{"id":142564,"date":"2024-05-23T10:06:41","date_gmt":"2024-05-23T08:06:41","guid":{"rendered":"http:\/\/e3mag.com\/?p=142564"},"modified":"2024-05-23T10:14:09","modified_gmt":"2024-05-23T08:14:09","slug":"saps-disruptive-innovation","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/e3mag.com\/de\/saps-disruptive-innovation\/","title":{"rendered":"SAPs disruptive Innovation"},"content":{"rendered":"\n<p>Oft wurde in Plattners Amtszeit als Aufsichtsratsvorsitzender die fehlende Compliance erw\u00e4hnt, aber Plattner war der Aufgabe selbst verpflichtet und nicht einer b\u00fcrokratischen Positionsbeschreibung.<\/p>\n\n\n\n<p>Professor Hasso Plattner war der Innovator und Vision\u00e4r bei SAP. Viele Produktinnovationen der SAP gehen auf sein Konto. Seine letzte gro\u00dfe Idee war die In-memory-Computing-Datenbank Hana. Redakteur Michael Kroker vom deutschsprachigen Wochenmagazin WiWo fragte Hasso Plattner in einem Exklusivinterview: Was ist denn ein Traum, der sich nicht realisiert hat? Plattner: \u201eMein letztes Projekt, das ich technologisch bei SAP vorangetrieben habe, war die Hochleistungsdatenbank Hana. Ich hatte die Hoffnung, dass SAP es schafft, Hana ganz an die Spitze dieses Segments zu bringen, weil sie zu der Zeit die mit Abstand beste Datenbank war. Das m\u00fcsste der Markt eigentlich irgendwie honorieren; allerdings hat SAP das nicht ganz geschafft.\u201c<\/p><div class=\"great-fullsize-content-de\" style=\"float: left;\" id=\"great-1771224218\"><div id=\"great-1108173559\" style=\"margin-bottom: 20px;\"><a data-no-instant=\"1\" href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=6yfv7eho3Gc\" rel=\"noopener\" class=\"a2t-link\" target=\"_blank\" aria-label=\"Fullsize\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_26_04_08_1200x150.jpg\" alt=\"Fullsize\"  srcset=\"https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_26_04_08_1200x150.jpg 1200w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_26_04_08_1200x150-400x50.jpg 400w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_26_04_08_1200x150-768x96.jpg 768w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_26_04_08_1200x150-100x13.jpg 100w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_26_04_08_1200x150-480x60.jpg 480w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_26_04_08_1200x150-640x80.jpg 640w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_26_04_08_1200x150-720x90.jpg 720w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_26_04_08_1200x150-960x120.jpg 960w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_26_04_08_1200x150-1168x146.jpg 1168w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_26_04_08_1200x150-18x2.jpg 18w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_26_04_08_1200x150-600x75.jpg 600w\" sizes=\"(max-width: 1200px) 100vw, 1200px\" width=\"1200\" height=\"150\"  style=\" max-width: 100%; height: auto;\" \/><\/a><\/div><\/div>\n\n\n\n<p>Hana bezog eine respektable Arbeitsgeschwindigkeit, weil die Daten damals nicht auf langsamen Festplatten (Harddisks), sondern im Hauptspeicher (Memory) des Servers abgelegt wurden. Das erforderte hohe Investitionen in den Serverspeicher, erm\u00f6glichte aber ein ERP-System, das nahezu in Echtzeit auf Anwenderfragen antworten konnte. Mittlerweile hat sich die Computertechnik rasant weiterentwickelt, sodass der Geschwindigkeitsvorsprung von SAP Hana sich gegen\u00fcber den Mitbewerbsprodukten von Oracle, IBM und Microsoft marginalisiert hat. WiWo-Redakteur Michael Kroker fragte in seinem Exklusivinterview nach: Wieso ist das nicht gelungen? Plattner: \u201eIch wei\u00df es ehrlich gesagt nicht. Weil der Preis f\u00fcr Hana zu hoch war? Damals wollte SAP auf Hana keinen Rabatt geben. Immerhin ist Hana jetzt Basis aller SAP-Produkte und sehr erfolgreich, aber es hat sich als unabh\u00e4ngige Datenbank nicht so durchgesetzt, wie ich das erwartet habe.