{"id":119037,"date":"2022-11-10T08:00:00","date_gmt":"2022-11-10T07:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/e3mag.com\/?p=119037"},"modified":"2025-02-05T09:59:45","modified_gmt":"2025-02-05T08:59:45","slug":"environmental-social-und-governance","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/e3mag.com\/de\/environmental-social-und-governance\/","title":{"rendered":"Environmental, Social und Governance"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tu Gutes und rede dar\u00fcber<\/h2>\n\n\n\n<p>Retrograde-Analysen k\u00f6nnen den Aufwand zur Erstellung aussagekr\u00e4ftiger und transparenter Nachhaltigkeitsberichte drastisch reduzieren und somit Entlastung schaffen. Mit Greenwashing bleibt man schmutzig. \u201eTu Gutes und rede dar\u00fcber\u201c \u2013 so der Titel des von Georg-Volkmar Zedtwitz-Arnim ver\u00f6ffentlichten Werkes \u2013 wird oftmals mit den von Unternehmen publizierten Nachhaltigkeitsberichten in Verbindung gebracht. Bedeutet das, dass nur \u00fcber Gutes und besser nicht \u00fcber Schlechtes geredet werden soll? Wann ist eigentlich \u201egut\u201c gut und wie soll \u00fcberhaupt dar\u00fcber geredet werden? Ist das, was f\u00fcr mich gut ist, auch gut f\u00fcr jemand anderen? Und mit wem rede ich eigentlich dar\u00fcber?<\/p>\n\n\n\n<p>Solche Fragen, fehlende Standards, unzureichende gesetzliche Vorgaben, ver\u00e4nderte Konsumentenbed\u00fcrfnisse und Gruppenzwang liefern Erkl\u00e4rungsans\u00e4tze, weswegen das Thema \u201eNachhaltigkeit\u201c mitunter recht schwammig angegangen wird und Unternehmen dazu verleitet \u2013 bewusst oder unbewusst \u2013 \u201eGreenwashing\u201c zu betreiben. Nah am potemkinschen Dorf und fern von Belastbarkeit l\u00e4sst sich aber vermuten, dass solche Nachhaltigkeitsberichte angez\u00e4hlt sind und Greenwashing keine Option mehr bleibt.<\/p><div class=\"great-fullsize-content-de\" style=\"float: left;\" id=\"great-2727845360\"><div id=\"great-3214861972\" style=\"margin-bottom: 20px;\"><a data-no-instant=\"1\" href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=6yfv7eho3Gc\" rel=\"noopener\" class=\"a2t-link\" target=\"_blank\" aria-label=\"Fullsize\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_26_04_08_1200x150.jpg\" alt=\"Fullsize\"  srcset=\"https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_26_04_08_1200x150.jpg 1200w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_26_04_08_1200x150-400x50.jpg 400w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_26_04_08_1200x150-768x96.jpg 768w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_26_04_08_1200x150-100x13.jpg 100w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_26_04_08_1200x150-480x60.jpg 480w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_26_04_08_1200x150-640x80.jpg 640w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_26_04_08_1200x150-720x90.jpg 720w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_26_04_08_1200x150-960x120.jpg 960w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_26_04_08_1200x150-1168x146.jpg 1168w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_26_04_08_1200x150-18x2.jpg 18w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/banner_26_04_08_1200x150-600x75.jpg 600w\" sizes=\"(max-width: 1200px) 100vw, 1200px\" width=\"1200\" height=\"150\"  style=\" max-width: 100%; height: auto;\" \/><\/a><\/div><\/div>\n\n\n\n<p>Die Europ\u00e4ische Kommission sieht ab dem Gesch\u00e4ftsjahr 2024 eine sukzessive Erweiterung der Unternehmenspflichten vor, um \u00fcber den Umgang mit Nachhaltigkeit im Rahmen des Jahresabschlusses Bericht zu erstatten. Eine Vielzahl an Unternehmen wird erstmals von der Berichtspflicht betroffen sein. Diese Unternehmen werden nichtfinanzielle Kennzahlen ermitteln und ver\u00f6ffentlichen m\u00fcssen, um Transparenz zu schaffen und damit auch Vergleichbarkeit mit anderen Unternehmen zu erm\u00f6glichen. Diese Nachhaltigkeitsinitiative per Gesetz soll dazu f\u00fchren, dass auch der Nachhaltigkeitsbericht durch die Anwendung eines internationalen Standards nachhaltiger beziehungsweise sein Papier endlich wert wird. Zudem m\u00fcssen die Berichtsinhalte dann \u2013 analog zum Jahresabschlussbericht \u2013 von externen Pr\u00fcfern testiert werden.