnstlichen Wettbewerbsvorteil zu sichern.<\/p>\n\n\n\n<p>Die API-Restriktionen verschmelzen nahtlos mit einem der gef\u00e4hrlichsten Lizenzthemen der SAP-Geschichte: der indirekten Nutzung und dem Preismodell Digital Access. In der \u00c4ra von Industrie 4.0, Robotics Process Automation (RPA) und vernetzten Lieferketten greifen unz\u00e4hlige Fremdsysteme automatisiert auf das ERP-System zu. SAP hat mit Digital Access ein ergebnisorientiertes (Outcome-based) Lizenzmodell geschaffen, das nicht mehr den menschlichen Nutzer z\u00e4hlt, sondern die schiere Anzahl der in Nicht-SAP-Quellen initial erstellten und in den SAP-Kern importierten Dokumente. Die Listenpreise f\u00fcr dieses Dokumentenvolumen sind astronomisch hoch angesetzt, weshalb SAP die Kunden mit Rabattprogrammen (Digital Access Adoption Program, DAAP) von bis zu 90 Prozent in das neue Modell locken muss.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch diese Rabatte sind eine vertragliche Illusion: Hat sich ein Unternehmen einmal f\u00fcr Digital Access entschieden, gibt es keinen Weg mehr zur\u00fcck in die alte, potenziell kosteng\u00fcnstigere userbasierte Welt. Die Beweislast f\u00fcr die korrekte Z\u00e4hlung der Dokumente, etwa die Unterscheidung zwischen lizenzpflichtiger Neuanlage und lizenzfreiem Lesen (Indirect Static Read), wird durch unzul\u00e4ngliche Vermessungstools wie das SAP Passport-Tool oftmals vollst\u00e4ndig auf den Kunden abgew\u00e4lzt. Jeder externe KI-Agent oder IoT-Sensor, der k\u00fcnftig autonom Bestellungen in S\/4 Hana anlegt, wird die Z\u00e4hlerst\u00e4nde bei Digital Access in die H\u00f6he schnellen lassen und ohne strenge Governance zu Nachforderungen f\u00fchren.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><br>Cloud-Exit-Strategie<\/h2>\n\n\n\n<p>Die ultimative Gefahr im SAP-Cloud-Subskriptionsmodell offenbart sich jedoch an dessen Ende: Es gibt schlichtweg keine native, vertraglich zugesicherte Cloud-Exit-Strategie seitens der SAP. Die All-in-Cloud-Vertr\u00e4ge unter Rise with SAP fungieren als mathematische Trapdoor-Funktion \u2013 eine strategische Einwegstra\u00dfe. Da der Kunde bei der Contract Conversion seine unbefristeten On-prem-Lizenzen unwiederbringlich aufgeben musste, steht er am Ende der Cloud-Vertragslaufzeit mit leeren H\u00e4nden da. Wenn ein Anwenderunternehmen die teuren Subskriptionsgeb\u00fchren nicht mehr bezahlen kann oder will, erlischt das Zugriffsrecht auf die Software augenblicklich.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Asymmetrie versetzt SAP bei jeder anstehenden Vertragsverl\u00e4ngerung (Re\u00adnew\u00adal) in eine absolute Monopolposition, wodurch der Konzern einseitige Preiserh\u00f6hungen und ung\u00fcnstigere Metriken r\u00fccksichtslos diktieren kann, ohne dass der Kunde eine realistische M\u00f6glichkeit zum Wechsel h\u00e4tte.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch die rechtlichen Bem\u00fchungen der Europ\u00e4ischen Union durch den EU Data Act, der Cloud-Lock-in-Effekte aufbrechen und die Datenportabilit\u00e4t erzwingen soll, laufen in der ERP-Praxis weitgehend ins Leere, da das Gesetz zwar die technische Datenhe\u00adrausgabe regelt, aber das Problem der fehlenden Applikationslizenzen f\u00fcr die weitere Datenverarbeitung nicht l\u00f6st.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><br>Transparenz und Optimierung<\/h2>\n\n\n\n<p>Angesichts dieses verminten kaufm\u00e4nnischen Terrains formulierte das E3-Magazin schon \u00f6fter in \u00dcbereinstimmung mit unabh\u00e4ngigen Lizenzexperten und der DSAG drastische, aber essenzielle Empfehlungen f\u00fcr jeden SAP-Bestandskunden: Oberstes Gebot ist die absolute Transparenz und Optimierung der eigenen Lizenzlandschaft, bevor auch nur eine Unterschrift unter einen Rise-with-SAP- oder Cloud-Vertrag gesetzt wird. Der Weg in die Cloud darf keinesfalls mit historischen Altlasten und ungenutzter Shelfware (Regalware) angetreten werden.<\/p>\n\n\n\n<p>SAP-Bestandskunden m\u00fcssen die Kon\u00adtrolle \u00fcber ihre User- und Berechtigungsstrukturen zur\u00fcckerlangen. Da die zuk\u00fcnftige Metrik in S\/4 auf vergebenen Berechtigungen und nicht mehr auf reiner Nutzung basiert, muss ein Redesign der SAP-Rollen zwingend vor der Anwendung von SAPs eigenem Star-Service erfolgen.<\/p>\n\n\n\n<p>Es wird dringend empfohlen, auf unabh\u00e4ngige Software-Asset-Management- Tools (SAM) von spezialisierten Anbietern wie USU, Snow, Flexera oder Dynamic License Control zur\u00fcckzugreifen, die die tats\u00e4chliche Nutzung simulieren und aufzeigen, welche teuren Berechtigungsobjekte in den Rollen eliminiert werden k\u00f6nnen, um eine fatale Einstufung in die teuren Professional-Lizenzen zu verhindern. Wer hier im Vorfeld bereinigt, kann den finalen FUE-Bedarf f\u00fcr die Cloud massiv senken.<\/p>\n\n\n\n<p>Die E3-Redaktion warnt davor, die eigenen, unbefristeten On-prem-Kauflizenzen voreilig in das Cloud-Subskriptionsmodell (Contract Conversion) umzuwandeln. Wo immer es vertraglich noch m\u00f6glich und sinnvoll ist, sollte auf einer Product Conversion beharrt werden, die den Erhalt des Lizenzbestandes und alter Sondernutzungsrechte garantiert.