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Das Versagen der Datenbank Hana l\u00e4sst sich marktpolitisch und technisch erkl\u00e4ren. Der hohe Lizenzpreis von Hana, wie Hasso Plattner in dem WiWo-Interview vermutete, erscheint hingegen nirgends als Hemmfaktor. Vielmehr l\u00e4sst sich das Scheitern von Hana anhand eines \u00f6ffentlichen Streits zwischen Harvard-Professor Clayton M. Christensen und Professor Hasso Plattner, ausgetragen am 4. Juni 2014 auf der B\u00fchne der SAP-Hausmesse Sapphire Orlando, erkl\u00e4ren. Plattner verteidigte Hana als disruptive Innovation. Er sah seine Datenbank als Sternstunde der Informatik.<\/p>\n\n\n\n<p>Professor Clayton M. Christensen von der Harvard Business School ist Autor der Management-Bibel \u201eThe Innovator\u2019s Dilemma\u201c. Mit zahlreichen Beispielen veranschaulichte Christensen in seinem erfolgreichen Buch die Schwierigkeit von Konzernen, mit neuen Ideen und jungen Firmen mitzuhalten. Das lesenswerte Buch gipfelt in einem Merksatz: Wenn ein Unternehmen versucht, eine disruptive Technologie so weit zu entwickeln, dass sie den Anforderungen der Kunden in etablierten M\u00e4rkten entspricht \u2012 was die meisten f\u00fchrenden Unternehmen tun \u2012, ist ihr Scheitern so gut wie sicher.\u201c<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Plattner und Christensen 2014<\/h2>\n\n\n\n<p>Auf der Sapphire-B\u00fchne 2014 versuchte Christensen seinem Kollegen Professor Hasso Plattner klarzumachen, dass die SAP-Datenbank wahrscheinlich eine hochwertige Produktidee ist und vielen SAP-Bestandskunden helfen wird, dass aber der Ansatz, hier handelt es sich um eine disruptive Innovation, wahrscheinlich f\u00fcr SAP kontraproduktiv ist. Der Merksatz von Christensen l\u00e4sst sich auch so lesen: Wenn SAP versucht, eine m\u00f6glicherweise disruptive Technologie wie die Datenbank Hana so weit zu entwickeln, dass sie den Anforderungen der SAP-Bestandskunden in etablierten M\u00e4rkten entspricht \u2012 was SAP offensichtlich nun plant \u2012, ist das Scheitern von SAP so gut wie sicher.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1200\" height=\"800\" src=\"https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/clayton_christensen-1200x800.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-142592\" srcset=\"https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/clayton_christensen-1200x800.jpg 1200w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/clayton_christensen-400x267.jpg 400w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/clayton_christensen-768x512.jpg 768w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/clayton_christensen-100x67.jpg 100w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/clayton_christensen-480x320.jpg 480w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/clayton_christensen-640x427.jpg 640w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/clayton_christensen-720x480.jpg 720w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/clayton_christensen-960x640.jpg 960w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/clayton_christensen-1168x779.jpg 1168w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/clayton_christensen-1440x960.jpg 1440w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/clayton_christensen-scaled.jpg 1620w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/clayton_christensen-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/clayton_christensen-18x12.jpg 18w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/clayton_christensen-600x400.jpg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 1200px) 100vw, 1200px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\"><em>Auf Einladung von SAP stand Harvard-Professor Clayton M. Christensen 2014 auf der SAP-Sapphire-B\u00fchne in Orlando und predigte seinen Merksatz \u00fcber das Innovator\u2019s Dilemma. In diesem Dilemma war nun Hasso Plattner mit seiner SAP gefangen. Bis heute gibt es keine Exit-Strategie.