{"id":120013,"date":"2022-12-22T08:00:00","date_gmt":"2022-12-22T07:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/e3mag.com\/?p=120013"},"modified":"2024-01-19T12:49:56","modified_gmt":"2024-01-19T11:49:56","slug":"headless-aber-nicht-kopflos","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/e3mag.com\/de\/headless-aber-nicht-kopflos\/","title":{"rendered":"Headless, aber nicht kopflos"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Konfigurierbare Produkte mit SAP Commerce und SAP Spartacus<\/h2>\n\n\n\n<p>Um der Heterogenit\u00e4t der Vertriebsanforderungen gerecht zu werden, ist SAP Commerce durch modulare Erweiterungspakete entsprechend den individuellen Anforderungen adaptierbar. Die Erweiterung Configurator Complex Products (CCP) erm\u00f6glicht die Verwaltung konfigurierbarer, komplexer Produkte und realisiert die Integration mit SAP Variant Configuration and Pricing Services (h\u00e4ufig mit CPS abgek\u00fcrzt), die f\u00fcr die Umsetzung der Konfigurationslogik verantwortlich sind. Eine geeignete Abstraktion erm\u00f6glicht auch die Einbindung nicht SAP-nativer Konfigurationsumgebungen, zum Beispiel historisch gewachsener Legacy-Konfiguratoren.<\/p>\n\n\n\n<p>Neben der funktionalen, logischen Umsetzung der Individualisierbarkeit konfigurierbarer Produkte liefert CCP eine rudiment\u00e4re Storefront zur Anzeige und Interaktion der Produkte im Produktkatalog des Commerce-Systems. Durch die durchg\u00e4ngige Abbildung der Produktstrukturen \u2013 von Konfigurations-Engine bis Produktkatalog am zentralen Point of Sale (PoS) \u2013 wird ein durchg\u00e4ngiges Kundenerlebnis gestaltet und die Automatisierung der unternehmensinternen Produktionsprozesse auf Basis der zentral verwalteten Produktdaten erm\u00f6glicht.<\/p><div class=\"great-fullsize-content-de\" style=\"float: left;\" id=\"great-2614252415\"><div id=\"great-1965100691\" style=\"margin-bottom: 20px;\"><a data-no-instant=\"1\" href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=6yfv7eho3Gc\" rel=\"noopener\" class=\"a2t-link\" target=\"_blank\" aria-label=\"Fullsize\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_26_04_08_1200x150.jpg\" alt=\"Fullsize\"  srcset=\"https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_26_04_08_1200x150.jpg 1200w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_26_04_08_1200x150-400x50.jpg 400w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_26_04_08_1200x150-768x96.jpg 768w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_26_04_08_1200x150-100x13.jpg 100w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_26_04_08_1200x150-480x60.jpg 480w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_26_04_08_1200x150-640x80.jpg 640w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_26_04_08_1200x150-720x90.jpg 720w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_26_04_08_1200x150-960x120.jpg 960w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_26_04_08_1200x150-1168x146.jpg 1168w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_26_04_08_1200x150-18x2.jpg 18w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_26_04_08_1200x150-600x75.jpg 600w\" sizes=\"(max-width: 1200px) 100vw, 1200px\" width=\"1200\" height=\"150\"  style=\" max-width: 100%; height: auto;\" \/><\/a><\/div><\/div>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">SAP Spartacus<\/h3>\n\n\n\n<p>SAP Spartacus ist ein unter der Apache License 2.0 lizenziertes Open-Source-Projekt, das prim\u00e4r vom SAP-Commerce-Cloud-Team verwaltet und weiterentwickelt wird. Basierend auf dem Angular-Framework implementiert Spartacus eine Headless UI, die sich als Storefront out of the box mit dem SAP-Commerce-System integriert. Der Begriff Headless bedeutet in diesem Kontext, dass SAP Commerce und SAP Spartacus eigenst\u00e4ndige, autarke Applikationen sind, wobei die Verantwortung f\u00fcr die Auslieferung von Inhalten dem SAP-Commerce-System obliegt, w\u00e4hrend die Spartacus-Storefront Design und Interaktion umsetzt.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Gegensatz zu herk\u00f6mmlichen Storefronts, bei denen es sich meist um Java Server Pages (JSP) handelt, entkoppelt die Single Page Application (SPA) das Frontend vom Backend. Dadurch k\u00f6nnen Entwicklungszyklen unabh\u00e4ngig voneinander gemanagt und durchgef\u00fchrt sowie die Codebasis voneinander getrennt werden. Die Kommunikation zwischen den Applikationen geschieht dabei ausschlie\u00dflich \u00fcber webbasierte APIs. Im Standard liefert Spartacus alle erwarteten Funktionen eines E-Shops aus, zu denen unter anderem die Homepage, die Produktdetailseite, der Warenkorb und der Check-out z\u00e4hlen.