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Nachhaltigkeit <\/h2>\n\n\n\n<p>Alle sprechen von Nachhaltigkeit \u2013 doch meinen alle auch wirklich dasselbe? Unstrittig ist die auch vom Duden vertretene terminologische Definition einer langfristig ausgerichteten Wirkung beziehungsweise des Grundsatzes, dass der Ressourcenverbrauch geringer sein muss als die jeweilige Regenerationsm\u00f6glichkeit.<\/p>\n\n\n\n<p>Corporate Social Responsibility (CSR) befasst sich mit der Verankerung von Nachhaltigkeit in Unternehmenshandlungen und -werten zur Sicherstellung der unternehmerischen Verantwortung f\u00fcr die Gesellschaft \u2013 wobei diese Bestrebungen eher ideologischer und qualitativer Natur sind. Zur tats\u00e4chlichen Analyse von Nachhaltigkeit eignet sich der ESG-Ansatz, denn dabei erfolgt die Betrachtung entlang der Dimensionen Environmental, Social und Governance, um nichtfinanzielle Kennzahlen unter Ber\u00fccksichtigung von Standards quantitativ greifbar (im Sinne von messbar, steuerbar und vergleichbar) zu machen. Fehler im Umgang mit Nachhaltigkeit haben dann aber sehr wohl einen finanziellen Einfluss (in der Regel betrifft dies die Reputation des Unternehmens); auch erfordert die Behandlung im Risikomanagement unbedingt eine Quantifizierung von ESG-Risiken.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Zu Risiken und Nebenwirkungen<\/h3>\n\n\n\n<p>Die Datensammlung, -analyse und -aufbereitung ist herausfordernd, denn die ermittelten Werte m\u00fcssen dann auch valide und belastbar sein, um der erforderlichen Sorgfalt eines ordentlichen und gewissenhaften Gesch\u00e4ftsleiters (im Sinne der Business Judgment Rule nach \u00a7 93 AktG) gerecht zu werden (Stichwort: \u201eangemessene Information\u201c). Der Gesetzgeber sieht daf\u00fcr die Beweislast beim Gesch\u00e4ftsleiter (\u00a7 93 Abs. 2 Satz 2 AktG): W\u00fcrden einem Unternehmen beispielsweise \u2013 aufgrund eines positiven ESG-Ratings \u2013 bessere Zinskonditionen gew\u00e4hrt werden und stellte sich im Nachgang heraus, dass die Informationen zur Kennzahlenermittlung fehlerhaft (also \u201enichtangemessen\u201c) waren, so k\u00f6nnen daraus pers\u00f6nliche Haftungsrisiken f\u00fcr den Gesch\u00e4ftsleiter resultieren. <\/p>\n\n\n\n<p>Schlie\u00dflich l\u00e4sst sich die \u201eChefsache\u201c auch hinsichtlich Compliance-Anforderungen manifestieren, denn die Sorgfalt eines ordentlichen und gewissenhaften Gesch\u00e4ftsleiters verlangt ebenfalls, regulatorischen Verpflichtungen (zum Beispiel zum ESG-Reporting) nachzukommen.Eine zentrale Herausforderung besteht folglich darin, f\u00fcr das ESG-Reporting relevante Daten zu identifizieren (oder gegebenenfalls auch erst systematisch zu erfassen) und zur Ermittlung von Kennzahlen aufzubereiten. Das \u201eAufbrechen von Silos\u201c ist dabei kein unbekanntes Problem (zumindest nicht in den Querschnittsdisziplinen Risikomanagement, Wissensmanagement, Marketing und so weiter).<\/p>\n\n\n\n<p>Zur Erstellung von aussagekr\u00e4ftigen und transparenten Nachhaltigkeitsberichten k\u00f6nnen manuell erstellte Dokumente kaum belastbar unterst\u00fctzen, denn neben der Handhabung einer Vielzahl unterschiedlicher Datenquellen sind zur Kennzahlenermittlung zum Beispiel auch geolokale oder zeitliche (Teil-)Aggregationen erforderlich: Wie viele Tonnen Abfall werden in Ihren Betrieben pro Jahr verursacht und wie setzt sich der Abfall zusammen? Wie viele Tonnen CO2 verbraucht Ihr Unternehmen durch Gesch\u00e4ftsreisen nach Fahrzeugart und Reiseland?\u00a0Obwohl zur praktischen Umsetzung beispielsweise auch Werkzeuge zur Berechnung von Emissionen bereitgestellt werden, ist ihr tats\u00e4chlicher Einsatz in der Praxis \u2013 aufgrund der regelm\u00e4\u00dfig durchzuf\u00fchrenden manuellen Verarbeitungsaktivit\u00e4ten \u2013 subjektiv gepr\u00e4gt, aufw\u00e4ndig, langsam, fehleranf\u00e4llig und damit riskant und teuer. Um belastbare ESG-Kennzahlen (im Sinne von \u201eangemessenen Informationen\u201c) ermitteln zu k\u00f6nnen, bedarf es vielmehr der betriebswirtschaftlichen Analyse von relevanten Datenquellen. Das sind unter anderem logistische Prozesse in einem ERP-System. Letztlich setzt dies aber auch voraus, dass die zur Kennzahlenermittlung erforderlichen Daten im System vorhanden sind.