<\/em><\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Die beiden Professoren konnten sich auf der offenen Sapphire-B\u00fchne nicht einigen. Plattner wollte die Anerkennung als disruptiver Informatiker mit der vermeintlichen Innovation Hana, w\u00e4hrend Christensen ruhig und konsequent bei seiner Lehrmeinung blieb. Man trennte sich ohne Kompromiss und Hana erblickte nie das Licht einer freien und offenen Informatikszene. Hana wurde zum Tr\u00e4ger der n\u00e4chsten SAP\u2019schen ERP-Generation S\/4 und wird weiterhin in dieser Nische verharren. Ein Relaunch von Hana erscheint aussichtslos.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch in der aktuellen Hana 2.0 Revision 77 stecken gravierende Fehler und es gibt noch keine Updates und Software-Fixes. Viele Hana-Baustellen ignoriert SAP und ist damit im eigenen System gefangen. Statt betriebswirtschaftlicher L\u00f6sungskompetenz ersch\u00f6pft man sich im technischen Reparaturdienstverhalten. SAP-Chef Christian Klein behauptete, dass er nur Gutes und Sch\u00f6nes \u00fcber Hana von seinen Bestandskunden h\u00f6rt. Die SAP-Basis-Mannschaften der Bestandskunden haben jedoch keinen \u00dcberblick mehr \u00fcber die zahlreichen Hana-Fixes und -Updates, die w\u00f6chentlich von SAP ausgespielt werden. Hana leidet noch immer unter Data Inconsistency mit den Versionen SPS-6 Revision 60, 61 und 62 \u2013 davor warnt auch SAP mit den einschl\u00e4gigen SAP Notes. Zugegeben, es ist sehr technisch.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Neue Datenbank f\u00fcr S\/4<\/h2>\n\n\n\n<p>Es ist keine triviale Aufgabe f\u00fcr ein komplexes ERP-System wie R\/3, ECC 6.0 oder S\/4, eine agile, stabile und funktionierende Datenbank zu entwickeln. Einige Mitglieder der SAP-Community werden sich vielleicht noch an das Microsoft-Desaster mit der Datenbank SQL-Server Version 7 erinnern. Tag und Nacht wurde damals in Walldorf (SAP) und Seattle (Microsoft) gearbeitet, weil die Datenbank massive Fehler aufwies und SAP-Bestandskunden in ihrem Gesch\u00e4ft gef\u00e4hrdete. Mittlerweile hat der Microsoft-SQL-Server einen Reifegrad erfahren, sodass diese Datenbank auch in High-Availability-Szenarien (Hochverf\u00fcgbarkeit) eingesetzt werden kann. Dieser Reifegrad entstand aber nicht \u00fcber Nacht und Hana ist dementsprechend viel zu jung, um an die Qualit\u00e4t von Oracle, IBM und Microsoft heranzureichen. Eines Tages wird es so weit sein, aber es braucht Zeit und bis dahin ist Reparaturdienstverhalten angesagt.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1200\" height=\"800\" src=\"https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/plattner2christensen2-1200x800.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-142596\" srcset=\"https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/plattner2christensen2-1200x800.jpg 1200w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/plattner2christensen2-400x267.jpg 400w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/plattner2christensen2-768x512.jpg 768w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/plattner2christensen2-100x67.jpg 100w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/plattner2christensen2-480x320.jpg 480w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/plattner2christensen2-640x427.jpg 640w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/plattner2christensen2-720x480.jpg 720w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/plattner2christensen2-960x640.jpg 960w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/plattner2christensen2-1168x779.jpg 1168w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/plattner2christensen2-1440x960.jpg 1440w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/plattner2christensen2-scaled.jpg 1620w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/plattner2christensen2-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/plattner2christensen2-18x12.jpg 18w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/plattner2christensen2-600x400.jpg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 1200px) 100vw, 1200px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\"><em>Professor Hasso Plattner k\u00e4mpfte auf der SAP-Sapphire-B\u00fchne in Orlando 2014 um sein abschlie\u00dfendes Lebenswerk: Die Datenbank Hana sollte noch einmal eine gro\u00dfe disruptive Innovation werden. Was f\u00fcr SAP-Bestandskunden kaum einen Mehrwert hat, bringt aber SAP selbst viel Umsatz.