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p>Zu Beginn der Entwicklung einer Konfigurator-Storefront steht die Wahl der geeigneten Technologie. Um Transparenz in den Entscheidungsgrundlagen f\u00fcr eine Technologie zur Umsetzung der individuellen Storefront zu schaffen, hilft eine Gegen\u00fcberstellung der Entscheidungsalternativen. Klassische Accelerator Storefronts sind in aktuellen Releases von SAP Commerce als veraltet annotiert und sollen im Q2 2024 vollst\u00e4ndig aus dem System entfernt werden. SAP begr\u00fcndet die Entscheidung mit den Vorteilen der Entkopplung von Front- und Backend. Durch diese Entscheidung seitens SAP stellt die Neu-Entwicklung einer traditionellen Accelerator Storefront aus heutiger Sicht keine Option mehr dar.<\/p>\n\n\n\n<p>Als verbleibende Alternativen stehen sich die individuelle Entwicklung einer eigenen Storefront von Grund auf sowie die Verwendung der vorgefertigten Funktionalit\u00e4ten des Spartacus-Frameworks gegen\u00fcber.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Spartacus bietet out of the box eine lauff\u00e4hige Storefront, deren Individualisierbarkeit auf den Konzepten der Konfigurier- und Anpassbarkeit basiert. Konfigurationen ver\u00e4ndern das Verhalten des Spartacus, zum Beispiel die zu verbindende Backend-Adresse, Authentifizierung und Layout. Zugunsten der Anpassbarkeit ist die Codebasis des Spartacus au\u00dferdem explizit auf die Wiederverwendung und Anpassung der Codeelemente auf der Grundlage der Dependency-Injection-Konzepte des SPA-Frameworks Angular ausgelegt. Durch die Implementierung des Spartacus-Projekts durch SAP Commerce Cloud profitieren Entwicklungsprojekte auf Basis von Spartacus von der tiefgreifenden fachlichen Expertise im Commerce-Umfeld.<\/p>\n\n\n\n<p>Zus\u00e4tzlich implementiert Spartacus ein skalierbares Frontend State Management. Die Eigenentwicklung dieser grundlegenden Komponenten in einem Individualprojekt verz\u00f6gert das Ausrollen der ersten vollst\u00e4ndig lauff\u00e4higen Storefront und erh\u00f6ht den Aufwand zur Wartung und Weiterentwicklung merkbar. Klassische Qualit\u00e4tskriterien der Softwareentwicklung liegen damit au\u00dferdem im Verantwortungsbereich des Entwicklungsteams. Auf der anderen Seite ist das Entwicklerteam im Individualprojekt technologisch unabh\u00e4ngig und hat die Obhut \u00fcber jede Entscheidung und Implementierung der Logik.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Querschnittliche Konzepte<\/h3>\n\n\n\n<p>Sowohl das SAP-Commerce-System als auch der SAP Spartacus machen sich das Software-Entwurfsmuster Fassade zunutze. Eine Fassade bildet eine Abstraktionsschicht auf einer oder mehreren Datenquellen zur Aufbereitung der Daten zu einem bestimmten Zweck. Der SAP Commerce implementiert im Backend eine rudiment\u00e4re Configuration Facade, um die Konfigurationsdaten zu beziehen, aggregieren und f\u00fcr die Nutzung in einer Konfigurationsstorefront aufzubereiten. Da die rudiment\u00e4ren Funktionalit\u00e4ten nur in den seltensten F\u00e4llen ausreichend f\u00fcr individuelle Konfigurationsanforderungen sind, m\u00fcssen Entwickler in der Lage sein, diese Fassade um spezifische Funktionalit\u00e4ten zu erweitern. Technologische Grundlage f\u00fcr die Entwicklung im SAP Commerce ist das Java-Spring-webmvc-Framework.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p>Auch der SAP Spartacus nutzt im Frontend das Entwurfsmuster Fassade, um die vom Backend bezogenen Daten f\u00fcr die Nutzung im Web-Frontend aufzubereiten. Um diese Funktionalit\u00e4t zu individualisieren, ben\u00f6tigt es Know-how im Umgang mit der Angular Dependency Injection und den damit inh\u00e4renten Injection Tokens. Auf Basis der Injection Tokens k\u00f6nnen Komponenten ausgetauscht und erweitert werden, damit eine individuelle User Experience geschaffen wird. Als weiteres Konzept nutzen sowohl SAP Commerce als auch der SAP Spartacus den sogenannten OCC, Omnichannel-Commerce. OCC verfolgt das Ziel einer nahtlosen Customer Experience \u00fcber alle Touchpoints des Kunden mit dem Unternehmen, unabh\u00e4ngig vom genutzten Kommunikationsmedium. <\/p>\n\n\n\n<p>Technisch betrachtet bedeutet OCC im SAP Commerce die Schnittstelle zur Bereitstellung der in der Fassade aufbereiteten Daten auf Basis von Webservices. Der SAP Spartacus greift dieses Konzept auf und bezieht die Daten in seiner OCC-Schicht, bevor er sie an die Fassade weiterleitet. Sowohl Fassaden als auch OCC sind elementare Grundlagen, um eine robuste, skalierbare und wartbare Storefront entwickeln zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">SAP Commerce Skillset<\/h3>\n\n\n\n<p>Auch die Individualisierbarkeit des SAP-Commerce-Systems basiert auf Konfigurationen und der Erweiterung der vorgefertigten Code-Basis. Zum Zweck der Konfiguration wird das SAP-Commerce-System mit der propriet\u00e4ren ImpEx (Import und