{"id":158855,"date":"2025-12-04T12:53:53","date_gmt":"2025-12-04T11:53:53","guid":{"rendered":"https:\/\/e3mag.com\/?p=158855"},"modified":"2025-12-05T15:00:00","modified_gmt":"2025-12-05T14:00:00","slug":"sap-im-erp-paradoxon-gefangen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/e3mag.com\/de\/sap-im-erp-paradoxon-gefangen\/","title":{"rendered":"SAP im ERP-Paradoxon gefangen"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die schnelllebige ERP-Welt erfordert Kompromisse<\/h2>\n\n\n\n\n\n\n\n<p>Es gibt ein ber\u00fchmtes Paradoxon zum Thema Geschwindigkeit und der Unf\u00e4higkeit eines schnellen L\u00e4ufers, den langsameren zu \u00fcberholen, der mit einem Vorsprung gestartet ist. Der griechische Philosoph Zenon hat sich die Geschichte ausgedacht und Aristoteles hat sie in seiner Abhandlung \u00fcber Physik niedergeschrieben.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Paradoxon von Zenon handelt von einem Wettlauf zwischen dem schnellen Achilles und einer langsamen Schildkr\u00f6te. Beide starten zum selben Zeitpunkt, aber die Schildkr\u00f6te erh\u00e4lt einen Vorsprung. Obwohl Achilles schneller ist, kann er sie laut Zenon niemals einholen. Sein Argument beruht auf der Annahme, dass Achilles zun\u00e4chst den Punkt erreichen muss, von dem die Schildkr\u00f6te gestartet ist. <\/p><div class=\"great-fullsize-content-de great-entity-placement\" style=\"float: left;\" id=\"great-4034465183\"><div id=\"great-1118415716\" style=\"margin-bottom: 20px;\"><a data-no-instant=\"1\" href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=6ZGXMPyM-nU\" rel=\"noopener\" class=\"a2t-link\" target=\"_blank\" aria-label=\"banner_26-04_29_1200x150\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_26-04_29_1200x150-3.jpg\" alt=\"\"  srcset=\"https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_26-04_29_1200x150-3.jpg 1200w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_26-04_29_1200x150-3-400x50.jpg 400w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_26-04_29_1200x150-3-768x96.jpg 768w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_26-04_29_1200x150-3-100x13.jpg 100w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_26-04_29_1200x150-3-480x60.jpg 480w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_26-04_29_1200x150-3-640x80.jpg 640w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_26-04_29_1200x150-3-720x90.jpg 720w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_26-04_29_1200x150-3-960x120.jpg 960w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_26-04_29_1200x150-3-1168x146.jpg 1168w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_26-04_29_1200x150-3-18x2.jpg 18w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_26-04_29_1200x150-3-600x75.jpg 600w\" sizes=\"(max-width: 1200px) 100vw, 1200px\" width=\"1200\" height=\"150\"  style=\" max-width: 100%; height: auto;\" \/><\/a><\/div><\/div>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend Achilles dieses Wegst\u00fcck zur\u00fccklegte, hat sich aber auch die Schildkr\u00f6te weiterbewegt, sodass Achilles einen neuen Zielpunkt hat. Auch diesen Punkt erreicht er wieder schnell, w\u00e4hrend die langsame Schildkr\u00f6te ebenfalls vorankam. Dieses Spiel geht ins Unendliche. Immer wieder erreicht Achilles sehr schnell die Punkte, wo die Schildkr\u00f6te zuvor stand \u2013 eine unendliche Reihe mit immer kleiner werdenden Quotienten.<\/p>\n\n\n\n<p>SAP eilt voraus und die Bestandskunden versuchen, das organisatorische und technische Niveau des f\u00fchrenden ERP-Anbieters zu erreichen. W\u00e4hrend ECC 6.0 (SAP Business Suite 7) customized wird, entwickelt SAP das neue S\/4. W\u00e4hrend die SAP-Bestandskunden SoH (Suite 7 on Hana) customizen, pr\u00e4sentiert SAP das Konzept Rise. <\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend die Anwender versuchen, Rise with SAP zu verstehen, kommt SAP mit einer neuen Business Suite und Cloud ERP. Das Vorw\u00e4rtsstreben und Enteilen in einen unendlichen ERP-Kosmos ist ein Paradoxon von SAP. Die SAP-Bestandskunden mussten in den