<\/em><\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Die vielleicht merkw\u00fcrdigste Anekdote in der kurzen Hana-Historie seit 2011 ist der \u00fcberraschende Abgang von SAP-Technikvorstand Vishal Sikka im Jahr 2014. Sikka war nach SAP-Technikvorstand Shai Agassi der zweite \u201eZiehsohn\u201c von Plattner im SAP-Vorstand. Die wahren Gr\u00fcnde f\u00fcr das Ausscheiden von Vishal Sikka liegen aber bis heute im Dunkeln. Viele Insider vermuten, dass es an der finalen Positionierung von Hana gelegen ist. Offensichtlich wollte Vishal Sikka eine Public-Domain-Version von Hana auf den Markt bringen, um damit die Datenbank auch in Non-SAP-Bereichen positionieren zu k\u00f6nnen. Ob nun Hasso Plattner oder das SAP-Management dagegen war, ist nicht bekannt. Tatsache ist jedoch: H\u00e4tte SAP die eigene Datenbank \u00e4hnlich wie das darunterliegende Betriebssystem Linux vermarktet, dann h\u00e4tte SAP auf viele Millionen Euro an Lizenzeinnahmen verzichten m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch wenn Hana bis jetzt nur wenige Informatiker begeistern konnte, viele CFOs der SAP-Bestandskunden aufgrund der doppelten DB-Lizenzgeb\u00fchren zur Verzweiflung treibt, so ist es dennoch f\u00fcr SAP selbst ein durchschlagender kommerzieller und strategischer Erfolg. Nun muss sich SAP die ERP-Community nicht mehr mit Oracle, IBM und Microsoft teilen. Der ganze ERP-Stack ist in der Hand von SAP. Das finale Vendor-Lock-in hat mit Hana und S\/4 seinen kr\u00f6nenden Abschluss gefeiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Hana ist eine gute SQL-Datenbank, die aufgrund einer In-memory-Computing-<br>Technik ausgew\u00e4hlte Antworten in Echtzeit liefern kann. Hana ist 15 Jahre jung und mittlerweile haben andere Datenbankanbieter technisch gleichgezogen. Der Realtime-Vorsprung von Hana ist verspielt. Was nun? In einer Spiegel-Reportage zum Ausscheiden von Hasso Plattner aus dem SAP-Aufsichtsrat von Tim Bartz und Christian Bergmann hei\u00dft es zu Beginn: \u201eDas Werk des Milliard\u00e4rs ist historisch. Sein Erbe m\u00f6glicherweise toxisch. Gr\u00fcnder Hasso Plattner verl\u00e4sst nach mehr als 50 Jahren den Softwarekonzern SAP \u2013 Deutschlands einzigen Technologieriesen von Weltrang. Doch was wird aus dem Riesen ohne seinen schillernden Gr\u00fcnder?\u201c<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Intellectual Property<\/h2>\n\n\n\n<p>Mehrere Fragezeichen schweben \u00fcber der Datenbank Hana, die immer mehr zur Belastung f\u00fcr den ERP-Konzern wird: Es gibt einen Copyright- und Intellectual-Property-Streit mit Teradata in den USA; es gibt den Unmut der SAP-Bestandskunden bez\u00fcglich doppelter Lizenzzahlungen; und es gibt die hohen Hana-Geb\u00fchren bei der Entwicklung preiswerter Apps auf der BTP (SAP Business Technology Platform). Ob SAP die Bestandskunden mit der ERP-Datenbank Hana t\u00e4uschen wollte, das wird wohl nie beantwortet werden. Tatsache ist jedoch, dass SAP mit Hana viele Lizenzgeb\u00fchren einnimmt und die meisten SAP-Bestandskunden \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum doppelte DB-Geb\u00fchren zahlen m\u00fcssen, ohne einen doppelten Nutzen daraus ziehen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei zur\u00fcckliegenden SAP-Releasewechseln konnten die Bestandskunden ihre Datenbank jeweils behalten. In vielen F\u00e4llen war lediglich ein Versionswechsel auf ERP-Ebene notwendig. Die Datenbank konnte fr\u00fcher oder auch sp\u00e4ter auf einen neuen Stand gebracht werden. Mit dem \u00dcbergang zu SAP S\/4 m\u00fcssen die Bestandskunden auch die Hana-Datenbank nutzen \u2013 die disruptive Innovation!