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr Unternehmen, die den Cloud-Betrieb anstreben, aber die digitale Souver\u00e4nit\u00e4t wahren wollen, empfiehlt sich das Bring-Your-Own-License-Modell (BYOL) auf der Infrastruktur eines neutralen Hyperscalers (IaaS) oder bei Green Lake von Hewlett Packard Enterprise. Hierbei bleibt der SAP-Bestandskunde juristischer Eigent\u00fcmer der Softwarelizenzen und kann bei Unzufriedenheit den Hosting-Provider wechseln oder die Lizenzen zur\u00fcck ins eigene Rechenzentrum (Private Cloud On-premises) transferieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Fallstricke der BTP und der indirekten Nutzung m\u00fcssen minuti\u00f6s verhandelt werden. Bei der Nutzung des BTP Enterprise Agreements (BTPEA) sollten Unternehmen niemals mit zu gro\u00dfen Cloud-Credit-Paketen starten, da ungenutzte Volumina am Jahresende unweigerlich verfallen. Vielmehr sollte ein kleinvolumiger Einstieg gew\u00e4hlt oder auf sichere Subskriptionsmodelle f\u00fcr klar definierte, dauerhaft ben\u00f6tigte Services (wie die Integration Suite) zur\u00fcckgegriffen werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Bez\u00fcglich Digital Access m\u00fcssen Unternehmen ihre Systemarchitektur und alle Schnittstellen zu Non-SAP-Systemen vor einem Audit exakt analysieren. Nicht jeder Datentransfer l\u00f6st automatisch eine Belegz\u00e4hlung aus; Funktionen wie der Indirect Static Read m\u00fcssen vertraglich wasserdicht als kostenfrei definiert bleiben.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><br>Forensische Genauigkeit<\/h2>\n\n\n\n<p>Beim Lesen der SAP-Vertr\u00e4ge muss eine geradezu forensische Genauigkeit angewandt werden. Ein SAP-Cloud-Vertrag ist nicht auf dem Order Form beendet. SAP-Bestandskunden m\u00fcssen die tagesaktuell g\u00fcltigen Cloud Supplements und Service Description Guides aus dem SAP Trust Center herunterladen, lesen und physisch archivieren, da genau diese Dokumente die harten Metriken, Restriktionen (wie die Limitierung auf 2000 OData API Calls in der BDC) und Support Level Agreements vorgeben. Da SAP diese Links und Dokumente regelm\u00e4\u00dfig \u00e4ndert, ist eine sp\u00e4tere Beweisf\u00fchrung bei Lizenzstreitigkeiten ohne eine solide eigene Archivierung aussichtslos.<\/p>\n\n\n\n<p>Der kritische IT-Entscheider muss begreifen, dass das aktuelle SAP-Cloud- und ERP-Lizenzmodell keineswegs prim\u00e4r der Befreiung des Kunden dient, sondern ein meisterhaft konstruiertes, kaufm\u00e4nnisches Geflecht zur Maximierung und Verstetigung der SAP-Erl\u00f6se darstellt.<\/p>\n\n\n\n<p>Wer sich ohne fundierte IT-Strategie, ohne externe Rechtsberatung und ohne unabh\u00e4ngige Lizenzwerkzeuge auf die Rise-with-SAP-Pr\u00e4sentationen verl\u00e4sst, wird unweigerlich in eine Kostenfalle tappen, die die Total Cost of Ownership auf Jahre hinaus ruin\u00f6s in die H\u00f6he treibt und das eigene Unternehmen dauerhaft an den Tropf des Softwaregiganten h\u00e4ngt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die digitale Souver\u00e4nit\u00e4t des SAP-Bestandskunden l\u00e4sst sich heute nicht mehr durch blindes Vertrauen in die Roadmap der SAP sichern, sondern erfordert radikale Eigenverantwortung, tiefes technisches und vertragliches Verst\u00e4ndnis sowie die Bereitschaft, dem ERP-Weltmarktf\u00fchrer bei jeder Lizenzverhandlung auf Augenh\u00f6he und mit \u00e4u\u00dferster H\u00e4rte zu begegnen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><a href=\"https:\/\/e3mag.com\/de\/pdfs\/2606-cover\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1000\" height=\"125\" src=\"https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/download_banner_D_1000x125.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-162017\" srcset=\"https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/download_banner_D_1000x125.jpg 1000w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/download_banner_D_1000x125-400x50.jpg 400w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/download_banner_D_1000x125-768x96.jpg 768w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/download_banner_D_1000x125-100x13.jpg 100w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/download_banner_D_1000x125-480x60.jpg 480w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/download_banner_D_1000x125-640x80.jpg 640w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/download_banner_D_1000x125-720x90.jpg 720w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/download_banner_D_1000x125-960x120.jpg 960w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/download_banner_D_1000x125-18x2.jpg 18w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/download_banner_D_1000x125-600x75.jpg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das aktuelle SAP-Cloud- und Lizenzmodell dient keineswegs der technischen und organisatorischen Befreiung der Bestandskunden, sondern bindet sie enger an Walldorf. 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