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Nachhaltigkeitsbericht per Knopfdruck<\/h3>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend Greenwashing-Ans\u00e4tze einem \u201enachhaltig per Knopfdruck\u201c entsprechen, verlockt der charmante Gedanke dahingehend, auch tats\u00e4chlich belastbare Nachhaltigkeitsberichte (zumindest weitestgehend) per Knopfdruck erstellen zu k\u00f6nnen. Ein vielversprechender Ansatz liegt in der retrograden Analyse betriebswirtschaftlicher Anwendungssysteme mithilfe regelbasierter Pr\u00fcfschritte. Damit k\u00f6nnen Nutzungsschwerpunkte und -defizite identifiziert werden, die sich in Stammdaten, Funktionen und Gesch\u00e4ftsprozessen wiederfinden. Unternehmen k\u00f6nnen sich diese Methode zur Nachhaltigkeitsberichterstattung zunutze machen, indem das ERP-System mit ESG-Daten angereichert und hinsichtlich definierter ESG-Anforderungen regelbasiert analysiert wird. <\/p>\n\n\n\n<p>Die Regeln orientieren sich dabei an anerkannten Standards (zum Beispiel die zuk\u00fcnftig verpflichtenden Regelungen der Europ\u00e4ischen Kommission; die Vorgaben des International Sustainability Standards Board (ISSB), Kennzahlen der Global Reporting Initiative (GRI) etc.) und zeigen auf Basis der Systemdaten auf, wie das Unternehmen hinsichtlich der jeweiligen Vorgaben aufgestellt ist. Zugleich wird durch eine solche Nutzungsanalyse transparent offengelegt, ob im System die zur Analyse erforderlichen Daten \u00fcberhaupt gepflegt werden beziehungsweise welche Daten noch zu pflegen sind, um darauf aufbauend aussagekr\u00e4ftige Nachhaltigkeitskennzahlen zu ermitteln. <\/p>\n\n\n\n<p>Der Vorteil f\u00fcr Unternehmen liegt auf der Hand, denn anstelle von subjektiven Erhebungen werden aufgrund der h\u00f6heren Datenqualit\u00e4t belastbare Fakten geschaffen, die valide Entscheidungen zulassen: Auf Basis der ermittelten aussagekr\u00e4ftigen ESG-Kennzahlen k\u00f6nnen dann Ma\u00dfnahmen definiert werden, die zur Verbesserung der aktuellen Nachhaltigkeitssituation beitragen sollen. Durch die regelm\u00e4\u00dfige Wiederholung einer solchen Analyse lassen sich Ver\u00e4nderungen \u00fcber die Zeit hinweg feststellen.<\/p>\n\n\n\n<p>Denkbar ist, dass dieses Verfahren auch in der Wirtschaftspr\u00fcfung Einsatz findet, indem der Auditor eine retrograde Analyse zur Ermittlung von Nachhaltigkeitskennzahlen durchf\u00fchrt und diese mit den vom Unternehmen ermittelten Kennzahlen gegen\u00fcberstellt. Damit wird eine belastbare Testat-Grundlage entlang des jeweiligen Standards geschaffen, die den Wirtschaftspr\u00fcfer entlastet (auch im Sinne einer Aufwandsentlastung; es wird an die massive Erh\u00f6hung der Anzahl berichtspflichtiger Unternehmen erinnert). Zugleich wird durch den standardisierten Ablauf aber auch der Aufwand bei Unternehmen reduziert, der bei h\u00e4ndischer Datenbeschaffung und manueller Aufbereitung zu bewerkstelligen w\u00e4re. So kann der von manchen empfundene EU-Regulierungswahn durchaus dazu beitragen, die Unternehmen dahin zu bewegen, nachhaltiger zu werden, denn ein Vorbeikommen an den Anforderungen wird vermutlich nicht nachhaltig m\u00f6glich sein.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/2210_ibis_E_low.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">PDF (auf englisch)<\/a><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-resized\"><a href=\"https:\/\/e3mag.com\/partners\/ibis_prof_thome_ag\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1000\" height=\"112\" src=\"https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/CI-Banner-ibis.jpg\" alt=\"CI Banner IBIS\" class=\"wp-image-115119\" style=\"width:840px;height:94px\" srcset=\"https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/CI-Banner-ibis.jpg 1000w, https:\/\/e3mag.com\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/CI-Banner-ibis-768x86.jpg 768w, 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