<\/p>\n\n\n\n<p>Zum ERP-Releasewechsel kommt nun auch ein Datenbankwechsel, was nicht nur die SAP-Basis-Mannschaft in doppelter Weise herausfordert. Auch der CFO muss tief in die Tasche greifen, denn w\u00e4hrend der gesamten Umstellungszeit sind sowohl Datenbankgeb\u00fchren f\u00fcr das vorangegangene ERP mit AnyDB (Oracle, Microsoft oder IBM) als auch Hana zu entrichten. Auch wenn eine S\/4-Conversion technisch innerhalb weniger Wochen durchf\u00fchrbar ist, so kann der gesamte ERP-Releasewechsel auch mehrere Jahre dauern. In der Zeit der S\/4-Conversion muss der SAP-Bestandskunde sein altes ERP-System (meistens SAP Business Suite 7 mit AnyDB) als auch S\/4 Hana betreiben und bezahlen. Aus den doppelt zu entrichtenden DB-Geb\u00fchren ergibt sich jedoch betriebswirtschaftlich kein Vorteil.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Junktimierung: Hana und S\/4<\/h2>\n\n\n\n<p>Letztendlich ist die disruptive Innovation von Hasso Plattner eine unheilvolle Kombination von ERP und Datenbank. Die sogenannte Junktimierung ist eine juristische Technik bei Verhandlungen \u00fcber Vertr\u00e4ge oder Gesetzen. Fakt ist: Ohne das eine geht das ganze andere nicht. Wer S\/4 w\u00e4hlt, muss auch Linux als Betriebssystem und Hana als Datenbank anerkennen. SAP zieht daraus doppelten Nutzen: Zus\u00e4tzlich zu den S\/4-Lizenzeinnahmen ergeben sich nun auch Geb\u00fchren f\u00fcr Hana und der Support wird f\u00fcr SAP wesentlich einfacher. Nun m\u00fcssen nicht mannigfaltige Kombinationen aus unterschiedlichen Betriebssystemen, Datenbanken und ERP-Versionen serviciert werden, sondern lediglich die stringente IT-Architektur aus Linux, Hana und S\/4.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1200\" height=\"1055\" src=\"https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/platzgummer_apr16_dltz_cmyk-1200x1055.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-142594\" srcset=\"https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/platzgummer_apr16_dltz_cmyk-1200x1055.jpg 1200w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/platzgummer_apr16_dltz_cmyk-400x352.jpg 400w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/platzgummer_apr16_dltz_cmyk-768x675.jpg 768w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/platzgummer_apr16_dltz_cmyk-100x88.jpg 100w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/platzgummer_apr16_dltz_cmyk-480x422.jpg 480w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/platzgummer_apr16_dltz_cmyk-640x563.jpg 640w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/platzgummer_apr16_dltz_cmyk-720x633.jpg 720w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/platzgummer_apr16_dltz_cmyk-960x844.jpg 960w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/platzgummer_apr16_dltz_cmyk-1168x1027.jpg 1168w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/platzgummer_apr16_dltz_cmyk-scaled.jpg 1228w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/platzgummer_apr16_dltz_cmyk-14x12.jpg 14w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/platzgummer_apr16_dltz_cmyk-600x528.jpg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 1200px) 100vw, 1200px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\"><em>Hasso Plattner ist voller Widerspr\u00fcche und mitunter launenhaft, aber vision\u00e4r wie kein anderer:<br>Er sah viele IT-Entwicklungen fr\u00fch voraus und f\u00fchrte damit seine SAP zum ERP-Weltmarktf\u00fchrer.<\/em><\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Aktuell verdient SAP mit Hana viel Geld, ob in Zukunft die Rechnung aufgeht, das ist noch nicht ausgemacht. Auf der SAP Business Technology Platform gibt es mit CAP und RAP sehr interessante Entwicklungskonzepte f\u00fcr Fiori-Apps. Naheliegend ist in vielen F\u00e4llen die Nutzung der Datenbank Hana f\u00fcr diese Anwendungen, was aber weitere und zum Teil sehr hohe DB-Geb\u00fchren nach sich zieht. Eine preiswerte Low-Code-App-Entwicklung wird pl\u00f6tzlich durch die hohen Hana-Lizenzgeb\u00fchren unwirtschaftlich. Kurzfristig verdient SAP sehr gut (siehe auch Aktienkurs), aber langfristig k\u00f6nnten Hana und S\/4 viele SAP-Bestandskunden zum Umdenken motivieren (siehe Merksatz von Professor Clayton M. Christensen).