vergangenen Jahren viele und teure Kompromisse eingehen, um mit den Anforderungen von SAP auch Schritt halten zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">ERP-Kompromisse bedeuten Transformationsschulden<\/h2>\n\n\n\n\n\n\n\n<p>Vielfach werden der Mangel und die Langsamkeit der digitalen Transformation beklagt. Die Ursache f\u00fcr das Ausbleiben dieser ERP-Transformation ist aber oft trivial: Die Besch\u00e4ftigung mit dem organisatorischen, technischen und lizenzrechtlichen SAP-Universum erfordert viele Ressourcen und hohen finanziellen Einsatz. Es bleiben keine Kapazit\u00e4ten mehr f\u00fcr eine inhaltliche Weiterentwicklung. Die Besch\u00e4ftigung mit SAP wird zum Selbstzweck und l\u00e4hmt die digitale Transformation.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine IT-Schuld gibt es in jedem Unternehmen \u2013 vom Start-up bis zum internationalen Gro\u00dfkonzern. H\u00e4ufig nehmen SAP-Bestandskunden diese \u201eSchuld\u201c bewusst in Kauf, um technische ERP-Entwicklungen zu beschleunigen oder Zeitpl\u00e4ne (Release-Ende 2027\/2030) einzuhalten. Kritisch wird es allerdings, wenn die technischen Schulden die Existenz und den eigentlichen Unternehmensinhalt der SAP-Bestandskunden gef\u00e4hrden.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn es schnell gehen muss, entstehen oft schlechte Kompromisse. Das k\u00f6nnen unbeabsichtigte Schw\u00e4chen in der ERP-Logik sein, aber auch unzureichende End-to-End-Prozesse. Nat\u00fcrlich lassen sich Systeme mit monolithischen oder veralteten ERP-Architekturen meist nur schwer aktualisieren. Aber Altlasten aus dem Z-Namensraum (Abap-Modifikationen) m\u00fcssen evaluiert und orchestriert werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Keynote von SAP-Vorstandsmitglied Thomas Saueressig auf dem DSAG-Jahreskongress 2025 in Bremen ging damit vollkommen am Thema vorbei: Ein S\/4-System auf der \u201egr\u00fcnen Wiese\u201c als neues ERP ohne Altlasten zu customizen, ist f\u00fcr die DSAG-Mitglieder eine leichte Finger\u00fcbung. Stattdessen h\u00e4tte Thomas Saueressig ein komplexes Clean-Core-Projekt pr\u00e4sentieren sollen, in dem der Umgang und das Beherrschen von altem Abap-Code demonstriert wird.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">SAP bleibt im ERP-Universum unerreichbar<\/h2>\n\n\n\n\n\n\n\n<p>Mit Cloud und KI st\u00fcrmt SAP-Chef Christian Klein voran und versucht, gemeinsam mit SAP CFO Dominik Asam den eigenen B\u00f6rsenkurs zu pflegen. Dieser Sturm und Drang zeigt aber immer \u00f6fter weniger Wirkung: Die eigenen Bestandskunden bleiben zur\u00fcck und der SAP-Aktienkurs sinkt unaufh\u00f6rlich.<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist ein Paradoxon: SAP setzt auf die erfolgreichen IT-Buzzwords, aber die SAP-Bestandskunden k\u00f6nnen dem ERP-Weltmarktf\u00fchrer nicht mehr folgen. SAP gibt sich innovativ und schlie\u00dft Kooperationen mit den gr\u00f6\u00dften und erfolgreichsten IT-Konzernen, aber die Finanzanalysten w\u00fcrdigen die Arbeit von Christian Klein und Dominik Asam nicht und schicken den Aktienkurs auf Talfahrt.<\/p>\n\n\n\n<p>H\u00e4ufig lassen sich technische ERP-Schulden nicht vermeiden, doch SAP-Bestandskunden sollten darauf achten, in welchen IT-Bereichen sie entstehen und dass der Schuldenberg (Abap-Modifikationen) nicht zu hoch wird. Schlie\u00dflich erh\u00f6hen technische IT-Schulden nicht nur den Aufwand bei der Pflege von Anwendungen und Systemen, sondern bergen ernsthafte Unternehmensrisiken. Vielleicht ist es Zeit f\u00fcr SAP-Bestandskunden, sich aus dem Wettlauf und dem Zeitstress zu verabschieden. Ein Paradoxon kann auch dadurch aufgel\u00f6st werden, indem sich die SAP-Bestandskunden zu anderen ERP-Anbietern hinwenden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das meiste, was SAP macht, ist dem Prinzip nach richtig. Vors\u00e4tzliches Fehlverhalten kann dem ERP-Weltmarktf\u00fchrer nicht unterstellt werden, dennoch sinkt der SAP-Aktienkurs und die Stimmung in der SAP-Community ist schlecht. 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