Export) Engine ausgeliefert. Durch die tabellenartige Syntax der ImpEx-Scripte lassen sich leicht verst\u00e4ndliche, reproduzierbare Modifikationen am Verhalten des SAP Commerce vornehmen. Beispielhaft seien die Destination und Layout Customizings genannt. Sogenannte \u201eVerwendete Destinationen\u201c (englisch \u201eConsumed Destinations\u201c) erm\u00f6glichen die Integration in weitere Back-end-Systeme. Durch die Anwendung eines entsprechenden ImpEx Scripts kann die verwendete Destination auf die kundenspezifische Engine mit spezifischen Authentifizierungs-Informationen umgelenkt werden. Das Layout kann au\u00dferdem hinsichtlich der im Frontend anzuzeigenden Container angepasst werden, die eine Storefront daraufhin zum Anzeigen entsprechender Inhalte verwendet.<\/p>\n\n\n\n<p>Zur Aufbereitung der Daten verwendet der SAP Commerce die Konzepte Populator und Mapper in Verbindung mit den Fassaden. Ein Populator ist daf\u00fcr zust\u00e4ndig, Daten in ein bestehendes Objekt zu \u00fcberf\u00fchren. Mehrere Populatoren k\u00f6nnen dabei hintereinandergeschaltet werden, um eine ganzheitliche Datentransformation abzubilden. Mapper sind innerhalb von Populatoren f\u00fcr die Generierung eines neuen Datenobjekts aus einem anderen Datentyp verantwortlich. Zusammen bilden Populatoren und Mapper die Datentransformation, die den Input f\u00fcr die Fassade liefert. <\/p>\n\n\n\n<p>Die konsequente Nutzung dieser Art der Datentransformation wirkt sich deutlich positiv auf die Qualit\u00e4tskriterien des geschriebenen Codes aus. Im Zentrum der Spartacus-Storefront steht ihr Konzept zum Datenhandling, bestehend aus der Implementierung des State Management mit NgRx (Redux), der konsequenten Nutzung von Observables sowie der Konzepte Normalisierung und Serialisierung. Die Kombination dieser Bausteine macht die Storefront datenzentriert und reaktiv. Bei NgRx handelt es sich um eine Open-Source-Angular-Implementierung des Redux-Frameworks. Der Zustand der in NgRx gespeicherten Daten wird ausschlie\u00dflich \u00fcber Observables kommuniziert, wodurch die UI stets auf \u00c4nderungen der Daten reagieren kann.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Spartacus Skillset&nbsp;<\/h3>\n\n\n\n<p>Normalisierung bezeichnet den Vorgang der Transformation von Daten aus dem Commerce-Backend in der Spartacus-Fassade, um sie f\u00fcr die Anzeige aufzubereiten. Alle eingehenden Daten werden durch dedizierte Normalizer geleitet. Umgekehrt flie\u00dfen alle durch Nutzerinteraktion modifizierten Daten aus der Spartacus-Fassade in Richtung des Commerce-Backend durch Serializer, die f\u00fcr die \u00dcberf\u00fchrung der Daten zur\u00fcck in das OCC-Modell verantwortlich sind.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Fazit<\/h3>\n\n\n\n<p>CCP und SAP Spartacus bieten out of the box eine lauff\u00e4hige Konfigurationsoberfl\u00e4che, die sich nahtlos mit vorhandenen SAP-Konfiguratoren integriert. Soll eine individuelle Customer Experience mit beiden Systemen abgebildet werden, kommen Unternehmen allerdings nicht um die Adaption der vorhandenen Logik herum. Daf\u00fcr bedarf es Expertise im Backend, sprich Java Spring webmvc, genauso wie im Frontend, sprich Angular. Obgleich die Anzeige der Konfiguratoren adaptiv auf die Daten des Backends reagiert, werden Unternehmen mit der Standardimplementierung in beiden Systemen schnell an ihre Grenzen sto\u00dfen. Die Entwicklung einer eigenen Storefront von Grund auf ist m\u00f6glich, birgt dabei aber ganz andere Risiken. Um die zu beherrschen, bedarf es eines tiefgreifenden Know-how des Entwicklerteams in verschiedenen Bereichen des Softwareengineering.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1000\" height=\"112\" src=\"https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/ci-banner-adesso.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-120018\" srcset=\"https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/ci-banner-adesso.jpg 1000w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/ci-banner-adesso-768x86.jpg 768w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/ci-banner-adesso-100x11.jpg 100w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/ci-banner-adesso-480x54.jpg 480w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/ci-banner-adesso-640x72.jpg 640w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/ci-banner-adesso-720x81.jpg 720w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/ci-banner-adesso-960x108.jpg 960w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><\/figure>\n\n\n\n\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>SAP Commerce ist als E-Commerce-Plattform zentraler Bestandteil der Digitalisierung etlicher produzierender Unternehmen. 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