<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Reset bei SAP-CEO Christian Klein<\/h2>\n\n\n\n<p>In einer umfangreichen Reportage hat das deutsche Manager Magazin die desolate Lage von SAP auf den Punkt gebracht: Der Abgang von Professor Hasso Plattner zwingt SAP-Chef Christian Klein zum Reset. Vor einem Jahr schien die SAP-Zukunft noch rosig: Mit dem damals designierten Aufsichtsratsvorsitzenden Punit Renjen h\u00e4tte Christian Klein einen Mentor f\u00fcr die erfolgreiche Zukunft von SAP bekommen. Plattner geht und SAP verliert an Relevanz: Gibt es hier einen Zusammenhang?<\/p>\n\n\n\n<p>Weil Professor Plattner mehr auf seine Freunde, Kollegen und Seilschaften h\u00f6rte, wurde Anfang dieses Jahres der designierte Plattner-Nachfolger demontiert. F\u00fcr viele SAP-Executives und -Aufsichtsr\u00e4te w\u00e4re ein aktivistischer Vorsitzender eine Gefahr f\u00fcr die eigene Karriere geworden. Punit Renjen h\u00e4tte viel Aufsicht geleistet und noch mehr Rat gegeben. Er w\u00e4re ein hervorragender SAP-Aufsichtsrats-vorsitzender geworden, wie auch Professor Hasso Plattner noch vor einem Jahr mehrfach betonte.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"719\" height=\"1080\" src=\"https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/SAP_CeBIT_2011_Impressions_008-1018x1530.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-142595\" style=\"width:500px\" srcset=\"https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/SAP_CeBIT_2011_Impressions_008-1200x1803.jpg 719w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/SAP_CeBIT_2011_Impressions_008-266x400.jpg 266w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/SAP_CeBIT_2011_Impressions_008-100x150.jpg 100w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/SAP_CeBIT_2011_Impressions_008-480x721.jpg 480w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/SAP_CeBIT_2011_Impressions_008-640x962.jpg 640w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/SAP_CeBIT_2011_Impressions_008-8x12.jpg 8w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/SAP_CeBIT_2011_Impressions_008-600x902.jpg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 719px) 100vw, 719px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\"><em>Ob als SAP-Vorstandsmitglied oder im Aufsichtsrat \u2013 Hasso Plattner hat immer entgegen jeder Compliance die Richtung vorgegeben.<\/em><\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Der kommende Plattner-Nachfolger und SAP-Aufsichtsratsvorsitzende ist eine Lame Duck, sodass SAP-CEO Christian Klein schalten und walten kann, wie er will. Dieses Alleinstellungsmerkmal nutzt Klein f\u00fcr einen Reset, wie das deutsche Manager Magazin sehr ausf\u00fchrlich darlegt. Es ist pure Verzweiflung. Plattner sagte in dem WiWo-Exklusivinterview: \u201eMein Nachfolger Pekka Ala-Pietil\u00e4 ist ja ein Hase, den wir aus dem Hut gezogen haben. Ich kenne ihn lange und bin mir mit ihm sehr einig. Ich bin mir auch sicher, dass nicht das Gleiche passiert wie zuvor.\u201c Auf Plattner folgt somit f\u00fcr zwei Jahre nicht Punit Renjen, sondern Pekka Ala-Pietil\u00e4.<\/p>\n\n\n\n<p>Trotz aller Kritik an SAP geht mehr als die H\u00e4lfte der Mitglieder der Deutschsprachigen SAP-Anwendergruppe (DSAG) davon aus, dass die Relevanz des Softwareherstellers f\u00fcr die Zukunft ihres Unternehmens gleich bleibt. \u201eEs ist sicherlich auch dem geschuldet, dass der Softwarehersteller \u00fcber die vergangenen Jahrzehnte hinweg die Systemlandschaften der Unternehmen stark durchdrungen hat. Eine Abl\u00f6sung bestehender SAP-Systeme ist in vielen Unternehmen allein vom damit verbundenen Aufwand her kaum denkbar\u201c, lautet das Fazit des DSAG-Vorstandsvorsitzenden Jens Hungershausen. Der Industrieverband sieht jedoch deutliches Ausbaupotenzial bei SAP, was die Unterst\u00fctzung der Unternehmen bei ihren Transformationsprojekten anbelangt.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Punit Renjen vs. Pekka Ala-Pietil\u00e4<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Transformation, Konsolidierung und Orchestrierung sind SAP-CEO Christian Klein missgl\u00fcckt. Mit dem Ausscheiden von Professor Hasso Plattner und der Demontage von Punit Renjen als Aufsichtsratsvorsitzenden verliert Klein alle m\u00f6glichen Mentoren. Sein eigener Vorstand ist zu heterogen und unerfahren, um den CEO zu unterst\u00fctzen \u2013 hier ist jeder rund um die Uhr mit sich selbst besch\u00e4ftigt. Christian Klein allein zu Hause dr\u00fcckt auf den Reset-Knopf.<\/p>\n\n\n\n<p>Plattners Erfindung Hana war nicht seine erste In-memory-Computing-Datenbank. Aber auch der zweite Versuch ist mehr eine technische Kuriosit\u00e4t als ein brauchbares ERP-Werkzeug. Zumindest bringt er SAP im S\/4-Conversion-Zeitalter viel Umsatz. Die Zukunft erscheint jedoch nicht rosig. Der gr\u00f6\u00dfte Feind von Hana sind die SAP Business Technology Platform, SAP Datasphere und naturgem\u00e4\u00df Open Source. SAP setzte gro\u00dfe Hoffnung in Hana. Nach mehr als zehn Jahren In-memory-Computing-Datenbank ergibt sich eine traurige Bilanz. Hana ist kein Universalgenie, auch kein Alleinstellungsmerkmal und auch keine disruptive Innovation, denn alternatives Datenmanagement gewinnt an Bedeutung. Es beginnt die Zeit der Neuorientierung und Alternativen.<\/p>\n\n\n\n<p>Am Hasso-Plattner-Institut an der Universit\u00e4t Potsdam machte sich Professor Plattner einst gemeinsam mit seinen Studenten tiefere Gedanken, wie ein zuk\u00fcnftiges ERP beschaffen sein k\u00f6nnte. Ein zentraler Gedanke war ein neues Antwortzeitverhalten in Echtzeit, also ein ERP-System, das den Anwender nicht warten l\u00e4sst. Und Hasso Plattner verfiel auf den Trick mit der In-memory-Computing-Datenbank. Die neue Datenbank musste universell f\u00fcr alle SAP-Module und -Systeme nutzbar sein und immer in Echtzeit die Antworten liefern k\u00f6nnen. Am Hasso-Plattner-Institut wurde eine SQL-In-memory-Computing-Datenbank entwickelt.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1104\" height=\"1080\" src=\"https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/platzgummer_feb11_dltz_cmyk-1200x1174.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-142599\" style=\"width:700px\" srcset=\"https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/platzgummer_feb11_dltz_cmyk.jpg 1104w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/platzgummer_feb11_dltz_cmyk-400x391.jpg 400w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/platzgummer_feb11_dltz_cmyk-768x751.jpg 768w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/platzgummer_feb11_dltz_cmyk-100x98.jpg 100w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/platzgummer_feb11_dltz_cmyk-480x470.jpg 480w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/platzgummer_feb11_dltz_cmyk-640x626.jpg 640w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/platzgummer_feb11_dltz_cmyk-720x704.jpg 720w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/platzgummer_feb11_dltz_cmyk-960x939.jpg 960w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/platzgummer_feb11_dltz_cmyk-12x12.jpg 12w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/platzgummer_feb11_dltz_cmyk-1200x1174.jpg 1200w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/platzgummer_feb11_dltz_cmyk-600x587.jpg 600w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/platzgummer_feb11_dltz_cmyk-24x24.jpg 24w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/platzgummer_feb11_dltz_cmyk-48x48.jpg 48w\" sizes=\"auto, (max-width: 1104px) 100vw, 1104px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\"><br><em>Wer hat es erfunden? Nicht das Schweizer Kr\u00e4uterzuckerl Ricola, sondern die In-memory-Computing-Datenbank Hana. Plattner beansprucht die disruptive Innovation f\u00fcr sich.<\/em><\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Es war ein genialer Schachzug von SAP, f\u00fcr den ECC-Nachfolger S\/4 mit dem Open-Source-Betriebssystem Linux nur noch Hana als Datenbank anzubieten. Mit SAP R\/3 und der Business Suite 7 (ERP\/ECC 6.0) machte nicht nur SAP selbst hervorragende Gesch\u00e4fte, sondern naturgem\u00e4\u00df auch die Betriebssystem- und Datenbankanbieter. Besonders Oracle und IBM freuten sich \u00fcber hohe Datenbankums\u00e4tze ohne nennenswerten Vertriebsaufwand. Schon vor \u00fcber 20 Jahren sagte Hasso Plattner auf einer CeBIT-Pressekonferenz, dass er die gesamte Wertsch\u00f6pfungskette \u2013 vom Desktop bis zum Server \u2013 im Fokus hat. Das Ergebnis ist nun nach vielen Jahren erkennbar: Von Fiori \u00fcber Linux und Hana bis zu S\/4 und der IT-Plattform SAP BTP ist der Machtanspruch l\u00fcckenlos. Oder?<\/p>\n\n\n\n<p>In der aktuellen \u00dcbergangsphase von ECC mit AnyDB zu S\/4 und Hana only macht SAP sehr guten Gewinn, weil viele Bestandskunden \u00fcber Jahre hinweg sowohl ihre Microsoft-, IBM- und Oracle-<br>Datenbanken betreiben m\u00fcssen, wo auch SAP kr\u00e4ftig mitverdient, als auch schon f\u00fcr Hana entsprechende Lizenzen abf\u00fchren m\u00fcssen. Aktuell zahlen viele SAP-Bestandskunden doppelte Datenbankgeb\u00fchren.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Versprechen eines ERP-Echtzeitsystems kann Hana naturgem\u00e4\u00df nicht einl\u00f6sen. Wer es sich leisten kann, der hat nun alle seine Daten im Hauptspeicher des S\/4-Servers, was analytische Abfragen sensationell beschleunigt. Jede Datawarehouse-L\u00f6sung profitiert von Hana in noch nie da gewesener Weise. Die SAP-Anwender jubeln! Aber ebenso viele ERP-Funktionen sind unabh\u00e4ngig von einer theoretischen Datenbankgeschwindigkeit. Andere Faktoren bestimmen das Antwortzeitverhalten, sodass die sehr teure Datenhaltung mittels Hana im S\/4-Hauptspeicher keinen Nutzen bringt. Die SAP-Bestandskunden zahlen f\u00fcr teure Hana-Lizenzen ohne einen erkennbaren Gegenwert. Das Innovator\u2019s Dilemma hat bei SAP voll zugeschlagen!<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Relevanz von SAP<\/h2>\n\n\n\n<p>In einem Webinar von PAC, den franz\u00f6sischen IT-Marktforschern mit B\u00fcro in M\u00fcnchen und exklusiven SAP-Kenntnissen, stellte ein Zuh\u00f6rer die Frage: Wie ber\u00fccksichtigt SAP den IT-Trend zu Compos-<br>able Architecture und wie will SAP bei diesem Markttrend relevant bleiben? Ob SAP in einem Markt, den Professor August-Wilhelm Scheer mit dem Buch \u201eComposable Enterprise\u201c adressiert, noch relevant ist und bleibt, w\u00e4re vor wenigen Jahren als Blasphemie und Majest\u00e4tsbeleidigung empfunden worden. Aktuell stellt sich die Frage: Verschl\u00e4ft SAP nach dem Internet (um die Jahrtausendwende), nach KI (siehe das ph\u00e4nomenale Scheitern des SAP\u2019schen Leonardo-Programms vor wenigen Jahren) nun auch den Megatrend Composable Enterprise? Bereits im Dezember 2021 schrieb die E3-Redaktion gemeinsam mit einem Executive von Oracle die <a href=\"https:\/\/e3mag.com\/pdfs\/2112-coverstory\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Coverstory \u201eComposability\u201c<\/a>. SAP reagierte darauf nicht, sondern ignorierte das Thema bis Ende 2023. Dann kam Professor Scheer mit dem Buch: \u201eComposable Enterprise: agil, flexibel, innovativ \u2013 Gamechanger f\u00fcr Organisation, Digitalisierung und Unternehmenssoftware\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Ob nun das Verm\u00e4chtnis von Professor Hasso Plattner ein Gamechanger, eine disruptive Innovation oder nur das Innovator\u2019s Dilemma ist, werden die kommenden Monate zeigen. Sein Platz im Aufsichtsrat bleibt leer, auch wenn es einen formalen Nachfolger gibt. Es war von Beginn an vorhersehbar, dass niemand Plattner wird ersetzen k\u00f6nnen, aber ein w\u00fcrdiger Nachfolger schaut anders aus. Somit bleibt es SAP-Chef Christian Klein allein vorbehalten, die Zukunft von SAP mit einem Reset zum Erfolg zu f\u00fchren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Professor Hasso Plattner hat den Aufsichtsratsvorsitz zur\u00fcckgelegt und damit eine Zeitenwende eingeleitet. 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